Kolumne vom 29. Februar 2008

Liebe Oldenburgerinnen, liebe Oldenburger,

in Oldenburg gibt es beinahe täglich Nachrichten, über die man sich von Herzen freuen kann. Ganz besonders in Erinnerung bleiben allerdings vor allem diejenigen Momente, in denen man regelrecht begeistert ist – und in denen man förmlich spüren kann, wie die Glückshormone durch den Körper schießen. Diese Fälle sind zwar seltener, dafür aber umso eindrucksvoller. Und einen dieser raren Momente hat es nun gegeben:

Am Donnerstag, dem 28.02.2008, um 14.25 Uhr, wurde Oldenburg zur Stadt der Wissenschaft 2009 gekürt!

Das ist schlicht und einfach sensationell! Nicht, weil wir uns das selbst nicht zugetraut hätten – sondern weil wir (und mit diesem „wir“ meine ich Sie, liebe Oldenburgerinnen und Oldenburger) viele Monate lang intensiv daran gearbeitet und den Titel letztlich absolut verdient gewonnen haben. Die Entscheidung der Jury war kein Geschenk an den Nordwesten. Sie war der Lohn für das, was wir hier geschafft haben – und für das, was wir noch schaffen werden.

Stadt der Wissenschaft wird man nicht, weil man über eine altehrwürdige Uni verfügt, die im Laufe der Jahrhunderte eine entsprechende Entourage an Instituten um sich versammelt hat. Stadt der Wissenschaft wird man, wenn man mit Kreativität, Engagement und – ganz wichtig! – Begeisterung daran arbeitet, seine Situation zu verbessern. Und wenn man Wissenschaft als Angelegenheit der gesamten Stadt begreift – und nicht als etwas, mit dem sich nur Fachleute beschäftigen. Forschung muss runter vom Campus und rein in die Gesellschaft! Schließlich gibt’s wenig, was spannender wäre als sie. Dagegen kann Hollywood einpacken!

Wir haben genau diesen Ansatz verfolgt – und der Funke hat gezündet! Ich glaube, die Kampagne hätte gar nicht besser laufen können. Blicken wir mal ein paar Monate zurück: Zunächst gab es einige gute Ideen, mit denen wir Aufbruchstimmung erzeugt haben. Dann kamen die Ideenschmieden, an denen sich Menschen aus der gesamten Bevölkerung beteiligt haben – und in denen sie das Feuer so richtig zum lodern brachten. In diesem Prozess wurde deutlich, wie gut wir sein können, wenn wir alle zusammenarbeiten. Ein echter Aha-Effekt! Ich bin wirklich dankbar für die große Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger. Ohne sie hätte die Bewerbung niemals einen so positiven Verlauf genommen. Der Erfolg Oldenburgs ist ein Erfolg der Menschen. Und das macht ihn noch wertvoller als er sowieso schon ist!

Dankbar bin ich auch dem Kampagnenleiter Dr. Rainer Lisowski und seinem Team. Sie haben die zahlreichen Vorschläge in sinnvolle Bahnen gelenkt und aus vielen guten Ideen ein starkes Konzept „gezimmert“. Es lohnt sich wirklich, einen Blick darauf zu werfen. Es ist nämlich kein Mittel zum Zweck – sondern eine Bedienungsanleitung für eine erfolgreiche Zukunft, Es ist spannend, informativ und inspirierend. Ich überlege, ob wir es nicht allen Oldenburgerinnen und Oldenburgern in den Briefkasten werfen sollten? Warum nicht? Es schadet nicht zu wissen, wie gut wir sein können – wenn wir alle am selben Strang ziehen!

Wir hatten ja zudem das große Glück, dass unsere starke Kampagne in den letzten Monaten zusätzlich durch eine Welle guter Nachrichten angetrieben wurde. Ich will hier nur die Forschergruppen der Max-Planck- und Fraunhofer-Gesellschaften sowie das EWE-Energieforschungszentrum als Beispiele nennen. Würde ich ins Detail gehen, dann würde diese Kolumne nämlich kaum noch zwischen zwei Buchdeckel passen.

All das hat gezeigt, dass wir keine heiße Luft produzieren. Wenn wir von Perspektiven und Potenzialen reden, dann sind das keine Ausflüchte in Richtung Zukunft, dann ist das ganz einfach realistisch. Oldenburg befindet sich mitten im Aufbruch – und der Weg führt uns von Gestern direkt nach Übermorgen. Das Bild der „Übermorgenstadt“ Oldenburg ist also keine Fata Morgana – sondern das Ziel, auf das wir zusteuern. Und das wir – wenn wir uns ranhalten – auch erreichen werden.

Für Oldenburg ist der Titel „Stadt der Wissenschaft 2009“ ein Lob für das, was wir erreicht haben und für das, was wir noch erreichen werden. Er ist aber auch Ansporn. Wir wollen den Schwung aus der Bewerbung nicht verlieren, sondern mitnehmen – und vielleicht sogar verstärken. Und mir ist da gar nicht bange. Schon jetzt ist ein Netzwerk innerhalb der Stadt entstanden, das es in dieser Qualität noch nicht gegeben hat. Allein das sollte schon ein Garant dafür sein, dass wir auf dem Weg nach Übermorgen weder vom Kurs abkommen noch an Fahrt verlieren.

Eines ist sicher: Oldenburg wird zukünftig in überregionalen und internationalen Kontexten ganz anders wahrgenommen werden. Bisher waren wir für viele „irgendeine“ Stadt „irgendwo“ im Norden. Manche verwechseln uns ja immer noch mit Oldenburg in Holstein. Aber damit wird es nun vorbei sein.

Denn wir sind Oldenburg – Stadt der Wissenschaft 2009!

Ihr Gerd Schwandner
Oberbürgermeister