Kolumne des Oberbürgermeisters (4.12.2007)

Liebe Oldenburgerinnen, liebe Oldenburger,

es besteht kein Zweifel: Der Winter steht vor der Tür. Das kratzt einen echten Norddeutschen zwar wenig. Schließlich gibt es kein schlechtes Wetter, sondern höchstens falsche Kleidung. Wenn der eisige Wind aber immer wieder Lücken in ihr findet oder eine Erkältung sich langsam ihren Weg durchs Immunsystem bahnt, ist es mit der Gelassenheit irgendwann vorbei. „Sch… Winter!“ denkt man sich – und hätte gerne den Sommer zurück. Eine tolle Vorstellung? Nicht unbedingt. Schließlich hat der Winter auch seine guten Seiten.

Dafür gibt es unzählige Beispiele. Spaziergänge durch Schneelandschaften. Schlittschuhlaufen auf gefrorenen Seen. Gemütliche Abende im warmen Wohnzimmer. Und die besinnliche Ruhe zwischen den Jahren. All das macht den Reiz der kalten Jahreszeit aus. Und eines habe ich bei dieser Auflistung sogar noch vergessen. Etwas ganz Wesentliches. Etwas, bei dem sich alle einig sind, dass es zu den Highlights des winterlichen Oldenburg zählt: Den Lambertimarkt!

Der Lambertimarkt ist ein ruhiger Zeitgenosse. Er macht nicht viel Aufhebens um seine Qualitäten. Er geht nicht offensiv auf die Besucher zu – er wartet lieber auf sie. Das macht ihn unaufdringlich, sympathisch, einladend. Und erfolgreich. Das Konzept des stillen Marktes ohne große Fahrgeschäfte und Spektakel geht voll auf. Während der Kramermarkt grell leuchtet und laut tönt – und seine 1,6 Mio. Besucher damit optisch und akustisch widerspiegelt – traut man dem Lambertimarkt seine große Anziehungskraft fast nicht zu. Er ist tolles Beispiel dafür, dass starke Angebote nicht zwangsläufig schreierisch vermarktet werden müssen. Besondere Qualität setzt sich auch auf subtilerem Wege durch. Jährlich 800.000 Menschen können sich einfach nicht täuschen: Der Lambertimarkt ist eine Perle unter den norddeutschen Weihnachtsmärkten, die es sich zu entdecken und zu genießen lohnt.

Wenn man vom „stillen“ Lambertimarkt spricht, ist das allerdings nur die halbe Wahrheit. Dieses „still“ bezieht sich nämlich auf die Abwesenheit von Lärm – nicht auf die Abwesenheit von Stimmung und guter Laune. Jeder, der mal einen Glühwein (oder zwei oder drei) auf dem Markt getrunken hat, kennt das Phänomen: Die Mischung aus frischer Luft, heißen Getränken und guter Gesellschaft lässt einen grundsätzlich länger bleiben, als man ursprünglich geplant hatte. Verbunden ist das mit dem wohligen Gefühl, schöne Momente in wunderbarer Atmosphäre verbracht zu haben. In einer Zeit, die viel zu oft von Hektik und Schnelllebigkeit geprägt ist, sind solche Momente sehr wertvoll. Zumindest empfinde ich das so.

Wer jetzt immer noch mit dem Wetter hadert und den Weg in die Kälte scheut, dem hilft vielleicht dies: In einem kleinen Beitrag zum Programmheft des Lambertimarktes habe ich zwei Fragen gestellt – und glaube, auch zwei gute Antworten auf sie gefunden zu haben. „Es wird kälter? Dagegen hilft ein heißes Getränk. Es wird früher dunkel? Dagegen hilft der Lichterglanz der Budenstadt.“ Mit anderen Worten: Trotz der unangenehmen Seiten des Winters muss man die Vorweihnachtsphase keineswegs zu Hause zu verbringen. Die Fußgängerzone lockt mit ihrem charakteristischem Charme und der gemütlichen Atmosphäre (und, nebenbei bemerkt, mit tollen Shopping-Angeboten). Nun lockt sie außerdem noch mit dem Lambertimarkt. Zu den vielen guten Gründen, die City besuchen, kommt also ein besonders guter hinzu. Ehrlich gesagt: Mir fällt kein Argument ein, warum man nicht in die vorweihnachtliche Innenstadt eintauchen sollte, um dort ein paar schöne Stunden zu verbringen. Und ich hoffe: Ihnen auch nicht!

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen (und Erfolg) bei Ihren Weihnachtseinkäufen – und ganz besonders auf dem Lambertimarkt. Vielleicht sehen wir uns ja sogar mal dort? Das würde mich freuen. Bis dahin!

Ihr Gerd Schwandner
Oberbürgermeister