Kolumne vom 20. Dezember 2007

Liebe Oldenburgerinnen, liebe Oldenburger,

in diesen Tagen endet nicht nur das Jahr 2007 – sondern auch das erste vollständige Jahr in meiner Amtszeit. Ich habe schon Anfang November anlässlich der ersten 365 Tage als Oberbürgermeister einen Blick zurück geworfen. Daher wollte ich an dieser Stelle eigentlich nur ein paar nette Worte zum Weihnachtsfest und zum Jahreswechsel verlieren. Aus gegebenem Anlass habe ich mich aber anders entschieden.

Als aufmerksame(r) Leser(in) der lokalen Presse ist Ihnen vielleicht aufgefallen, dass der Ton in der Oldenburger Politik nach wie vor etwas rau ist. Ebenso werden Sie bemerkt haben, dass ich gelegentlich in der Kritik stand. Ich will mich darüber überhaupt nicht beklagen. Für mich gehört es zu einer Demokratie dazu, dass man als Entscheidungsträger auch Gegenwind zu spüren bekommt. Das ist immer so, wenn man sich bewegt und nicht stillsteht. Die Frage ist nur, in welchen Fällen, in welcher Form und mit welcher Begründung das passiert. Da kann man durchaus unterschiedliche Ansichten haben.

Das meiste, das letztlich hohe Wellen schlug - , die Neukonzeption beim Grünkohlessen in Berlin oder die Schwerpunktsetzung in der internationalen Zusammenarbeit - ist in der Sache völlig undramatisch: Niemand möchte verdiente Persönlichkeiten diskreditieren, niemand wollte den Kurfürsten „absägen“, niemand will die Partnerschaft mit Cholet beenden. Es ging darum, auch mal andere Gäste einladen zu können, beim Kohlessen die ursprüngliche Idee wieder in den Mittelpunkt zu rücken und neben den existierenden, neue Partnerschaften zu etablieren, die andere Schwerpunkte haben.. Es ist schade, dass dabei offensichtlich falsche Eindrücke entstanden sind und ich habe bereits in der letzten Ratssitzung zugegeben, dass auch mir dabei Fehler unterlaufen sind. In der Sache bleibe ich aber bei meinen Entscheidungen. Sie sind nach wie vor richtig und helfen Oldenburg. Und darum geht es. Darum muss es immer gehen.

Ich bin sicher, dass auch die Fraktionen bei ihren Beratungen über den Haushalt 2008 von diesem Gedanken geleitet worden sind. Das Ergebnis ist zwar im Großen und Ganzen in Ordnung. Manche Vorschläge und Änderungswünsche haben uns aber neue Steine in den Weg gerollt, anstatt alte zu beseitigen. Das geschah durchaus bewusst – schließlich wollte man mich damit treffen. Ich weiß aber nicht, ob das eine gute Idee ist, Entscheidung zu fällen, weil man damit ein bestimmte Person treffen will. Nicht nur, weil es die Arbeit der Verwaltung behindert. Sondern auch, weil es uns einfach nicht weiterbringt. Die Konkurrenz in unseren Nachbarstädten lacht sich doch ins Fäustchen, wenn wir uns hier in Grabenkämpfen verzetteln. Und zudem haben wir bei unserer Bewerbung zur Stadt der Wissenschaft gezeigt, dass wir uns sehr wohl einig sein können – und dass gerade diese Einigkeit Erfolge zeigt, wie unser Einzug ins Finale des Wettbewerbs bewiesen hat. Für die Unterstützung in diesem Fall danke ich den Fraktionen herzlich. Nehmen wir dieses Positivbeispiel doch einfach zum Anlass, im kommenden Jahr noch enger und besser zusammenzuarbeiten. Auf dass noch einige Erfolge hinzukommen 

Es mag ja durchaus sein, dass man meine Vision einer „Urbanen Stadt“ (mit den Schwerpunkten „Moderne Architektur“, „Kreative Stadt / Wissenschaftsstadt“, „Steigerung der Internationalität“ und „Demographie / Generation 50plus“) nicht vollständig teilt. Das ist völlig in Ordnung. Aber wenn dem so ist – dann muss man alternative Ideen und Konzepte für eine erfolgreiche Stadtentwicklung bieten können. Dann lässt sich darüber reden. Und dann lasse ich mich auch von guten und sinnvollen Ideen überzeugen. Wobei ich diese Offenheit aber auch von meinem Gegenüber erwarte.

Wir alle sollten unsere Vorbehalte einfach über Bord werfen, uns mit der gegebenen Situation anfreunden und das Beste – für Oldenburg – daraus machen. Schließlich haben wir gute Chancen auf eine erfolgreiche Zukunft. Vielleicht bessere denn je. So aber, wie sich die Situation derzeit noch darstellt, fallen wir auf dem Weg nach vorn über unsere eigenen Füße. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht – aber mich ärgern solche verschenkten Möglichkeiten maßlos.

Wagen wir einen neuen Anfang. Was bisher getan und gesagt wurde, ist Vergangenheit. Ich reiche deshalb allen die Hand, die gemeinsam mit mir und der Verwaltung an der Zukunft der Stadt arbeiten wollen – und ich tue das gern. Es wäre doch eine großartige Vorstellung, wenn wir uns nicht länger als Gegner begreifen, sondern als Partner. Noch mag das Wunschdenken sein. Aber wir haben es in der Hand, daraus Realität werden zu lassen. Eines darf ich Ihnen versichern: Ich öffne Türen lieber, als dass ich sie schließe. Und meine eigene steht immer offen.

Ich will meine Weihnachtsgrüße in diesem Jahr mit einer Bitte verbinden. Nämlich mit derjenigen, dass alle politischen Akteure (einschließlich mir) über die Feiertage mal in sich gehen und sich nur eine einzige Frage stellen: Was ist gut für Oldenburg? Wenn wir das tun und sie ehrlich beantworten – dann werden wir im nächsten Jahr ganz sicher alle dabei mithelfen, Oldenburg weiter voranzubringen. Das wäre das größte Geschenk, das wir der Stadt machen könnten. Und sicherlich eines, das sie – nicht nur angesichts des bevorstehenden Weihnachtsfestes – verdient hätte.

Allen Bürgerinnen und Bürgern wünsche ich ein gesegnetes Weihnachtsfest und schöne Tage im Kreise Ihrer Familie und Freunde. Nutzen Sie die Zeit, sich von einem bestimmt auch für Sie aufregenden Jahr zu erholen. Ich melde mich „zwischen den Jahren“ an dieser Stelle noch einmal – und wünsche Ihnen bis dahin eine gute Zeit!

Ihr Gerd Schwandner
Oberbürgermeister