Kolumne vom 28. Dezember 2007

Liebe Oldenburgerinnen, liebe Oldenburger,

nachdem ich in der letzten Woche an dieser Stelle noch einmal politisch geworden bin, soll nun auch etwas Zeit sein für ein Thema, das uns in diesen Tagen natürlich nahe liegt: Der Jahreswechsel. Er bedeutet eben doch mehr als der übliche Übergang von einem Tag zum nächsten. Ein Wechsel der Jahreszahl ist immer auch eine Zäsur. Er ist ein Anlass zum Blick zurück – und nach vorn. Und deshalb kommt ihm besondere Bedeutung zu. 

Der Blick zurück lässt in diesem Jahr vor allem eines erkennen: Es ist einiges geschehen. Und zwar so viel, dass man beinahe schon den Überblick verliert. Obwohl ich glaube, das meiste noch gut in Erinnerung zu haben, ist manches auch schon wieder in den Hintergrund getreten. Und das hat einen simplen Grund: Es ist viel zu viel, was tagtäglich auf uns einströmt. Die Flut an Informationen und Ereignissen verdichtet sich rapide zunehmend. Es strömt heute an einem einzigen Tag mehr auf uns ein als früher in einer Woche oder gar einem Monat. Das Leben ist hektischer und schneller als je zuvor. Kaffee trinkt man im Gehen, Nachrichten werden auf dem iPod empfangen, Handys sind grundsätzlich und überall dabei. Wer mit der Zeit gehen will, verhält sich dynamisch und aktiv. Das alles ist offensichtlich Teil unseres Selbstverständnisses geworden.

Und ich finde das bei näherer Betrachtung eigentlich gar nicht so schlecht. Meinem Lebensstil und meiner Auffassung vom kommunikativen Miteinander jedenfalls kommt das entgegen. Aber Phasen der hohen Aktivität bedürfen auch Phasen der Passivität – genauer: der Ruhe und Besinnlichkeit. Schließlich kann niemand 365 Tage im Jahr, 7 Tage die Woche und 24 Stunden am Tag volle Leistung bringen. Das geht einfach nicht. Wer es dennoch versucht, wird früher oder später an seine körperlichen und geistigen Grenzen stoßen.

Es gilt, die richtige Mischung zu finden. Genug Tempo im Leben, um seine Pläne umsetzen und seinen Verpflichtungen nachkommen zu können. Und genug Ruhe, um sich zu erholen und Kraft zu schöpfen. Denn wie so oft im Leben sind es die Kontraste, die uns den größeren Gewinn bringen. So wie Neu neben Alt besonders schön wirkt, oder wie Schwarz auf Weiß besonders gut zur Geltung kommt, tun Ruhephase vor allem dann gut, wenn sie in Zeiten der Hektik fallen. Und so ist es auch mit den Tagen um den Jahreswechsel.

Die Vorweihnachtszeit, die als Advent ja eigentlich schon eine Phase der Besinnlichkeit sein sollte, ist für die meisten von uns wohl weniger erholsam, als gewünscht. Dafür können es aber die Tage danach sein. Sie sind eine Art persönliches Refugium, das uns Gelegenheit gibt, die Akkus wieder aufzufüllen. Manche fahren – so wie ich – mit großer Vorfreude in Urlaub, andere lesen endlich einmal in Ruhe ein Buch oder treffen Freunde und Bekannte.
Wir spüren die Außergewöhnlichkeit dieser Zeit und genießen sie. Deshalb empfinde ich nicht nur die Weihnachtstage, sondern gerade jene „zwischen den Jahren“ als besonders wichtig. Nicht zuletzt sie sind es, die uns die Kraft geben, gestärkt und optimistisch ins neue Jahr zu blicken. Und gemeinsam mit Ihnen möchte ich diesen Blick voller Zuversicht nach vorn richten.
 
Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien einen angenehmen und fröhlichen Jahreswechsel und ein glückliches, gesundes und erfolgreiches Jahr 2008.

Ihr Gerd Schwandner
Oberbürgermeister