Kolumne vom 10.8.2007

Liebe Oldenburgerinnen, liebe Oldenburger,

wer erinnert sich nicht gern zurück an den letzten Sommer, als die Fußball-WM das ganze Land in ein großes Stadion verwandelt hat? Und wer ist nicht zu Beginn des Jahres zu einem eingefleischten Handball-Fan geworden, als die deutsche Mannschaft bei der WM im eigenen Land den Titel holte? Es gab kaum jemanden, der sich der Magie dieser Ereignisse entziehen konnte. Oldenburg war zwar nur ein Zaungast – aber trotzdem wurde hier mindestens so mitgefiebert, als wären wir eine waschechte WM-Stadt. Und bei den (leider wenigen) Public Viewings war die Stimmung fast genauso gut, als wäre man live dabei.

Was wir uns damals nur vorstellen oder erträumen durften, ist in diesen Tagen Realität geworden: Oldenburg ist WM-Stadt! Seit dem 7. August findet unter anderem im Marschwegstadion die 12. Faustball-WM der Herren statt! Und nicht nur das – neben dem Eröffnungsspiel wird auch das Finale hier in Oldenburg ausgetragen. Ein WM-Finale! Hier bei uns! Das ist doch ein Hammer!

Oder doch nicht? Man hat derzeit noch das Gefühl, als wäre die Faustball-WM noch nicht überall in Oldenburg angekommen. Bei den Eröffnungsspielen gab es gut gefüllte Tribünen, hervorragende Stimmung und ansehnliche Spiele. Der einzige Haken: Die WM-Atmosphäre endete leider schon kurz nach dem Stadionsausgang. Bereits auf dem Marschweg verlor sich die Begeisterung im Oldenburger Alltag. Ich finde: Das können wir besser!

Zugegeben: Faustball ist nicht Fußball. Und auch mit dem Handball – immerhin Sportart Nummer 2 in Deutschland – kann man nicht ganz mithalten. Aber gerade die Handball-WM ist ein gutes Beispiel dafür, was möglich ist, wenn Erfolg und Enthusiasmus aufeinander treffen. Vor der WM in Deutschland gab es zwar viele Handball-Fans – die Ausmaße, die die Begeisterung letztlich annahm, hat aber dennoch niemand vorausgeahnt. Sie ging weit über das Erwartete hinaus. Aus dem Fußball-Sommermärchen wurde ein Handball-Wintermärchen. Und wenn wir Deutschen schon das Bild eines Märchens bemühen – dann müssen wir in der Tat ganz schön beeindruckt gewesen sein.

In solchen Dimensionen darf man bei der Faustball-WM natürlich nicht denken. Ein „Sommermärchen 2.0“ steht uns nicht ins Haus. Ich erwarte also nicht, dass ab morgen alle Oldenburger ihre Deutschland-Fähnchen wieder herauskramen und hupend um den Wallring fahren. Mich würde es aber freuen, wenn der Funke, den die WM im Stadion schon geschlagen hat, sich ein wenig ausbreiten würde und sich noch mehr Menschen für die Faustball-WM begeistern ließen.

Dass dieser Sport nicht so sehr in der Öffentlichkeit steht wie andere, liegt nämlich keineswegs daran, dass er unattraktiv wäre. Das ist er beileibe nicht. Es liegt vielmehr am Image, das – aus welchen Gründen auch immer – nicht „cool“ oder „hip“ ist. Ich finde, man sollte aber über den Tellerrand solcher Vorurteile hinausschauen – und sich stattdessen im Marschwegstadion vom Gegenteil überzeugen. Wenn der Sport noch nicht „hip“ ist, dann machen sie ihn einfach „hip“ – indem Sie hingehen!

Man sollte sich fragen: Wie oft habe ich die Chance, eine Weltmeisterschaft live mitzuerleben? Noch dazu in Oldenburg? Und werde ich es nicht bereuen, wenn wir hier, in meiner Heimatstadt, den Titel holen – und ich war nicht dabei? Wer sich diese Fragen stellt, müsste eigentlich schnurstracks zur nächsten Kartenverkaufsstelle pilgern. Oder gleich ins Stadion. Und dort gibt es dann spannende Spiele zu sehen, ein enthusiastisches Publikum – und einen Sport, der es verdient hat, mehr im Rampenlicht zu stehen, als er bisher getan hat.

Ich drücke dem deutschen Team beide Daumen. Vielleicht tun Sie das auch. Am besten vor Ort im Stadion – und zeigen Sie, dass Oldenburg eine begeisterte und begeisternde Sportstadt ist. Ich wünsche Ihnen viel Freude dabei!

Ihr Gerd Schwandner
Oberbürgermeister