Kolumne des Oberbürgermeisters (16. Juli)

Liebe Oldenburgerinnen, liebe Oldenburger,

wenn man ein Wort suchen würde, mit dem man die letzten beiden Wochen in Oldenburg überschreiben könnte, dann würde das Ergebnis wohl „Endlich!” heißen. Endlich Kultursommer! Endlich Sommerferien! Endlich… Sonne? Nein, die versteckt sich noch. Aber das kann sich ja bald ändern. Und dann haben wir einen weiteren Grund, „Endlich!” zu sagen. Das passt also.

Aber Moment mal… Sommerferien? Die dürfen wohl nur die wenigsten Leser dieser Kolumne noch genießen. Ich will sie an dieser Stelle aber trotzdem erwähnen. Schließlich leben mehr als 27.000 Menschen in unserer Stadt, die 18 Jahre und jünger sind. Das sind fast 20 Prozent unserer Bevölkerung. Und ganz nebenbei sind diese jungen Menschen auch noch unsere Zukunft. Man sollte ihnen die unterrichtsfreie Zeit also von Herzen gönnen – obwohl man als Arbeitnehmer  durchaus neidisch werden könnte. So mancher mag sich jetzt sagen: Wie gerne hätte ich so lange frei! Die üblichen zwei oder drei Wochen Urlaub reichen zum Abschalten ja nicht wirklich aus. Das ist ja nicht mehr als ein kurzes Verschnaufen. Aber sechs Wochen frei? Ja, das wärs!!

Die Wenigsten allerdings würden wohl tatsächlich mit den Schülerinnen und Schülern tauschen wollen. Sommerferien zu haben bedeutet schließlich auch, den Rest des Jahres auf der Schulbank zu verbringen. Und fragen Sie mal die Schüler, ob das wirklich so toll ist, wie es sich anhört. Die haben ganz schön was zu leisten – ohne dafür einen Cent zu bekommen. Ich meine deshalb, dass wir alle mit dem zufrieden sein können (und sollten), was wir haben: die Schüler mit der Schule und die Arbeitnehmer mit der Arbeit. Alles hat seine Vorteile und Nachteile. Konzentrieren wir unsere Wahrnehmung eben auf die Vorteile. Dann geht alles leichter von der Hand.

Das Leben ist ja sowieso das, was man daraus macht. Jeder weiß das, macht es sich aber nur selten bewusst. Natürlich kann man lamentieren, wenn andere faulenzen, während man selber am Schreibtisch sitzt. Man kann es aber auch anders sehen. Viele Menschen wären glücklich, wenn sie an einem Schreibtisch sitzen dürften. Und außerdem muss man ja nicht zwangsläufig sechs Wochen frei haben, um den Sommer genießen zu können. Schon die EM hatte arbeitnehmerfreundliche Anstoßzeiten – und das Gleiche gilt für den Kultursommer. Der läuft nämlich erst am Abend zur Hochform auf, wenn auch die Eifrigsten den Stift längst fallen gelassen haben.

Im Gegensatz zu den Sommerferien haben vom Kultursommer alle etwas. Das hat man in den letzten Tagen auf dem Schlossplatz gut beobachten können: Bunter gemischt und besser gelaunt kann ein Publikum eigentlich gar nicht sein. Ich finde das faszinierend. Am Eröffnungsabend zum Beispiel trat mit Shantel & Bucovina Club Orkestar eine rumänisch-deutsche Band auf, von der geschätzte 95 Prozent der Anwesenden noch nie was gehört hatten. Trotzdem – und trotz des bescheidenden Wetters – sprang der Funke sofort über. Diese Aufgeschlossenheit gegenüber dem Fremden und Unbekannten, diese Offenheit und Internationalität - das empfinde ich als sehr bereichernd für unsere Stadt.

Schade, dass einige Highlights wie die Konzertwoche auf dem Schlossplatz oder die Shakespeare-Aufführungen im Schlossgarten schon vorüber sind. Das ging (wieder mal) viel zu schnell. Immerhin steht mit den „Local Heroes” noch weitere Live-Musik auf dem Programm. Und auch abseits der Konzertbühnen tut sich einiges: Open-Air-Kino im Schlosshof, Theaterproduktionen im Alhambra und am Dobbenteich, Literatur im Küchengarten, Keramik im Pulverturm und, und, und.

Bleibt nur zu hoffen, dass das Wetter besser wird. Ich drücke dem Kultursommer – aber auch allen Oldenburgerinnen und Oldenburgern – die Daumen, dass wir noch viele warme und sonnige Tage vor uns haben. Und ansonsten gilt der Ratschlag, den die Kulturetage auf ihren Internetseiten für den Kultursommer gibt: „Schlechtes Wetter? Fast alle Veranstaltungen finden trotzdem statt – rüsten Sie sich entsprechend.”

Womit wir wieder beim Thema wären: Das Leben ist, was man daraus macht. In diesem Sinne: Einen schönen Start in den Sommer – ob mit oder ohne Sonne!

Ihr Gerd Schwandner
Oberbürgermeister