Kolumne des Oberbürgermeisters (7. Mai)

Liebe Oldenburgerinnen, liebe Oldenburger,

über viele Jahrhunderte hinweg hatten Bürgermeister immer nur eine einzige Sache zu tun: Dem eigenen Standort Vorteile verschaffen. Eine simple Aufgabe. Oder doch nicht? Früher vielleicht. Da durfte der eigene Fortschritt nämlich ruhig auf Kosten anderer gehen. Kollateralschäden in der Nachbarschaft wurden in Kauf genommen. Hauptsache, man stand selbst besser da als vorher. Aber heute? Da ist es schwieriger. Erstens will man seine Nachbarn nicht vergrätzen. Zumindest will ich das nicht. Und zweitens weiß man inzwischen, dass Kooperationen viel vorteilhafter sind als Konfrontationen.

Ein Beispiel aus der Region: Früher lagen Bremen und Oldenburg ständig im Streit. Das ging über Jahrhunderte so. Lange ging es dabei um den Elsflether Weserzoll. Die Oldenburger kassierten die vorbeifahrenden Schiffe kräftig ab, was bei den Bremern auf wenig Gegenliebe stieß. Sie wehrten sich – hatten jedoch Pech damit: Nach einigen Rangeleien ergriff der Kaiser (!) Partei für Oldenburg und verhängte eine Reichsacht gegen Bremen. Es waren raue Zeiten damals. Denn: Jeder war sich selbst der Nächste. Der Vorteil des einen kostete den anderen einen Nachteil. Niemand stellte die Frage, ob es gemeinsam nicht viel besser ginge.

Das ist heute zum Glück anders. Wir haben aus unserer Geschichte gelernt. Die Städte in unserer Region kooperieren immer mehr und immer stärker. Oldenburg schaut dabei westwärts und ostwärts. In den Westen zu unserer Partnerstadt Groningen, mit der wir immer mehr zusammenwachsen. Und in den Osten zu unserem Metropolregionspartner Bremen, mit dem uns viel mehr vereint als trennt, wie wir heute wissen. Beide Perspektiven eröffnen den Blick auf spannende und interessante Partner, die in vielerlei Hinsicht ganz ähnlich „ticken“ wie wir selbst.

Eine Frage musste sich früher oder später ganz zwangsläufig stellen: Wenn uns mit Groningen ebenso viel verbindet wie mit Bremen – warum macht man dann aus den beiden Zweierbündnissen nicht einfach ein Dreierbündnis? Schließlich haben wir beste Voraussetzungen für eine starke gemeinsame Entwicklung. Wenn man auf eine Karte von Kerneuropa guckt und die Mitte des Kontinents markieren sollte, dann würde man das Kreuz nämlich in unserer Region machen. Der Nordosten der Niederlande und der Nordwesten Deutschlands bilden das Zentrum Europas.

Noch tun sie das allerdings nur geographisch. Politisch oder wirtschaftlich können wir das nicht von uns behaupten. So ehrlich müssen wir sein. Das sehe ich zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht als Problem. Man muss bedenken, woher wir kommen. Zumindest für den deutschen Norden kann man behaupten, dass er früher lange Zeit eher dämmerte als pulsierte. Das lag zum Teil an den strukturellen Nachteilen gegenüber anderen Regionen. Zum Teil waren die Probleme aber auch hausgemacht.

Sei’s drum. Fest steht: Wir bewegen uns weg von dieser Schieflage und holen gegenüber anderen mehr und mehr auf. Und ich bin sicher: Irgendwann wird das vorbei sein. Nicht weil uns die Puste ausgegangen wäre. Sondern weil wir dann vorangehen, anstatt hinterherzulaufen. Wir werden den Vorteil unserer kernzentralen Lage in Europa noch besser nutzen als bisher: Nämlich gemeinsam.

Diesen Gedanken haben wir – Bürgermeister Jens Böhrnsen aus Bremen, Burgemeester Jacques Wallage aus Groningen und ich – nun in feste Formen gegossen. Am 7. Mai haben wir eine trilaterale Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Das war ein kleiner, aber wichtiger Schritt. Ich sehe diese neue Achse von Bremen über Oldenburg nach Groningen als ein Zeichen der Stärke. Sie ist ein klares Signal, dass wir keine Einzelkämpfer sind, sondern ein starker Verband, der auch – und gerade – über Grenzen hinweg funktioniert. Mir gefällt zudem, dass wir für unsere Zusammenarbeit nichts konstruieren müssen. Bremen, Oldenburg und Groningen verbindet vieles. In der Mentalität, in der Philosophie, in der Strategie. Das macht uns stark. Dennoch gibt es einige Unterschiede im Denken und Handeln. Das ist aber kein Nachteil. Das macht uns nämlich noch stärker.

Mit unserer Kooperationsvereinbarung machen wir etwas Gutes noch besser. Und, in Anlehnung an Andy Warhols berühmte Vervielfältigungs-Variation von Leonardos Porträt Mona Lisa, „Thirty Are Better Than One“, ergänze ich: „Three are better than two“. Zu dritt – das steht für mich fest – ist unser Bündnis noch stärker, noch effektiver und noch deutlicher wahrnehmbar. Schlicht gesagt: Noch besser. Und deshalb freue ich mich über diesen nächsten großen Schritt in Richtung einer erfolgreichen Zukunft. Für Oldenburg und für die Region!

Ihr Gerd Schwandner
Oberbürgermeister