Kolumne des Oberbürgermeisters (1. November 2007)

Liebe Oldenburgerinnen, liebe Oldenburger,

das erste Jahr meiner Amtszeit liegt nun hinter mir. Eigentlich ist das nichts Besonderes, schließlich habe ich erst ein Achtel geschafft. Als Arbeitnehmer schaut man ja auch nicht um 9.00 Uhr darauf, was man seit 8.00 Uhr erledigt hat. Abgerechnet wird am Ende – eines Tages, einer Woche oder eben einer Amtszeit. Dennoch ist dieser 1. November 2007 ein guter Anlass, um mal zurückzublicken auf das, was bisher geschehen ist.

Vorab: Ich habe mich vom ersten Tag an in Oldenburg hervorragend aufgenommen gefühlt. Hier und da war anfangs zwar eine gewisse Skepsis spürbar – aber das kann ich verstehen. Schließlich ist es für Einheimische etwas gewöhnungsbedürftig, wenn ausgerechnet ein Ortsfremder die Geschicke der Stadt in die Hand nehmen soll. Aber: Wenn ich mit den Menschen ins Gespräch gekommen bin und wir uns ein bisschen kennen lernen durften, schmolz das Eis schnell. Das hat mir viel bedeutet. Mittlerweile denke und fühle ich längst als Oldenburger. Es macht Spaß, hier zu leben und zu arbeiten – und zwar jeden Tag aufs Neue. Dazu trägt auch die gute Zusammenarbeit mit der Verwaltung bei, für die ich mich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern herzlich bedanken möchte.

Man könnte sagen: Das Fundament steht – nun ist das Gestalten dran. Wobei ich diesen Begriff etwas weiter fasse. Er steht also nicht zwangsläufig  für ein Stakkato an Grundsteinlegungen und Richtfesten. Mir geht es nicht darum, dass wir einen Neubau nach dem anderen in die Landschaft stellen. Wobei das natürlich auch eine Rolle spielt. Das mögliche neue Stadion zum Beispiel wäre ein Projekt, das für Oldenburg eine immense Bedeutung hätte. Da müssen wir (im wahrsten Sinne des Wortes) unbedingt am Ball bleiben. Dennoch definiere ich mich nicht über die Maurerkelle. Mir war es wichtig, zunächst eine Vision von Oldenburg zu entwickeln, an der ich einzelne Maßnahmen ausrichten kann. Anders ausgedrückt: Ich habe mir erst ein Ziel gesucht und möchte nun darauf zugehen – anstatt erst loszusprinten, um dann irgendwo im Nirgendwo anzukommen.

Mein Ziel heißt „Neue Urbanität“. Ich stelle mir Oldenburg als eine moderne, dynamische Großstadt vor, die einen Stilmix bietet, der die Menschen fasziniert – eine Mischung aus Alt und Neu, aus Tradition und Aufbruch, aus Lebensqualität und Lebendigkeit, aus Herzlichkeit und Direktheit. Ich möchte Gutes bewahren – und Gutes hinzufügen. Mir geht es darum, den derzeit vorhandenen Schwung nicht auslaufen zu lassen (denn es garantiert niemand, dass es so weitergeht), sondern in Bahnen zu lenken, die Oldenburg dauerhaft nutzen können.

Unter Urbanität verstehe ich sowohl die äußeren als auch die inneren Werte unserer Stadt. Äußerlich – das heißt gute Architektur, clevere Infrastruktur, viel Raum für Aufenthaltsqualität. Innerlich – das heißt gutes soziales Klima, Integration ausländischer Mitbürger, Zusammenleben von Jung und Alt. Außerdem möchte ich die Stadt mit den Bürgerinnen und Bürgern gestalten – nicht ohne oder sogar gegen sie. Ich halte es für selbstverständlich, dass die Bevölkerung in alle wichtigen Prozesse mit eingebunden wird – was zum Beispiel beim Bahnhofsviertel oder bei der L865 schon sehr gut funktioniert (hat). Ein gutes Beispiel sind auch die Bürgerforen, die jedes größere Projekt begleiten. So etwas hat es in dieser Form bisher nicht gegeben. Oder schauen Sie mal ins Internet. Auskunftsfreudiger und transparenter war die Verwaltung nie.

Letztlich geht es darum, Oldenburg noch besser zu machen. Das ist möglich. Und das muss unser Anspruch sein. Keine Sorge: „Noch besser“ heißt nicht, Gewohntes und Beliebtes zu entfernen. „Noch besser“ heißt Potenziale auszuschöpfen, wo sie noch ungenutzt sind. Ich möchte den Rohdiamanten Oldenburg fein schleifen. Vielleicht benutze ich dafür das eine oder andere unbekannte Werkzeug. Aber wenn am Ende ein funkelnder Edelstein dabei herauskommt – dann dürfte das doch eigentlich keine Rolle spielen?

Also: Dass ein völlig neues Team hier einen Traumstart hinlegt und alle Oldenburger schon nach einem Jahr restlos glücklich sind, durfte man nicht erwarten. Dass es zu diesem frühern Zeitpunkt aber schon viele positive Tendenzen gibt, freut mich sehr. Ich bitte um Vertrauen und Unterstützung für unseren weiteren gemeinsamen Weg. Ich darf Ihnen versichern: Oldenburg ist mir eine Herzensangelegenheit. Nach nur einem Jahr bin ich hier so heimisch geworden, wie ich mich bisher selten irgendwo gefühlt habe. Ein größeres Kompliment kann ich dieser Stadt gar nicht machen. Und deshalb werde ich alles dafür geben, sie weiter voranzubringen. Gemeinsam mit den Fraktionen. Und ganz besonders mit den Bürgerinnen und Bürgern.

Deshalb haben Sie keine Scheu: Wenn Sie Fragen oder Anregungen haben – ich bin unter oberbuergermeister(at)stadt-oldenburg.de immer zu erreichen.

Auf eine gute Zukunft!

Ihr Gerd Schwandner
Oberbürgermeister