Kolumne des Oberbürgermeisters (20.6.2008)

Liebe Oldenburgerinnen, liebe Oldenburger,

stellen Sie sich mal vor: Die nächste Gaspreiserhöhung wird verkündet, alle Welt schreit auf – und Sie selbst lehnen sich entspannt zurück. Ihr eigener Verbrauch ist so niedrig, dass Sie ein paar Cent Mehrkosten leicht verschmerzen können. Zu schön, um wahr zu sein? Nein. Das ist durchaus möglich. Allerdings muss man etwas dafür tun, um so unabhängig sein zu können. Aber der Reihe nach.

Oldenburg ist eine Stadt der Energie. Nicht nur wegen der EWE, sondern auch deshalb, weil hier auf diesem Gebiet viel geforscht und entwickelt wird. Was das betrifft, genießen wir bundesweite Anerkennung. Trotzdem haben wir in genau diesem Bereich noch Raum zur Verbesserung. Was die Energiebilanz unserer Haushalte betrifft, stehen wir nämlich längst nicht so gut da, wie man glauben könnte.

Das liegt daran, dass wir einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Einfamilienhäusern haben – die zudem auch noch relativ alt sind. Das ist doppelt ungünstig. Denn freistehende Häuser haben prinzipiell einen höheren Verbrauch als z.B. Reihen- oder Kettenhäuser. Zudem wurde in ihrer Entstehungszeit auf ordentliche Dämmung nicht viel Wert gelegt. Kein Wunder, damals kostete das Barrel Öl teilweise noch $3 – heute sind es $135! Eine Steigerung um 4500%! Das Resultat: Ohne Absicht schädigen wir die Umwelt mehr als nötig. Und nicht nur die Umwelt – sondern auch (und vor allem) unser Portemonnaie.

Es wäre also ganz logisch, etwas gegen diesen Zustand zu tun. Es würde sich ökologisch und ökonomisch bezahlt machen. Allerdings gibt es eine Hemmschwelle: Bevor man profitieren kann, muss man zunächst mal investieren. Und das in diesen Zeiten, in denen alles teurer zu werden scheint und der Euro nicht so locker sitzt wie früher. Es lohnt sich aber trotzdem! Anders als beispielsweise bei einem neuen Auto, das an Wert verliert sobald es den Hof des Händlers verlässt, bleiben Investitionen in Dämmung, Isolierung und Heizsysteme wertstabil. Sie machen sich über Jahre hinweg vielfach bezahlt.

Ein kleines Beispiel: Stellen Sie sich vor, Sie müssten heute jemandem hundert Euro geben. Im Gegenzug würden Sie ab sofort – theoretisch bis in alle Ewigkeit – zehn Euro pro Jahr zurückerhalten. Würden Sie das tun? Natürlich! Nach zehn Jahren hätte sich Ihre Ausgabe schon bezahlt gemacht (Fachleute würden sagen: amortisiert). Alles danach wäre reiner Gewinn. Ganz ähnlich verhält es sich mit den Investitionen fürs Energiesparen. Es ist zwar erstmal eine Ausgabe fällig – und die schmerzt natürlich. Aber wenn Sie danach Jahr für Jahr Einsparungen im Verbrauch erzielen, dann lohnt sich der finanzielle Aufwand allemal. Nicht ausgegebenes Geld ist schließlich gewonnenes Geld. Es steht Ihnen für andere Dinge zur Verfügung.

Davon abgesehen kommen noch einige „Nebeneffekte“ hinzu, die in ihrer Bedeutsamkeit und in ihrem Stellenwert eigentlich kaum hinter dem Hauptmotiv Geldsparen zurückstehen. Ich will an dieser Stelle mal drei von ihnen nennen:

Umweltschutz: Wenn wir weniger Energie beziehen, schleudern wir weniger Emissionen in die Luft – sowohl beim Verbrauch als auch bei der Herstellung.

Preissenkung: Weniger Verbrauch bedeutet weniger Nachfrage. Und nach den Regeln des Marktes bedeutet das: Der Preis sinkt. Leider ist das aber nur die halbe Wahrheit. Weil die natürlichen Ressourcen gleichzeitig schwinden, wird auch das Angebot knapper und der Preis steigt (theoretisch) wieder. Dennoch sorgt Minderverbrauch zumindest dafür, dass die Preisexplosion eingedämmt wird.

Standortstärkung: Investitionen im energetischen Bereich führen zu Aufträgen für das lokale Handwerk. Sanierungsmaßnahmen stützen also unseren heimischen Arbeitsmarkt. Wir haben die Wahl, ob wir unser Geld verbrennen wollen – oder ob wir damit lieber die Oldenburger Wirtschaft stärken wollen. Mir persönlich fällt die Wahl leicht. Und Ihnen hoffentlich auch.

Angesichts dieser großen Vorteile ist es selbstverständlich, dass die Stadt Oldenburg ökologisches Bauen und Sanieren unterstützt. Das tut sie zum Beispiel als Mitglied in der Aktionsgemeinschaft klima(+)Oldenburg, die alle wichtigen Institutionen in einem Bündnis vereint. Sie ist die zentrale Anlaufstelle, wenn Sie einen Bau oder eine Sanierung planen oder sich darüber informieren möchten. Außerdem engagiert sich die Stadt in Form der Veranstaltungs- und Ausstellungsreihe „bau_werk“ in der Moormannhalle am Pferdemarkt. Dort finden Sie Inspirationen und Denkanstöße für mögliche Projekte und Maßnahmen. Und selbstverständlich steht die Stadt (die übrigens ihren Teil beiträgt und erst kürzlich mit dem European Energy Award in Silber ausgezeichnet wurde) immer gern als Ansprechpartner für Sie zur Verfügung. Melden Sie sich – wir helfen Ihnen gern dabei, Ihre Möglichkeiten zu entdecken.

Ihr Gerd Schwandner
Oberbürgermeister

PS: Infos finden Sie auf den Seiten des Fachdienstes Umweltmanagement der Stadt Oldenburg und auf den Seiten von klima(+)Oldenburg.