Kolumne des Oberbürgermeisters (20. April 2012)

Liebe Oldenburgerinnen und Oldenburger,

brauchen wir eigentlich eine Universität? Ich habe viel Fantasie, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass irgendjemand diese Frage mit einem „Nein“ beantworten könnte. Wenn es eine Einrichtung in unserer Stadt gibt, die unser Selbstverständnis im beginnenden dritten Jahrtausend symbolisiert, dann ist es die Universität. Sie ist längst zu einem gesellschaftlichen, kulturellen und ökonomischen Taktgeber geworden. Sie ist ein Bezugspunkt für junge Menschen, die entweder hierher nach Oldenburg kommen – oder gar nicht erst von hier weggehen. Diese jungen Menschen genießen an der Universität eine exzellente Ausbildung und geben später, nach dem Abschluss, ihrerseits Impulse für unsere Stadt. Nicht selten als Gründer und Entrepreneure, wie am Wachstum des TGO abzulesen ist. Häufig aber auch als qualifizierte Mitarbeiter in unseren Unternehmen. Was die Universität zudem für die Forschung in ihren Fachbereichen, für die Bildung im Nordwesten und für das Image unserer Stadt leistet, lässt sich kaum in Worte fassen. Wählen Sie irgendeinen Superlativ. Das passt schon.

Die Frage, ob wir eine Universität brauchen, stellt sich also nicht. Natürlich brauchen wir sie! Einige andere Fragen darf man mit Blick auf den ersten Absatz aber durchaus stellen. Nämlich: Sind das alles Automatismen? Entwickelt sich die Universität von ganz allein so gut? Strahlen ihre Kompetenzen in unsere Stadt und in die Region aus, ohne dass jemand etwas dafür tun müsste? Nein, nicht ganz. Natürlich entstehen verschiedene positive Effekte von allein. Man denke nur an die Reputation als Hochschulstandort. Aber: Um die Wirkungen zu koordinieren, zu fokussieren und vor allem aufrechtzuerhalten beziehungsweise weiterzuentwickeln, ist sehr wohl Arbeit nötig. Arbeit, wie sie die Universitätsgesellschaft Oldenburg (UGO) leistet, die in diesen Tagen ihr 40-jähriges Bestehen feiert – zu dem ich herzlich gratuliere.

Moment, 40-jähiges Bestehen? Rechnen wir mal zurück: 40 Jahre, das heißt, die Universitätsgesellschaft wurde 1972 gegründet. Und seit wann gibt es die Universität? Seit dem 5. Dezember 1973. Die UGO ist also knappe zwei Jahre älter. Das sagt viel über diese Gesellschaft aus. Niemals nur das Nötige tun, immer einen Schritt voraus sein, so könnte man die Haltung beschreiben, die dahinter steckt. Die UGO verankert und vernetzt den Leuchtturm „Universität“ in unserer Region, stellt Weichen und gibt Impulse für ihre weitere Entwicklung. Das mag nicht immer auf jeden ersten Blick erkennbar sein, denn die individuellen Beiträge sind mitunter mikroskopisch klein. Manchmal geht es nur um einzelne Sätze oder um informelle Gespräche. Dennoch: In ihrer Summe sorgen sie dafür, dass der Stellenwert und das Potenzial unserer Universität verstanden und verinnerlicht werden. Ich danke allen ehemaligen, aktuellen und zukünftigen Mitgliedern herzlich dafür.

Zukunft ist ein gutes Stichwort. Die Universitätsgesellschaft existiert seit 40 Jahren. Man darf stolz darauf sein. Der Blick geht aber nach vorn. Nicht nur aus Interesse und Neugier, sondern auch aus Optimismus und Zuversicht – denn die Zukunft sieht noch besser aus als die Vergangenheit. Stichwort: European Medical School. Über sie werden in den kommenden Jahren mindestens 50 Millionen Euro in unsere Region fließen. Und dieses „mindestens“ darf man wörtlich nehmen. Ich will keine konkreten Beträge nennen. Aber man darf davon ausgehen, dass die EMS viele weitere Investitionen nach sich ziehen wird. Nicht nur in akademischer und wissenschaftlicher Hinsicht, sondern auch in wirtschaftlicher. Oldenburg wird für Unternehmen aus dem Medizin- und Gesundheitssektor zunehmend interessanter und attraktiver. Nicht zuletzt bedeutet die EMS auch einen Impuls für unsere – sowieso schon hervorragende – Kliniklandschaft. Pius und Klinikum haben sich in den letzten Jahren durch umfangreiche Maßnahmen bereits für die Zukunft positioniert (wobei das in der Medizin ein permanenter Prozess ist). Das Evangelische Krankenhaus musste gezwungenermaßen etwas länger damit warten, kann nun – nach dem Umzug der Feuerwehr – aber endlich loslegen.

Bin ich jetzt vom Thema abgekommen? Waren wir nicht beim UGO-Jubiläum? Ja, ganz genau. Und da sind wir immer noch. Denn vielleicht wäre die EMS gar nicht entstanden und hätte die Entwicklungen gar nicht ermöglichen können, wenn die Mitglieder der Universitätsgesellschaft nicht ständig und immer wieder für die Universität geworben hätten. Wenn sie nicht ein so positives Klima geschaffen hätten, das die Entwicklungen auf dem Campus unterstützt und fördert. Wenn wir uns also über den Erfolg unserer Universität freuen – und das tun wir zum Glück recht häufig und immer häufiger – dann sollten wir dabei diejenigen nicht vergessen, die sehr oft auch im Kleinen und Stillen diese Erfolge überhaupt erst möglich gemacht haben. Und viele von ihnen, das steht fest, sind Mitglied der Universitätsgesellschaft Oldenburg.

Ihr
Gerd Schwandner
Oberbürgermeister