Kolumne vom 3. April 2007

Liebe Oldenburgerinnen, liebe Oldenburger,

der Jade-Weser-Port ist in jeder Hinsicht ein Projekt der Superlative. Das gilt nicht nur für das Investitionsvolumen von rund 1.000.000.000 Euro, sondern auch für die rekordverdächtig lange Planungsphase. Sechs Jahre ist es schon her, dass der Hafen endgültig beschlossen wurde – und es werden noch weitere drei Jahre vergehen, bis er endlich in Betrieb gehen kann. Trotz dieser enormen Zeitspannen ist der einzige Tiefwasserhafen Deutschlands schon jetzt eines der beherrschenden Themen. Und zwar nicht nur in Wilhelmshaven – sondern auch in Oldenburg.

Warum hier? Ganz einfach: Ein Hafen ist nur so viel wert, wie seine Hinterlandanbindung zu leisten imstande ist. Nur die wenigsten Waren, die in Zukunft an der Jade umgeschlagen werden, haben tatsächlich Wilhelmshaven als Ziel. Grob geschätzte 99% der Container dürften über Straße, Schiene und Binnenschiffe in das Hinterland weitertransportiert werden – und werden dabei recht häufig die Route über Oldenburg nehmen. Häufiger jedenfalls, als uns lieb sein kann.

Es ist schwer vorherzusehen, welche wirtschaftlichen Effekte der Jade-Weser-Port für Oldenburg haben wird. Man darf allerdings davon ausgehen, dass er ökonomisch bestimmt nicht von Nachteil ist. Konkreter berechnen lässt sich dagegen, was der Hafen infrastrukturell bedeutet – und da sieht es weniger gut aus. Geht man von maximalen Umschlagszahlen aus – was aus Sicht des Hafens wünschenswert wäre – dann rumpeln ab 2010 täglich 50 Züge mehr durch Oldenburg. Das würde eine glatte Verdoppelung des aktuellen Verkehrs bedeuten – und damit eine enorme Zusatzbelastung. Es wäre ein Anachronismus, in heutiger Zeit eine ganze Stadt dem Diktat des Lärms zu unterwerfen, zumal sie in diesem Fall kein hauptsächlicher Nutznießer sein wird.

Das trifft schon eher auf die Deutsch Bahn zu. Sie dürfte dank des Jade-Weser-Ports den einen oder anderen Euro verdienen. Ich begrüße es sehr, dass der Hafen solche Folgeeffekte hat und sich sein Schwung in andere Wirtschaftsbereiche fortsetzt. Genau dies war beabsichtigt. Allerdings dürfen Dritte – wie die Bahn – nicht auf Kosten Oldenburgs profitieren. Man darf zumindest erwarten, dass ein Teil der absehbaren Erträge dafür eingesetzt wird, bei der Profitgewinnung keine erheblichen Schäden zu verursachen. Im Falle der Bahn bedeutet das: Aktiven Lärmschutz für Oldenburg.

Ich freue mich sehr, dass die Bahn dies nun zugesagt hat. Dass diese Oldenburger Forderung erfüllt wird, ist ein Zeichen, dass die Bahn die Notwendigkeit erkannt hat und bereit ist, in solchen Fällen auch zu handeln. Ich verstehe die Bahn keineswegs als einen Gegner, sondern als einen Partner, mit dem zusammen wir unsere Region weiterentwickeln wollen. Das betrifft spannende Visionen wie zum Beispiel eine Anbindung Oldenburgs an den Bremer Airport. Das betrifft konkrete städtebauliche Weichenstellungen wie etwa die Situationen an der Alexanderstraße, der Holler Landstraße und der Bremer Heerstraße. Und das betrifft auch notwendige Detailarbeit – wie eben den Lärmschutz.

Im wahrsten Sinne des Wortes „umgehen“ könnte man viele einzelne Lärmschutzmaßnahmen mit einer neuen Trasse, die um Oldenburg herumführt. Sicherlich ist dies eine andere Dimension – aber das Ergebnis wäre schließlich auch von einer anderen Qualität. Ich werde es deshalb konsequent weiterverfolgen und weiß dabei große Teile der Region hinter mir. Denjenigen, die bei diesem Thema gleich abwinken, sei mit auf den Weg gegeben, dass mit solch einer Haltung ein Küstenkanal sicherlich auch nie gebaut worden wäre; ebenso wenig wie eine A29 oder ein Stadtautobahnring.

„Wenn, dann richtig“ – diese bekannte Philosophie sollte man auch auf die Maßnahmen rund um den Jade-Weser-Ports anwenden. Schließlich hat man das auch beim Hafen selbst getan.

Ihr Gerd Schwandner
Oberbürgermeister