Kolumne des Oberbürgermeisters (30. November)

Liebe Oldenburgerinnen und Oldenburger,

wenn ich jetzt gerade aus dem Fenster blicke, dann sehe ich nicht nur den Marktplatz und die Lambertikirche. Dann sehe ich noch etwas anderes. Ich sehe Schnee. Tausende weiße Flocken schweben langsam zu Boden. Das sieht wunderbar aus. Allerdings ist das nicht der Grund für diese Kolumne. Wichtig ist nicht, dass Schnee fällt. Wichtig ist, dass er am Boden liegen bleibt.

Die Temperaturen loten schon seit einigen Tagen immer neue Tiefststände aus. Es ist knackig kalt, aber meistens trocken. Feinstes Lamberti-Markt-Wetter. Allerdings ist die Beschreibung „meistens trocken“ nur eine Momentaufnahme. Wie gesagt, jetzt gerade schneit es. Und es ist zu erwarten, dass dies in den kommenden Monaten noch öfter und stärker der Fall sein wird. Beim Gedanken daran werden unweigerlich Erinnerungen an den letzten Winter wach. An die Schneekatastrophe, die keine war – sondern ein Winter, wie er nun offenbar regelmäßiger vorkommen wird. Zumindest für dieses Jahr haben die Meteorologen keine Rückkehr zu den milden Temperaturen früherer Jahre prognostiziert, sondern einen weiteren kalten Winter. Laut verschiedener Wetterdienste liegt die Wahrscheinlichkeit dafür, dass er kälter wird als der langjährige Durchschnitt, bei immerhin 65 bis 70 Prozent.

Ich kann durchaus nachvollziehen, dass im letzten Winter der Vergleich mit einer Katastrophe aufkam. Damit wurde einem subjektiven Gefühl Ausdruck der Überraschung verliehen. Mit einem Winter dieser „Güteklasse“ haben die meisten Menschen nicht gerechnet. Nachdem der Herbst in den Jahren zuvor nahtlos in den Frühling überging, waren wir es einfach nicht mehr gewohnt, mit dauerhaft niedrigsten Temperaturen und – damit einhergehend – verhältnismäßig großen Schneemengen umzugehen. Deshalb fehlte es häufig am Bewusstsein oder an der Bereitschaft, sich an die winterlichen Verhältnisse anzupassen.

Dieses Jahr zählen diese Argumente nicht. Wir wissen jetzt (wieder), was auf uns zukommen kann. Und wir sollten uns darauf vorbereiten. Der Winter bringt zwar Unannehmlichkeiten mit sich, die wir nicht abwenden können. Er ist aber kein unlösbares Problem. Wir können die Gefahren durch Schnee und Eis vermindern, indem wir einige einfache Regeln beachten. Das heißt erstens: Wir sollten vorsichtig sein und keine unnötigen Risiken eingehen. Dann entstehen viele heikle Situationen gar nicht erst. Das heißt zweitens: Wir sollten aufeinander Rücksicht nehmen. Es kann immer sein, dass jemand anderes in Schwierigkeiten gerät und wir darauf reagieren müssen. Und das heißt drittens: Wir sollten aktiv dazu beitragen, die Gefahrensituationen zu minimieren. Das betrifft vor allem den Gehwegstreifen vor unseren Grundstücken. Dort besteht eine Räumpflicht. Natürlich ist es nicht gerade ein Vergnügen, wenn man ständig Schnee schippen muss. Es ist aber ein kleiner Preis, wenn man damit gefährliche Verletzungen bei Mitmenschen vermeiden kann. Oder nicht?

Wenn wir diese drei Punkte berücksichtigen, dann werden wir in diesem Winter sicherlich nicht so viele Komplikationen erleben wie im letzten. Einmal kann uns ein harter Winter überraschen. Aber zweimal? Nein. Auf keinen Fall. Ich gehe davon aus, dass die Automatismen im Umgang mit Schnee und Eis dieses Mal besser greifen und alle ruhig und besonnen, aber konsequent und angemessen mit der Situation umgehen. Dann wären wir gut gewappnet.

Die Stadt wird mit gutem Beispiel vorangehen. Wir haben in den letzten Monaten ein Konzept entwickelt, das klare Regeln und Handlungsweisen vorgibt, die unser aller Sicherheit – insbesondere der Schülerinnen und Schüler – gewährleisten soll. Auf deren Einhaltung werden wir sehr genau achten. Unsere Straßenreinigung hat aber auch schon im letzten Winter – vor allem in Anbetracht der Umstände – gute Arbeit geleistet. Die Mitarbeiter sind wochenlang tagtäglich bis an die Grenzen der Belastbarkeit gegangen. Und das würden sie jederzeit wieder tun. Nicht für sich, sondern für uns. Dieses Engagement sollten wir unterstützen. Winterdienst ist keine alleinige Aufgabe der öffentlichen Verwaltung. Winterdienst ist Teamwork. Gemeinsam werden wir diesen Winter gut überstehen.

Übrigens: Es hat schon wieder aufgehört zu schneien. Die Sonne kommt durch. Nehmen wir das einfach als gutes Omen für einen möglicherweise kalten, weißen, aber letztlich doch ungefährlichen Winter.

Ihr
Gerd Schwandner
Oberbürgermeister