Kolumne vom 24. April 2007

Liebe Oldenburgerinnen, liebe Oldenburger,

selten genoss Oldenburg in der nationalen Berichterstattung so viel Aufmerksamkeit wie in den letzten Monaten. Selten schaffte es Oldenburg in so kurzer Zeit auf so viele TV-Kanäle. Ein Grund zur Freude? Nicht unbedingt.

Schlagzeilen wie „Oldenburger Welt durcheinander“, „Showdown in Oldenburg“ und „New York gegen Oldenburg“ zeigen, dass es nicht um Schönwetterthemen geht, sondern um einen handfesten Wirtschaftsstreit. Gegenstand der Berichte ist der Machtkampf zwischen den amerikanischen Großinvestoren MarCap und K Capital Partners auf der einen und dem Vorstand des Oldenburger Fotodienstleisters CeWe Color auf der anderen Seite.

Diese Auseinandersetzung ist eine Variation des Engagements global agierender Hedgefonds bei deutschen Mittelständlern. Diese Finanzbeziehungen ausführlich erklären zu wollen, würde den Rahmen einer Kolumne sprengen. Deshalb nur soviel: Hedgefonds investieren in Unternehmen, um eine möglichst hohe Rendite zu erzielen – was nicht unbedingt die Fortführung des Unternehmens einschließen muss. Nicht selten führt dieser vergleichsweise kurzfristige Ansatz zu Differenzen mit den längerfristig orientierten Vorständen. Genau das ist bei CeWe Color geschehen.

Häufig werden die Fonds – aufgrund ihrer Taktik, nur bis zum Erreichen eigener Renditeziele in Unternehmen investiert zu bleiben – mit Heuschrecken verglichen. Auch wenn dies eine sehr eindimensionale Darstellung eines komplexen Systems ist und Hedgefonds nicht per se negativ zu bewerten sind, geht es im Falle CeWe Colors um genau jene Mentalität, die den Fonds diesen Spitznamen einbrachte.

Durch eine Sonderdividende möchten die Investoren ihre Taschen füllen – gefährden damit aber den Konsolidierungskurs des Unternehmens. Geschieht dies, wären die Fonds zwar fein raus – sie hätten CeWe Color ja bereits „gemolken“. Zurück bliebe aber ein angeschlagenes Unternehmen mit unsicherer Zukunft. Dieses Szenario muss verhindert werden – denn schließlich geht es um den Fortbestand eines erfolgreichen Oldenburger Unternehmens mit europaweit 3.000 Arbeitsplätzen. Den amerikanischen Investoren ist dies möglicherweise egal – uns sollte es das aber nicht sein.

Die Region zählt zwar nicht zu den Akteuren am Kapitalmarkt – sie beherbergt aber viele von ihnen. Nicht wenige Menschen im Nordwesten haben Aktien von CeWe Color im Depot. Auch ich selbst gehöre dazu. Wenn es gelingt, alle Beteiligten mit einer Stimme sprechen zu lassen, die sich klar gegen MarCap und seine Verbündeten wendet, könnte es gelingen, deren Pläne abzuwehren. Gern habe ich deshalb gesehen, dass zum Beispiel die Erbengemeinschaft Neumüller, die LzO und die Nord/LB dem Vorstand des Unternehmens demonstrativ den Rücken stärken. Tun die Kleinanleger es ihnen nach und besuchen am 26. April die Hauptversammlung (oder übertragen ihre Stimmrechte), dann kann ein deutliches Signal erfolgen – und Oldenburg den „Kampf“ gegen New York gewinnen.

Doch es wird knapp. Die erwähnten Fonds verfügen – gemeinsam mit weiteren Hedgefonds – 40 Prozent der Aktien. Zudem ist damit zu rechnen, dass weitere Finanzinvestoren – wie zum Beispiel auch Guy Wyser-Pratt – eingestiegen sind, die auf den fahrenden Zug aufspringen wollen. Die vernunftbegabten (Klein-)Aktionäre werden also gefragt sein, Flagge zu zeigen. Sie haben es in der Hand, die Weichen von CeWe Color in Richtung Zukunft zu stellen. Ich hoffe sehr, dass eine nachhaltige Anlagephilosophie – die ein Unternehmen nicht als eine Rechenaufgabe für Dollarjongleure und Finanzcowboys begreift – sich durchsetzen wird.

Um es nochmal deutlich zu sagen: Ich habe grundsätzlich nichts gegen Hedgefonds. Sie können Unternehmen durchaus nützlich sein. Doch in diesem Fall hat vor allem MarCap mit der Entscheidung, ab 2005 massiv in CeWe Color zu investieren, einen Fehler begangen. Der Fonds hat schlicht und einfach seine Hausaufgaben nicht gemacht – und will seine Versäumnisse nun auf Kosten des Unternehmens korrigieren. Dafür habe ich kein Verständnis. Und das sollte meines Erachtens niemand haben, der über den Tellerrand einer attraktiven Sonderdividende hinausblicken kann.

Ihr Gerd Schwandner
Oberbürgermeister