Kolumne vom 29. Januar 2007

Liebe Oldenburgerinnen, liebe Oldenburger,

die Wellen schlugen hoch, als Ende Dezember erste Pläne für ein reines Fußballstadion in Oldenburg vorgestellt wurden. In einer Fußballstadt, die auch noch 17 Jahre nach der Schließung des Stadions in Donnerschwee um die „Hölle des Nordens“ trauert und in der das Marschwegstadion immer nur als Notlösung begriffen wurde, fiel die Nachricht auf fruchtbaren Boden. Zu Recht, wie ich finde. Denn auch, wenn die momentane Situation des Oldenburger Fußballs nicht gerade Anlass zur Euphorie gibt, ist die Vorstellung eines „echten“ Fußballstadions – und mittelfristig wieder höherklassigem Fußball – einfach zu reizvoll, um sie beiseite zu wischen.

Davon hätten übrigens nicht nur Fußballfans etwas – sondern die ganze Stadt. Man darf den Werbefaktor eines hochklassigen Fußballvereins nicht unterschätzen. Es reicht ein Blick in die 2. Bundesliga: Orte wie Unterhaching, Burghausen und Aue dürften kaum einer breiteren Öffentlichkeit bekannt sein, würden sie nicht in der zweithöchsten Spielklasse kicken. Keiner von ihnen hat mehr als 25.000 Einwohner – und selbst das wäre weniger als ein Sechstel Oldenburgs. Wohin unser Fußball von daher eigentlich gehört, dürfte also klar sein.

Lobenswert an der Stadion-Initiative ist vor allem, dass sie von privater Seite ausgeht und keine öffentlichen Gelder verplant. Es geht bei diesem Projekt also nicht um den Einsatz von Steuergeldern. Der Sachverhalt ist schlichtweg folgender: Ein Investor ist bereit ein Stadion zu bauen, von dem ganz Oldenburg profitieren würde – wenn es ihm gelingt, die entsprechenden Mittel zu akquirieren. Punkt.

Ich halte es für wenig hilfreich, wenn schon zu diesem frühen Zeitpunkt Stimmen zu hören sind, die mit alldem nicht einverstanden sind. Bei allem Verständnis für andersgerichtete persönliche Vorlieben – ein Vorhaben wie dieses ist ein Glücksfall für eine finanzschwache Stadt wie Oldenburg. Auch wenn noch völlig offen ist, ob oder wann das Stadion tatsächlich gebaut wird, verdient solches Engagement unsere Unterstützung. Und wer sich dazu nicht durchringen kann, sollte sich zumindest fragen, ob er nicht das Ansinnen der Initiatoren gutheißen kann, in Oldenburg etwas bewegen zu wollen.

Auf dem Weg zu einem Fußballstadion in Oldenburg sind noch sehr viele Schritte zu gehen und etliche Fragen zu klären. Zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich aber immerhin soviel sagen: Die ashampoo-Initiative ist ein positives Beispiel für bürgerschaftliches Engagement. Gerade weil es – in dieser Dimension – vergleichsweise selten ist, sollten wir es unterstützen.

Am Anfang vieler großer Erfolge stand erst einmal eine verrückte Idee. Wer weiß, ob es hier nicht vielleicht auch so ist?

Ihr Gerd Schwandner
Oberbürgermeister