Kolumne vom 13. April 2007

Liebe Oldenburgerinnen, liebe Oldenburger,

es passiert selten genug, dass ärgerliche städtebauliche Lücken nach einem knappen Vierteljahrhundert des Stillstands schließlich doch noch geschlossen werden können. Wenn solch ein Lückenschluss zudem nicht einfach nur Raum füllt, sondern ein architektonisches Highlight setzt und zudem noch aktuelle Wohntrends berücksichtigt – dann darf man von einem seltenen Glücksfall sprechen. Genau das ist der neue „Burghof am Theater“ für die Oldenburger City.

Besser bekannt ist den meisten das Projekt schlicht und einfach als „die Burgstraße“. Viele Jahre galt sie – obwohl die Eingangssituation beiderseits mehr als passabel war – als ein Schandfleck. Das lag vor allem an der südwestlichen Seite, die ungeordnet und schmuddelig wirkte. Die Gebäude hatten entweder Rückseiten- oder sogar schon Abbruchcharakter. Von Aufenthaltsqualität keine Spur.

Wenn man das „Damals“ mit dem „Jetzt“ vergleicht, fühlt man sich an den berühmten Phönix aus der Asche erinnert. Die gefundene Lösung befindet sich für meine Begriffe nahe am Nonplusultra. Eine alte Stadtbrache wurde in ein modernes Wohnquartier verwandelt, das sich hervorragend in das urbane Umfeld integriert. Das allein wäre schon positiv genug. Noch dazu bewegt sich das Projekt inhaltlich genau am Puls der Zeit – denn Wohnen in der City ist wieder en vogue. Dieser Trend ist seit einiger Zeit – und zuletzt immer stärker – zu beobachten. Mit dem Burghof wurde der zunehmenden Nachfrage ein starkes Angebot gegenübergestellt.

Das Projekt Burgstraße reiht sich ein in eine Phalanx ähnlicher Vorhaben – wie dem Lindenbogen, den Heiligengeisthöfen, der Brüderstraße und dem ehemaligen Bahlsen-Gelände an der Stedinger Straße. Überall dort wurden und werden städtebauliche Brachen nach kürzerer oder längerer Zeit des Stillstands in attraktive Nutzungen überführt. Und zwar nicht – wie früher mal üblich – mit beliebiger Architektur, sondern mit charakteristischen Gebäuden, die sich dem umgebenden Bestand teilweise annähern, sich teilweise aber auch (selbst-)bewusst davon absetzen.

Die einzelnen Ergebnisse werden sicherlich unterschiedliche Echos hervorrufen. Auch wenn es banal klingt: Die Geschmäcker sind nun mal verschieden – und der Mut zur Moderne ist nicht überall gleich ausgeprägt. Deshalb ist es beinahe unmöglich, eine „Architektur für alle“ zu schaffen. Wobei man in der Burgstraße nah dran ist. Bisher habe ich keinen einzigen negativen Kommentar vernommen. Wirklich: Keinen einzigen. Zu offensichtlich ist der Spagat zwischen historischer Kleinteiligkeit und modernen Akzenten gelungen.

Dass die Burgstraße schon jetzt sehr gut angenommen wird, zeigt sich nicht nur anhand der Mietnachfrage. Auch die vielen Besucherinnen und Besucher, die bereits einen Blick auf den Neubau geworfen haben, zeigen deutlich, dass die „neue Burgstraße“ im Herzen der Stadt und in den Köpfen der Menschen bereits angekommen ist.

Dabei ist dort noch lange nicht Schluss. Die Straße wird demnächst noch ein neues Pflaster erhalten, die beliebte Kneipe „Ulenspegel“ wird saniert und ebenso soll das nebenstehende Gebäude eine grundlegende Überholung erfahren. Der „Burghof am Theater“ war also nicht weniger als die Initialzündung für eine völlige Neubewertung der Burgstraße.

Dieser Impuls wird aber nicht nur der Straße selbst gut tun, sondern auch der Fußgängerzone insgesamt. Wohnen in der City bedeutet nicht nur für die Mieter ein einzigartiges Lebensgefühl. Dieser Trend verspricht auch eine deutliche Belebung der Innenstadt am Abend. Und das wiederum lässt viele neue Möglichkeit der Nutzung zu. Wer weiß? Vielleicht wird das Bild der hochgeklappten Bürgersteige nach Geschäftsschluss irgendwann eines sein, mit dem in Oldenburg niemand mehr was anfangen kann. Und der Burghof am Theater hätte seinen Teil dazu beigetragen.

Ihr Gerd Schwandner
Oberbürgermeister