Kolumne des Oberbürgermeisters (27. August)

Liebe Oldenburgerinnen, liebe Oldenburger,

es gibt sie immer wieder: die kleinen Meldungen und Randnotizen, die in der Presse kaum Erwähnung finden – in denen aber dennoch große Inhalte stecken. Vor einigen Tagen war es wieder soweit. Dieses Mal ging es um unsere Tourismus- und Marketinggesellschaft OTM. Sie vermeldete für das erste Halbjahr 2008 einen Zuwachs bei den Übernachtungszahlen von acht Prozent.

Acht Prozent? Zugegeben: das klingt beim ersten Hinhören nicht unbedingt so, als müsste man vor Staunen den Mund offen stehen lassen. Aber vielleicht muss man das doch. In absoluten Zahlen ausgedrückt bedeutet das nämlich eine Zunahme um 6.500 Übernachtungen in nur sechs Monaten. Pro Tag (oder besser gesagt: pro Nacht) logieren damit 480 Personen in Oldenburg. Mir fehlt der Vergleich mit anderen Städten unserer Größe – ich habe aber den Eindruck, das ist gar nicht so schlecht. Um nicht zu sagen: das ist sehr gut.

Viel zu oft stehen solche Positivmeldungen im Schatten anderer Berichte. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bin nicht auf der Suche nach professionellen Claqueuren. Es ist Journalistenpflicht, Missstände anzuprangern und auch mal Finger in Wunden zu legen. Das ist völlig in Ordnung. Aber: bei alledem sollte auch Raum für gute Meldungen bleiben. Schließlich ist Optimismus nicht gleichbedeutend mit Naivität. Warum also nicht mehr gute Nachrichten? In Oldenburg gäbe es genug davon!

Aber zurück zum Tourismus. Der war bei uns zuletzt etwas gebeutelt: Da gab es zum Beispiel das schwache WM-Jahr 2006, in dem alle Welt in die Spielstätten fuhr und die mittelgroßen Städte wie Oldenburg links liegen ließ. Den Rückgang von damals darf man im Nachhinein aber als heilsamen Schuss vor den Bug betrachten. Unsere Eigenvermarktung war schon vorher professionell und ambitioniert. Seitdem haben wir aber einiges optimiert. Es ist schön zu sehen, dass sich dies nun auch in den Zahlen niederschlägt – und unser Kurs dadurch bestätigt wird.

Es ist gar nicht so schlimm, wenn Statistiken zeitweise mal nicht so gut aussehen. Schlimm wäre es nur, wenn man keine Lehren daraus zieht. Im Falle der Übernachtungen haben wir – vorbehaltlich zufälliger Schwankungen und externer Einflüsse – offensichtlich die richtigen Maßnahmen ergriffen. Es ist zwar keineswegs so, dass wir am Ziel wären. Aber zumindest geht es wieder in die richtige Richtung. Nun darf der nächste Schritt kommen: die junge Entwicklung festigen und ausbauen.

Sie ahnen es: Das geht nicht von allein. Daran müssen wir arbeiten. Aber fest steht immerhin: Die Zahl unserer Gäste ist keine unveränderliche Schicksalsfügung. Sie ist das Resultat verschiedener Faktoren: unserer Voraussetzungen, unserer Angebote und der Vermarktung all dessen. Mindestens zwei dieser Faktoren haben wir komplett in der eigenen Hand. Und beim dritten – den Voraussetzungen – können wir langfristig auch etwas bewegen.

Wir sollten den eingeschlagenen Weg fortsetzen und Oldenburg weiter aufwerten. Das geht – zum einen – über unsere Veranstaltungen. Die sind eine ganz wichtige Größe für unsere Außenwirkung. Das erwähnte Übernachtungsplus zum Beispiel lässt sich unter anderem auf die bundesweit beachtete Ausstellung zu Kaiser Friedrich II. zurückführen. Allerdings kann man so bedeutende Events nicht jede Woche aus dem Ärmel schütteln. Und deswegen muss – zum anderen – auch die Stadt selbst überzeugen. Ihre Qualitäten sind nämlich veranstaltungsunabhängig. Sie können auch dann zu einem zweiten (dritten, vierten…) Besuch locken, wenn hier eigentlich gar nichts los ist. Was zum Glück selten passiert.

Was den Veranstaltungskalender angeht, sind wir gut aufgestellt – und auch das Stadtbild kann sich sehen lassen. Trotzdem versuchen wir, beides ständig weiter zu verbessern. Das hat Oldenburg schließlich schon 900 Jahre lang so gemacht: Bedächtig und vorsichtig – aber dennoch unbeirrt. Das wollen wir so fortführen. Und dabei nur ein klein wenig aufs Tempo drücken.

Dann werden wir in Zukunft noch häufig kleine Meldungen lesen können, die uns von Zuwächsen bei Übernachtungszahlen berichten. Und wenn sie dann wieder untergehen sollten – sei’s drum. Schließlich kommt es auf die Inhalte an.

Ihr Gerd Schwandner
Oberbürgermeister