Kolumne des Oberbürgermeisters (9. September)

Liebe Oldenburgerinnen und Oldenburger,

irgendjemand hat mal das Gerücht in die Welt gesetzt, Verwaltungen seien unbeweglich und starr. So ein Unsinn. Die Stadt Oldenburg beweist auf personeller Ebene gerade das Gegenteil. Nachdem im Juni Stadtbaurat Dr. Frank-Egon Pantel ging, steht nun der Wechsel unseres Kulturdezernenten Martin Schumacher nach Bonn bevor.

Obwohl beide in ihren Bereichen große Verdienste erworben haben, sehe ich keinen der beiden Wechsel für irgendjemanden als negativ an. Normalerweise gilt zwar der Leitsatz „Never change a running system“. Doch es gibt Ausnahmen. Und zwar immer dann, wenn jemand aus dem „System“ eine neue Herausforderung sucht. Ich habe großes Verständnis dafür. Erst recht bei einem Kosmopoliten wie Martin Schumacher, der Teile seiner Karriere in Uruguay, Italien und Spanien verbrachte. Angesichts dieses bewegten Lebenslaufs kommt es nicht völlig überraschend, dass er nun den Schritt von Oldenburg in die doppelt so große Bundesstadt Bonn wagt. Eine Chance wie diese ist schließlich selten genug. Ich wünsche ihm für die neue Aufgabe von Herzen alles Gute – und bin gleichzeitig fest davon überzeugt, dass die Bonner viel Freude an ihrer Entscheidung haben werden.

Letztlich kann man es als ein Kompliment verstehen, wenn eine wesentlich größere Stadt – und ehemalige Hauptstadt mit entsprechenden Strukturen – unseren Kulturdezernenten verpflichten möchte. Schließlich tut sie dies auch deshalb, weil hier in Oldenburg gute Arbeit geleistet wurde. Und das betrifft nicht allein den Dezernenten, sondern genauso sehr sein Dezernat. Mein Dank gilt also nicht nur Herrn Schumacher, sondern gleichzeitig seinen Mitarbeitern im Kulturamt, im Amt für Museen, im Gesundheitsamt, im Schulamt, im Sozialamt und im Jugendamt. Sie alle haben dafür gesorgt, dass Oldenburg hohe Aufmerksamkeit genießt, was die Arbeit in diesen Bereichen angeht. Freuen wir uns also über sechseinhalb Jahre guter Zusammenarbeit – anstatt darüber zu trauern, dass diese Zeit nun bald vorbei ist.

Was heißt all das nun für Oldenburg? Und wie gehen wir damit um? Zunächst einmal ist nicht zu befürchten, dass es zu einem Bruch in unserer Kulturarbeit kommt. Dafür ist sie mir und vielen von Ihnen, liebe Oldenburgerinnen und Oldenburger, viel zu wichtig. Außerdem können wir auf den Masterplan Kultur aufbauen, der uns selbstverständlich erhalten bleibt. Und sowieso sehe ich in jeder Veränderung etwas Positives. Das ist hier nicht anders. Sie gibt uns Anlass und Möglichkeit, unsere Strukturen zu überprüfen und zu optimieren. Deshalb diskutieren wir jetzt verstärkt über eine Aufwertung des Sozialbereichs einschließlich eines eigenen Dezernenten. Vorstellbar wäre es, den Kultursektor und vielleicht den Sportbereich aus der aktuellen Struktur herauszulösen – wie zum Beispiel von Michael Exner in der Nordwest-Zeitung vorgeschlagen – und in meinem Dezernat anzusiedeln. Die verbleibenden Bereiche könnten dann ein kompaktes Sozialdezernat bilden. Diese Änderung würde die Kultur in ihrer Bedeutung tendenziell noch aufwerten; entscheidend ist aber, dass wir dem Sozialen dadurch diejenige Bedeutung verleihen würden, die es verdient. Schließlich handelt es sich dabei um die ehrenvolle gesellschaftliche Verpflichtung, allen Bürgerinnen und Bürgern die bestmöglichen Chancen für ihr Leben zu eröffnen. Das ist zwar keine leichte Aufgabe. Doch sie ist ungemein wichtig. Auch – und erst recht – in einer Übermorgenstadt.

Es ist zwar schade für die Oldenburger Kulturszene, dass Martin Schumacher nach Bonn wechselt. Doch ich sehe darin – wie gesagt – zunächst keinen Nachteil. Herr Schumacher kann in einer größeren Stadt eine Position übernehmen, die voll auf ihn zugeschnitten ist. Bonn bekommt einen versierten Kulturmanager, der bei uns wertvolle Erfahrungen gesammelt hat. Und Oldenburg hat nun die seltene Gelegenheit, wichtige Weichenstellungen vornehmen zu können, die vielleicht unterblieben wären, wenn wir weiterhin auf unser „Running System“ vertraut hätten.

Insofern bleibe ich dabei: In jeder Veränderung lässt sich etwas Gutes erkennen. Das wird auch in diesem Fall so sein. Jedenfalls bedeuten die personellen Entwicklungen keinen Rückschlag für unsere Stadt. Das wären sie höchstens dann, wenn man nicht in der Lage wäre, mit solchen Situationen umzugehen und sie konstruktiv zu verarbeiten. Doch das sind wir durchaus. Deshalb wird Oldenburg seinen positiven Weg weitergehen. In der Kultur. Im Sozialen. Und insgesamt.

Ihr
Gerd Schwandner
Oberbürgermeister