Kolumne des Oberbürgermeisters (6. November 2012)

Liebe Oldenburgerinnen und Oldenburger,

der November hat begonnen. Und er ist wie er ist: Nass und kalt erinnert er uns daran, dass nach dem Herbst noch der Winter kommt. Vielen Dank! Mich erinnert er aber an noch etwas, nämlich an ein wiederkehrendes Ritual. Jedes Jahr um diese Zeit stelle ich mir dieselbe Frage; und sie hat nichts mit den Jahreszeiten zu tun, sondern mit Literatur: Kann ich hier etwas über die KIBUM schreiben, das nicht irgendwann von irgendwem schon mal aufgeschrieben wurde?

Wahrscheinlich nicht. Und warum mache ich es trotzdem? Weil Wiederholung in diesem Fall nicht schadet. Verstehen wir sie lieber als Stilmittel und als Betonung. Man kann die KIBUM gar nicht häufig genug erwähnen und intensiv genug loben – denn sie ist etwas, das es selten gibt: Bildung, die spannend ist, die Spaß macht, die Neues zeigt, die fasziniert und begeistert. Es ist also nicht redundant oder sogar überflüssig, wenn man die KIBUM alle Jahre wieder auf ein Podest hebt und das Rampenlicht auf sie richtet. Es ist eine angemessene Form der Würdigung. Und ich schreibe das nicht, weil ich Werbung für ein städtisches Projekt machen möchte. Ich schreibe das, weil Fachleute und Experten – unter ihnen die kompetentesten von allen: die Kinder und Jugendlichen – diese Einschätzung Jahr für Jahr bestätigen.

Das betrifft nicht nur das Niveau, sondern auch die Entwicklung. Die KIBUM behauptet ihren Status in der Literaturwelt nicht nur, sie baut ihn sogar aus. Dieser Trend bemisst sich nicht allein über Besucherzahlen, obwohl die sehr positiv sind. Er bemisst sich auch über die inhaltlichen Schwerpunkte mit den wechselnden Partnerländern (in diesem Jahr steht mit Südafrika ein faszinierendes Land im Mittelpunkt), über das Begleitprogramm in Form von Ausstellungen, Lesungen, und Konzerten, über die attraktive und kreative Inszenierung. Der letzte Punkt wirkt zunächst wie ein Randaspekt, weil er den „harten Kern“ – die Bücher – nur begleitet. Aber wer einmal bei der KIBUM war weiß, dass der Moment der Begegnung, der visuelle oder haptische Kontakt mit dem Buch, entscheidend ist für die Wahrnehmung. An einem einzigen Tag kann man im PFL hunderte Kinder beobachten, die mit großen Augen vor den Regalen stehen, Bücher wie Schätze an sich klammern, zu Leseinseln tragen und sich dann aus unserer Alltagswelt verabschieden, um in die Worte und Bilder einzutauchen. Das sind inspirierende Momente, in denen man den „Bildungsfunken“ förmlich überspringen sieht.

Wie gesagt: Die KIBUM ist Bildung, die Spaß macht. Das korrespondiert hervorragend mit unseren inhaltlichen Schwerpunkten. Oldenburg ist eine Stadt der Talente – und für Talente gibt es keine Altersbeschränkungen. Je früher wir unsere Kinder für das Lernen begeistern, desto mehr werden sie auf ihrem Lebensweg davon haben. Oldenburg versteht sich aber auch als eine Stadt der Innovation und Kreativität – und das betrifft auch die Bildung. Nicht nur in der Schule. Auch außerhalb können verschiedene Akzente gesetzt werden. Die KIBUM ist dabei ein Leuchtturm, der unsere Bemühungen nach innen und außen wahrnehmbar macht. Sie ist in allererster Linie eine nichtkommerzielle Messe mit Kindern und Jugendlichen als Kernzielgruppe. Um sie geht es, das ist unumstößlich. Darüber hinaus ist sie aber auch ein Werbe-, Image- und Sympathieträger für unsere Stadt, weil sie positiv besetzte Inhalte und Botschaften transportiert, die hervorragend zu Oldenburg passen. Beide Facetten gemeinsam machen sie zu einer der wertvollsten Veranstaltungen in unserem Kalender. Dafür danke ich allen beteiligten Autoren und Verlagen, Partnern und Unterstützern.

Allen kleinen und großen Besucherinnen und Besuchern wünsche ich eine wunderbare Zeit im PFL. Egal, ob man ein Bilderbuch anblättert oder einen Wälzer durchliest – jeder Besuch und jeder Griff zum Buch hat seinen Wert. Denn jede Berührung mit einem Einband macht das Lesen – und die Bildung – zu einem immer selbstverständlicheren Begleiter im Leben des jungen Publikums. Dafür würde sich jeder Aufwand lohnen. Und dafür stelle ich die KIBUM gerne wiederholt auf ein Podest und richte das Rampenlicht auf sie. Verdient ist verdient.

Ihr
Gerd Schwandner

Oberbürgermeister