Kolumne vom 16. März 2007

Liebe Oldenburgerinnen, liebe Oldenburger,

am 14. März hat das erste von zwei Bürgerforen zum Thema „Schlosshöfe“ stattgefunden. Diese Foren gehören – wie das entsprechende Internetportal und die Ausstellungen von Plänen und Modellen im PFL und der Industriestraße – zum Angebot der Stadtverwaltung, sich intensiv mit den neuen Planungen auseinanderzusetzen. Anregungen und Kritik sind dabei nicht nur möglich – sie sind ausdrücklich erwünscht. Ich verstehe das keineswegs als Nörgelei. Im Gegenteil, ich schätze diese Mitwirkung sehr. Schließlich möchte ich die Stadt mit den Oldenburgerinnen und Oldenburgern gestalten, nicht gegen sie.

Die Bürgerforen sollten den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit eröffnen, ihre Sicht der Dinge darzustellen und uns mit auf den Weg zu geben. Am Mittwoch nahmen etwa 80 Interessierte das Angebot wahr und diskutierten zwei Stunden lang mit Vertretern der Verwaltung und der Investoren. Wie immer in solchen Fällen waren die Kritiker in der Überzahl. Die Weichen für eine muntere Debatte waren also gestellt.

Der Architekt der Schlosshöfe, Jürgen Friedemann, stellte die aktuellen Planungen – und die Veränderungen zu den bisherigen Entwürfen – zu Beginn ausführlich vor. Ich hatte den Eindruck, dass sein Vortrag von Ehrlichkeit und Transparenz geprägt war. Gleich zu Beginn betonte Friedemann, dass die Schlosshöfe – trotz der zahlreichen Änderungen – ein großes Projekt für die Oldenburger Innenstadt bleiben würden. Einen solchen Einstieg wählt niemand, der ein Vorhaben klein reden will. Diese Offenheit hat mir gefallen. Zumindest bei Teilen der Zuhörerschaft wurde das ebenso aufgefasst.

Bei der folgenden Diskussion wurde – wieder einmal – deutlich, dass man bei einem Projekt dieser Größenordnung niemals alle Ansichten unter einen Hut bringen kann. Die unterschiedlichen Interessenlagen divergieren zum Teil drastisch. Wo den einen die Baumasse immer noch zu groß ist, fehlen den anderen weitere Einstellplätze. Wo die einen die neue Fassade loben, gefällt sie anderen überhaupt nicht. Geschmäcker und Präferenzen sind eben verschieden. Das ist ganz normal. Insgesamt hat die Vehemenz der Ablehnung allerdings merklich abgenommen, was vermutlich stark den gelungenen Neuentwürfen zuzurechnen ist. Es gab einige positiv überraschte Gesichter zu sehen, als die Details präsentiert wurden.

Interessant war, dass die Diskussion sich etwas verschob – weg vom eigentlichen Bau, hin zu nachgelagerten Problemkreisen wie der Parksituation und dem Verkehr oder der ökologischen Verträglichkeit. Es gab eine Menge interessanter Einwände und Bedenken zu hören, die sicherlich ihren Einfluss auf die weiteren Planungen und Entwicklungen finden werden. Ich möchte mich an dieser Stelle herzlich bei allen Anwesenden für ihre Beiträge bedanken. Auch wenn der spontane Eindruck ein anderer gewesen sein mag – sie haben einen wichtigen Teil zu den weiteren Planungen beigetragen.

An dieser Stelle muss auch etwas Raum für (selbst-)kritische Töne sein. Insbesondere betrifft dies die Akustik des Saals. Wegen der hohen Fluktuation im Publikum – viele kamen später, einige gingen früher – stand die Tür währen der Veranstaltung offen. Die ansonsten hörfreundliche Aula verwischte dadurch viele Wortbeiträge und machte es anstrengend, das Geschehen zu verfolgen. Das muss in Zukunft besser werden. Nachdenken kann man auch über die Form der Präsentation. Die Aufteilung zwischen Verwaltung und Investoren auf der einen und der Bürgerschaft auf der anderen Seite halte ich nicht für ideal. So entstehen Fronten, die wir uns alle nicht wünschen. Ich würde in Zukunft eine größere Vermischung befürworten, die eine konstruktivere Atmosphäre schafft.

Ich bin allerdings sicher, dass sich dies bei weiteren Foren dieser Art noch einspielen wird. Schließlich wollen wir mittelfristig eine noch bessere Beteiligung erreichen. Ich muss nämlich zugeben – ich hätte mit einer höheren Teilnehmerzahl gerechnet. 80 Personen bedeuten 0,05% der Oldenburger Bevölkerung. Das ist nicht viel für ein Projekt, das so im Fokus steht wie die Schlosshöfe – und das angeblich Wahlen entschieden haben soll. Besonders schade fand ich zudem, dass aus der Altersgruppe der unter 40jährigen nur eine Handvoll Personen anwesend waren. Da hätte ich mir mehr gewünscht. Schließlich sind die Schlosshöfe kein Projekt der Gegenwart, sondern der Zukunft.

Am Donnerstag, 22. März, steht aber ja ein zweites Bürgerforum zu diesem Thema im PFL an. Ich bin gespannt, ob wir dort einen ähnlichen Verlauf erwarten dürfen, oder ob sich die Diskussion anders darstellen wird. In jedem Falle würde es mich freuen, Sie begrüßen und Ihnen zuhören zu dürfen.

Ihr Gerd Schwandner
Oberbürgermeister