Kolumne des Oberbürgermeisters (19.10.2007)

Liebe Oldenburgerinnen, liebe Oldenburger,

vielleicht haben Sie schon davon gehört: An der Ecke Amalienstraße/Am Festungsgraben ist ein neues Parkhaus geplant. Es soll – etwas zurückversetzt – auf dem ehemaligen Gelände der Deutschen Telekom entstehen, das derzeit ungenutzt ist. Auf den ersten Blick eine tolle Gelegenheit, citynahen Parkraum zu schaffen, ohne vorhandene Bausubstanz zu opfern. Auf den zweiten Blick gibt’s natürlich auch den einen oder anderen Haken: Wie die Dimensionen. Und den Verkehr.

Aber der Reihe nach. Der Bau ist eingebettet in einen übergeordneten Kontext: Verkehr in und um die Innenstadt. Es gibt bei diesem Thema widerstreitende Positionen. Die einen wollen gar keine Autos im Bereich der City – die anderen sähen es gern, wenn die Kunden bis vor die Ladentür fahren könnten. Jede Perspektive ist nachvollziehbar. Denn die Stadt lebt von beidem: Ökologie und Ökonomie. Gefragt ist also ein guter Kompromiss.

Ich kann den Wunsch nach einer autofreien Innenstadt durchaus verstehen. Auch ich frage mich: Wie wäre es, wenn der Wallring nie gebaut worden wäre und stattdessen noch die vollständigen Wallanlagen existieren würden? Oldenburg wäre vielleicht noch schöner als jetzt. Nur: Wie würde die Stadt überhaupt dastehen, wenn es diesen Ring nicht gäbe? Wenn die Menschen nicht die Möglichkeit hätten, zum Einkaufen in die Innenstadt zu gelangen? Oldenburg wäre zwar schön – aber ganz schön leer. Wir wären mehr lebendes Museum als pulsierendes Zentrum. Unsere Aufgabe ist es deshalb, eine Balance zu finden – zwischen einer gemischten Ästhetik aus Natur und Architektur und den Erfordernissen für Verkehr und Parkraum. Es gibt in diesem Fall kein Gut und Böse, denn beides ist wichtig für unsere Stadt.

Das neue Parkhaus an der Amalienstraße versucht, diese Balance herzustellen – auch wenn es nicht sofort ersichtlich ist. Ich habe Verständnis dafür, dass die Anwohner sich Sorgen wegen Optik und Emissionen machen. Ich kann diese Befürchtungen aber hoffentlich entkräften. Die optische Situation zum Beispiel wird durch den Bau des Parkhauses kaum verschlechtert. Denn: Es bleibt ein Ring aus größtenteils denkmalgeschützten Gebäuden erhalten, der das Parkhaus komplett umschließen wird. Es versteckt sich so sehr, wie es bei einem Bau dieser Größe möglich ist – und wird deshalb kaum zu sehen sein. 

Bleibt der Verkehr. Dass die Anwohner im betroffenen Gebiet mit einer Zunahme rechnen müssen, lässt sich leider nicht wegdiskutieren. Dennoch glaube ich, dass sich das Projekt realisieren lässt – weil vieles nicht so schlimm kommen wird, wie man derzeit noch vermutet. Denn: Ohne dass der Investor ein überzeugendes Konzept für die Bewältigung der Verkehre vorlegt, gibt es auch kein „Okay“ von der Verwaltung. Außerdem lässt der Bebauungsplan zwar ein Parkhaus mit bis zu 600 Plätzen zu – das schließt eine kleinere Lösung aber nicht aus. Wir werden uns hier sicherlich nicht die Vorstellungen des Investors diktieren lassen. Wir begrüßen das Vorhaben – doch realisiert wird es zu unseren Bedingungen. Und die schließen eine gute verkehrliche Anbindung ein.

Sowieso dürfte das erhöhte Verkehrsaufkommen vor allem die Ecke Amalienstraße/Am Festungsgraben betreffen. Mit anderen Worten: Eine wenig bewohnte „Transitstrecke“ und etwa fünfzig Meter einer Wohnstraße. Darüber hinaus könnte das Parkhaus sogar den Parkplatz Am Festungsgraben überflüssig machen – so dass an dieser Stelle sogar Verkehr wegfallen könnte. Sicher ist: Wenn dieses Projekt realisiert wird, dann in einer Form, die sowohl optisch als auch verkehrlich verträglich ist. Etwas anderes käme gar nicht in Frage.

Einige Worte noch zum Thema Park & Ride: Natürlich wäre es ideal, wenn alle mit dem ÖPNV in die Innenstadt fahren würden. Es wäre ideal – ist es aber nicht. Denn was bei Arbeitnehmern gut funktioniert, ist noch lange kein Modell für Einkäufer und Flaneure. Lange Wege von der Innenstadt bis zum Auto sind für viele Menschen eine grauenhafte Vorstellung. Das muss man nicht gut finden – man muss es aber respektieren. Schließlich kann man die Menschen nicht zum P+R zwingen. Wenn man das täte, dann hätten wir sie wieder – unsere attraktive, aber gähnend leere Stadt. Das kann niemand wollen.

Ich bin mir sicher, dass vor allem unsere auswärtigen Besucher das Parkhaus als eine Bereicherung unserer Innenstadt verstehen werden – denn bei ihnen gilt Oldenburg häufig noch als „unparkbar“. Ich würde mich freuen, wenn möglichst viele Oldenburgerinnen und Oldenburger das Vorhaben ebenfalls positiv begleiten würden. Wer weiß? Vielleicht parkt man auch als Einheimischer eines Tages dort – und freut sich heimlich doch über die kurzen Wege. Ich hätte mit solch einer späten Einsicht gar kein Problem!

Ihr Gerd Schwandner
Oberbürgermeister


PS: Wenn Sie sich selbst ein Bild von der räumlichen Situation an der Amalienstraße machen wollen, empfehle ich Ihnen einen Blick auf unseren neuen interaktiven Stadtplan »