Kolumne vom 25. Juni 2007

Liebe Oldenburgerinnen, liebe Oldenburger,

eigentlich kann man natürliche Gesetzmäßigkeiten nicht für sich allein beanspruchen. Fliehkraft, Trägheit und Gravitation gelten überall auf der Welt. Es gibt jedoch Ausnahmen von dieser Regel. Zum Beispiel ein Naturgesetz, das nur für Oldenburg gilt – das „Lex OLantis Mühlenhuntensis“. Es besagt folgendes: Pünktlich zu den ersten warmen Tagen im Jahr wird das Flussbad des OLantis nicht eröffnet – sondern geschlossen.

Dieses „Kuriosum“ – um es mal zurückhaltend auszudrücken – beraubt uns einer großen Attraktion. Die allermeisten Kommunen würden uns um das Bad beneiden. Sie tun es aber nicht – weil es ständig gesperrt ist. Noch schlimmer ist aber, dass die vielen Gäste des OLantis – und insbesondere die Jüngsten unter ihnen – an Land bleiben müssen, anstatt schwimmen zu dürfen. Ein Dilemma.

Vorschnell urteilen sollte man allerdings nicht. Mit Inkompetenz hat das alles nichts zu tun. Wir sind keinesfalls ein Schilda, das sich ein nicht funktionsfähiges Bad in die Landschaft gesetzt hat – ganz im Sinne der berühmten Brücken, die im Nichts enden und der Gleise, die ins Nirgendwo führen. Die Probleme des Flussbads liegen nicht etwa in schlechter Planung oder mangelhafter Ausführung – sie liegen verborgen in den sehr hohen Ansprüchen im Gesundheitsbereich.

Dass dieses Thema bei der Planung des Bades groß geschrieben würde, halte ich für völlig richtig. Schließlich ist ein Schwimmgewässer ein sensibler Bereich. Deshalb verfügt das Flussbad auch über eine hochmoderne Filteranlage, die Trinkwasserqualität garantiert soll. Das tut sie auch – allerdings nicht immer und überall. Und das ist der Haken an der Sache. Sobald es wärmer wird – und die Zahl der Gäste (und Enten!) steigt – geht auch die Zahl der vorhandenen Keime rauf. Das führt dazu, dass die sehr niedrig angesetzten Grenzen überschritten werden und das Bad gesperrt werden muss. Ein typischer Fall von „Operation gelungen – Patient tot“.

Ich habe allergrößtes Verständnis für alle, die unsere Gesundheit als höchstes Gut geschützt sehen wollen. Ich zähle mich selbst zu diesen Menschen. Doch darf man dabei nicht die Relationen aus den Augen verlieren. Man sollte nicht versuchen, das Flussbad des OLantis in eine klinisch reine Badeanstalt zu verwandeln. Das ist es nicht. Und das kann es auch nicht sein. Stattdessen müssten für den kleinen Abschnitt der Alten Mühlenhunte schlicht und einfach jene Werte gelten, die auch für andere Gewässer in der Umgebung vorgeschrieben sind. Damit weicht man keine Kriterien auf – sondern wendet verhältnismäßige Maßstäbe an, die alle Interessen angemessen berücksichtigen.

Ich bin sicher, diesen letzten Schritt auf dem Weg zu einer dauerhaften Lösung werden wir in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt sehr bald gehen. Denn schließlich sind wir Oldenburg – nicht Schilda.

Ihr Gerd Schwandner
Oberbürgermeister