Kolumne 23. Januar 2012

Liebe Oldenburgerinnen und Oldenburger,

das neue Jahr ist jetzt wenige Wochen alt. Jung genug für einen Blick nach vorn, alt genug für einen ersten Eindruck. Hat sich schon was geändert? Kaum. Hier und da ein neues Gesetz oder eine steuerliche Veränderungen zum 01.01. – aber sonst? Ging das alte nahtlos ins neue Jahr über. Und das ist in unserem Fall gut so. Wie zuletzt darf es gerne weitergehen. Kontinuität bedeutet in dieser Zeit: Die Fortsetzung einer Erfolgsgeschichte. Deshalb sehe ich es sehr gern, dass der Jahreswechsel weitergehend unspektakulär verlief,

Was erwartet uns im neuen Jahr? Einige mehr oder weniger witzige Vorausschauen haben ja schon kabarettistische Antworten darauf gegeben. Zum Beispiel hier » . Oder hier » . Ich will etwas ernsthafter auf die kommenden elf Monate schauen. Erstens, weil es sonst noch niemand getan hat. Und zweitens, weil die Realität schon angenehm genug ist. Da brauche ich gar keine humorvollen Überspitzungen. Denn:

2012 ist das Jahr, in dem die European Medical School an den Start gehen wird. Ich sehe sie als einen erheblichen strukturpolitischen Faktor, der nicht nur wissenschaftliche Akzente setzt. Er bringt uns neue Studierende und Professoren, Drittmittelprojekte, Forschungsgelder, vielleicht sogar Institutionen und Unternehmen im medizinischen Bereich. Und nicht zuletzt: Ideen, Initiativen und Impulse. Es wird spannend sein, diese Entwicklung zu beobachten und zu begleiten.

2012 ist das Jahr, in dem das Schlaue Haus eröffnet wird. Es wird unsere Hochschulen noch breiter und noch stärker in der Bevölkerung verankern. Außerdem wird es dabei helfen, die Menschen mit Wissenschaft in Kontakt zu bringen. Schwerpunkte wie Demographie und Energie sind ideal dafür, da sie die Gesellschaft insgesamt betreffen. Also: uns alle.

2012 ist das Jahr, in dem wir unsere neue Feuerwache am Hackenweg einweihen. Sie ermöglicht nicht nur das dringend notwendige Parkhaus an der Auguststraße und die Erweiterung des Evangelischen Krankenhauses; sie verleiht unserer Gefahrenabwehr neue Schlagkraft. Für den Ernstfall sind wir bald besser aufgestellt denn je. Ein beruhigender Gedanke.

2012 ist das Jahr, in dem die Stadtverwaltung mit voll besetzten Dezernentenstellen startet und einen Demographiebeauftragten hinzugewinnt. Das bedeutet neue strategische Akzente, zusätzliche Themen, höhere inhaltliche Qualität und deutlich mehr Handlungsstärke.

2012 ist das Jahr, in dem relevante Mengen des Oldenburger Stroms durch Solaranlagen innerhalb der Stadt erzeugt werden. Oldenburg hat schon bisher viel regenerativ erzeugten Strom von außen importiert. Bundesweit lagen wir dabei in den Top 10. Nun aber agieren wir noch nachhaltiger, indem wir in unserer Stadt viel Strom auf diese Weise produzieren. Wenn wir jetzt noch herausfinden, wie man aus Regen Strom gewinnt, sind wir völlig autark.

Mehr will ich an dieser Stelle gar nicht aufzählen. Es sollte nur deutlich werden, dass es in Oldenburg wieder viele positive Nachrichten geben wird, die unsere Stadt nachhaltig aufwerten– unabhängig davon, wie die Konjunktur läuft. Die Ökonomen sind sich einig, dass sie sich in 2012 erheblich verlangsamen wird. Wenn dem so ist, dann wird sich das Oldenburger Land davon nicht abkoppeln können. Wir haben aber schon 2009 eine hohe relative Stärke gezeigt; und darauf dürfen wir stolz sein. Unsere kleinteilige Wirtschaftsstruktur und unser traditionell-innovativer Branchenmix sowie unser Rückgrat aus Verwaltungen und Behören haben sich als sehr stabil erweisen. Das dürfte weiterhin der Fall sein.

Das Wirtschaftswachstum ist sowieso nicht alleinentscheidend dafür, wie das Jahr wird. Es gibt viele gute Gründe, warum auch 2012 für Oldenburg ein starkes Jahr werden dürfte. Und die meisten davon lassen sich gar nicht in Zahlen ausdrücken.

Wir wollen latente Risiken nicht klein reden. Wir wollen sie aber auch nicht herbeireden. Koppeln wir uns also etwas ab vom Skandalismus und Alarmismus und schauen wir auf uns. Schauen wir auf das, was wir zusammen erreicht haben – und was wir zusammen noch erreichen können. Wenn wir das tun, dann wird unsere Erfolgsgeschichte noch viele zusätzliche Kapitel erhalten. Gemeinsam geschrieben von rund 162.000 Autorinnen und Autoren.

Ihr
Gerd Schwandner
Oberbürgermeister