Kolumne des Oberbürgermeisters (12. September 2007)

Liebe Oldenburgerinnen, liebe Oldenburger,

der September ist einer der spannendsten Monate in Oldenburg. Nach dem Stadtfest und noch vor dem Kramermarkt steht eines der größten Highlights des Jahres an: Das Internationale Filmfest.

Das Internationale Filmfest? Highlight des Jahres? Ja, genau! Ich kenne dieses Festival schon aus Zeiten, als ich noch kein Oldenburger war. Es genießt außerhalb unserer Stadt, bei Filmfans in ganz Deutschland und Europa, einen sehr guten Ruf. Natürlich gilt diese Feststellung auch für viele Menschen innerhalb Oldenburgs. Doch eigentlich müsste dieses Ereignis noch viel mehr im Mittelpunkt stehen. Denn es ist das popkulturelle Aushängeschild der Stadt. Nichts strahlt heller, nichts strahlt weiter.

Dennoch war das Filmfest lange Zeit ein Prophet im eigenen Lande. In den ersten Jahren tat die Oldenburger Öffentlichkeit sich etwas schwer mit dem kantigen Image und dem rauen Charme des Festivals. Zudem hielt sich lange der Mythos von den sperrigen, schwierigen Filmen, die man entweder nicht versteht oder die keinen Spaß machen. Aber glauben Sie mir – das ist ein Schauermärchen. Independent meint nicht, dass man es nur mit kruden Experimenten zu tun hätte. Vielmehr ist es so, dass Geschichten erzählt werden, die das Mainstream-Kino nicht umsetzen kann oder will. Mit Schauspielern, deren Gesichter noch nicht verbraucht sind. Mit Regisseuren, die Ideen entwickeln und nicht abgucken. Und mit Storys, die bewegen und berühren – und die nicht einfach nur ein Gerüst für Actionszenen sind.

Berechtigte Frage: Wenn das Filmfest wirklich so gut ist, warum taucht es dann nie in den einschlägigen Boulevard-Magazinen wie „Blitz“ oder „Taff“ auf? Schließlich sind die Filmfestivals dieser Welt – dank ihrer hohen Promiquote – fester Bestandteil dieser Formate. Wo also sind die Frauke Ludewigs und Nina Ruges dieser Welt, wenn in Oldenburg der rote Teppich ausgerollt wird? Sind wir doch nicht so gut wie die Konkurrenz? Oder muss man anders herum denken: Sind wir besser?

Es ist beides falsch. Wir sind nicht besser oder schlechter – wir sind anders. In Oldenburg ist ein Filmfestival herangewachsen, das seinen Independent-Wurzeln treu geblieben ist. Hier sind die Filme der Gradmesser für die Qualität – und nicht die Sendeminuten im Vorabendfernsehen. Das mag zwar manche Türen verschließen – es öffnet aber viele andere. Diese konsequente Charakterbildung macht sich heute bezahlt. Das Internationale Filmfest Oldenburg hat sich einen Namen gemacht – und muss sich vor keinem anderen Festival verstecken.

Wie bitte? Oldenburg auf einer Stufe mit Cannes, Venedig und Berlin? Nein, nicht ganz. So war das nicht gemeint. Denn Oldenburg verfolgt ein eigenes Konzept, hat eine eigene Identität – und muss sich daher nicht mit den Platzhirschen messen. Das heißt: Wo es bei anderen Festivals gerne mal um Frisuren, Kleider und Dekolletees geht (also das, was Boulevardmagazine wirklich interessiert), geht es in Oldenburg nur um das eine: Um den Film. Na gut, auch um Partys. Aber zumindest das Aufgesetzte und Gestelzte spielt hier keine Rolle.

Obwohl Oldenburg weder an der Cote d’Azur liegt, noch auf Pfählen steht und schon gar nicht die Hauptstadt einer der größten Industrienationen ist, kommen viele Stars gerne hierher. Das war schon immer so – und auch in diesem Jahr ist es nicht anders. Namen wie Stacy Keach, Christopher Lambert, Sophie Marceau, Matthew Modine und Christian Slater sind ein deutliches Indiz dafür, welchen Stellenwert Oldenburg in der Filmwelt besitzt.

Und wer immer noch meckert, dass sich nicht die absoluten Top-Stars nach Oldenburg verirren, der sei daran erinnert, dass zum Beispiel Keira Knightley, die heutzutage von Millionen Männern auf dem ganzen Planeten angeschmachtet wird, schon 2001 hier bei uns zu Gast war. Es ist das Publikum, das einen Schauspieler zum Star macht. In Oldenburg ist das im Falle Knightleys schon früh geschehen – der Rest der Welt zog dann irgendwann nach. Wir waren der Zeit also voraus. Wetten, dass das noch öfter so sein wird?

In diesem Sinne – nehmen Sie das Filmfest nicht nur zu Kenntnis, sondern seien Sie dabei, erleben Sie es mit und genießen Sie tolle Filme. Ich werd’s genauso machen.

Ihr Gerd Schwandner
Oberbürgermeister