Kolumne des Oberbürgermeisters (23. September)

Liebe Oldenburgerinnen, liebe Oldenburger,

haben Sie es gelesen? Vor kurzem wurden die Ergebnisse des „großen Städtevergleichs“ der Wirtschaftswoche bekannt gegeben. Unter den 50 größten deutschen Städten belegte Oldenburg mit Rang 31 einen Mittelfeldplatz. Auf den ersten Blick ist das ganz ordentlich – auf den zweiten aber mehr als das. Man muss wissen, dass Oldenburg von diesen fünfzig Städten die kleinste ist. Wir haben also neunzehn größere Konkurrenten hinter uns gelassen!

Allerdings hätten wir noch weiter vorne landen können, wenn die Studie nicht nur auf Zahlen basieren würde. Das macht sie meiner Meinung nach etwas weniger aussagekräftig – denn kann man eine Stadt in Ziffern pressen? Ich denke nicht. Wenn die Gutachter in den letzten Wochen mal persönlich in Oldenburg gewesen wären und sich bei uns umgeschaut hätten – dann hätten sie sicherlich einige Werte nach oben korrigiert.

Was war hier nicht alles los? Unser Programm der letzten Wochen hätte in Quantität und Qualität auch einer wesentlich größeren Stadt gut zu Gesicht gestanden. Neben den großen Events wie der 900-Jahr-Feier oder dem Filmfest (für beides ein großes Kompliment!), gab es auch viele kleinere Veranstaltungen in Kultur, Sport und Freizeit, die uns in ihren Bann gezogen haben. Ich will das an dieser Stelle gar nicht vertiefen. Ich finde es aber bemerkenswert, wie vielfältig und abwechslungsreich die Angebote in unserer Stadt sind – und wie kreativ und engagiert die Menschen sind, die sie erdenken und durchführen. Das verdient großen Respekt. Und deshalb ein herzliches Dankeschön dafür!

Gibt es nun einen Kater nach der der wochenlangen Festtagsstimmung? Nein, überhaupt nicht. Es ist zwar zu spüren, dass wir die Leichtigkeit des Sommers hinter uns gelassen haben und wieder mehr Ernsthaftigkeit ins Leben einkehrt – unter anderem daran, dass politische Themen wieder an Bedeutung gewinnen. Ich denke zum Beispiel an den großen Erfolg unseres Umwelttechnologienetzwerks, an die (sinnvolle) Verlagerung der VHS oder an die Fortsetzung des Zielkonzeptes Innenstadt. Es geht also wieder in die Vollen, was die Gestaltung und die Entwicklung unserer Stadt angeht. Mehr dazu demnächst an dieser Stelle.

Die Rückkehr zum Tagesgeschäft bedeutet aber keineswegs, dass wir von jetzt an keine Zeit mehr für das Vergnügen hätten. Eine Stadt wie Oldenburg – die immer selbstbewusster zeigt, wie attraktiv sie ist – bietet genug Raum für Pflicht und für Kür. Ich freue mich einerseits darüber, dass in unseren Alltag eine gewisse „Handfestigkeit“ zurückgekehrt ist – und andererseits darüber, dass wir viele Möglichkeiten haben, Abstand von alledem zu nehmen. Und wo könnte das besser funktionieren, als auf dem Oldenburger Kramermarkt? Ich liefere die Antwort gleich mit: Nirgendwo!

Man kann eigentlich gar nicht genug Positives über den Kramermarkt sagen. Ich könnte an dieser Stelle etliche Daten runterrattern, die beweisen, wie wertvoll er für Oldenburg ist. Schließlich ist der Markt kein autarkes Gebilde. Viele Menschen, die den Kramermarkt besuchen, gehen – vor allem am verkaufsoffenen Sonntag – auch in die Innenstadt. Manche übernachten sogar. Und vielen fällt dabei auf, wie schön das herbstliche Oldenburg eigentlich ist – und sie kommen gerne wieder. Das alles ist von großer Bedeutung für die Stadt. Aber noch bedeutsamer ist eigentlich etwas anderes. Und das ist der hohe Freizeitwert des Kramermarkts.

Ich will es mal bildlich ausdrücken: Kramermarkt bedeutet die Fesseln des Alltags hinter sich zu lassen. Kramermarkt bedeutet in eine andere, buntere Welt einzutauchen und die Sorgen hinter sich zu lassen. Kramermarkt bedeutet ganz einfach eine gute Zeit. Und das ist viel mehr wert, als es zunächst klingt. Dass Jahr für Jahr mehr als anderthalb Million Menschen das Gelände Weser-Ems-Halle besuchen, zeigt ganz deutlich, wie groß das Bedürfnis nach einer Alternative zur heimischen Couch ist. Ich bin sehr froh darüber, dass Oldenburg neben den erwähnten anderen Attraktionen über dieses freizeitliche Glanzlicht verfügt. Wir dürfen stolz drauf sein, dass es den Kramermarkt seit 400 Jahren gibt – und dass wir ihn zu einem so großen Erfolg gemacht haben!

Ich glaube zwar nicht, dass sich beim nächsten „großen Städtevergleich“ alles ändert und die Gutachter nach Oldenburg kommen, um zu sehen, wie es hier wirklich ist. Es wird also bei den Zahlen bleiben. Aber dennoch glaube ich, dass Oldenburg im Konzert der Großstädte weiterhin eine gute Rolle spielen wird. Auch wenn wir die kleinste der „Top 50“ und damit der Underdog bleiben: Wir sind die Stadt des Kramermarkts und wir sind – im kommenden Jahr – auch die Stadt der Wissenschaft. Wir beherrschen also die Pflicht und die Kür. Diese Stärke wird sich über kurz oder lang durchsetzen. Und das wird man dann auch in Zahlen und Statistiken, in Vergleichen und Rankings nachlesen können.

In diesem Sinne: Viel Spaß bei der Arbeit – und noch mehr Spaß auf dem Kramermarkt!

Ihr Gerd Schwandner
Oberbürgermeister