Kolumne des Oberbürgermeisters (4. Juli)

Liebe Oldenburgerinnen, liebe Oldenburger,

dass wir vor einiger Zeit zur Stadt der Wissenschaft ernannt wurden, hat sich inzwischen herumgesprochen. Irritiert hat manche allerdings, dass der Titel schon Anfang des Jahres vergeben wurde, man seitdem aber nicht mehr viel gehört hat. Keine Sorge, uns sind weder die Luft noch die Ideen ausgegangen. Die Stille hat andere Gründe. Wir sind nämlich Stadt der Wissenschaft 2009, nicht 2008. Für dieses Jahr hat Jena den Titel inne. Und wir wurden gebeten, das zu respektieren und noch nicht mit voller Kraft loszulegen. Wofür wir natürlich Verständnis haben.

Eine Aktion läuft derzeit aber dennoch an. Das muss sie auch – denn sie richtet sich an alle Bürgerinnen und Bürger, die unsere Kampagne (und darüber die Zukunft Oldenburgs) mitgestalten wollen. Diese Beteiligung ist ausdrücklich erwünscht – denn sie ist entscheidend für unseren Erfolg! Wieso das? Ganz einfach: Der Titel, den wir nächstes Jahr tragen werden, heißt „Stadt der Wissenschaft“ – mit Betonung auf „Stadt“. Damit ist die gesamte Bevölkerung gemeint. Wissenschaft ist nichts, was man ausschließlich Fachleuten überlassen müsste. Jeder kann dazu beitragen. Manche wissenschaftliche Höchstleistung basiert auf einem banalen Problem, das nur zur richtigen Zeit an die richtigen Leute getragen wurde – die es schließlich lösten. Der Impuls – bzw. die Ausgangsfrage – ist dabei fast genauso wichtig wie die Lösung. Und die entscheidende Rolle des Impulsgebers kann jeder übernehmen. Wirklich jeder. Dafür ist keine konzeptionelle Arbeit in irgendwelchen Arbeitskreisen nötig. Das Mitmachen ist viel einfacher. Dafür müssen Sie nicht mal eine Frage beantworten – Sie müssen nur eine stellen.

Vielleicht sind Ihnen in der Stadt schon die Plakate aufgefallen, auf denen ein großes Toastbrot prangt und auf denen Sie mit einem herzlichen „Guten Übermorgen!“ begrüßt werden. Es stammt übrigens nicht von einer Agentur, sondern von Marketingstudenten der Carl von Ossietzky Universität. Der Gruß nimmt Bezug auf den Titel unserer Kampagne – „Übermorgenstadt Oldenburg“. Damit ist gemeint, dass wir nicht nur an das Heute oder Morgen denken, sondern auch weiter. Um Übermorgenstadt zu sein, muss man über den Tellerrand des Hier und Jetzt hinausblicken – und die Themen erkennen, die vielleicht nicht heute, vielleicht nicht morgen, aber übermorgen wichtig sein werden. Und um zu wissen, in welche Richtung es gehen soll, fragen wie ganz einfach Sie – die Bürgerinnen und Bürger. Denn wer sollte das besser wissen?

Wir tun das unter der Überschrift „Zukunftsfrage“. Wir wollen wissen, was Sie besonders beschäftigt, wenn sie an das Oldenburg der Zukunft denken. Was genau das ist, bleibt ganz Ihnen überlassen. Ob Ihre Frage sich wirtschaftlichen, sozialen, gesellschaftlichen, kulturellen, sportlichen oder privaten Themen widmet, spielt keine Rolle. Uns ist jede Beteiligung herzlich willkommen. Denn je mehr Einsendungen wir erhalten, desto realistischer wird das Bild der Gedankenwelt unserer Bevölkerung. Und darauf kommt es an. Wir wollen die Zukunft schließlich nicht „von oben herab“ planen, sondern als einen Prozess gestalten, der aus der Bevölkerung kommt.

Sie können durch Ihre ganz persönliche Zukunftsfrage dazu beitragen. Und das Mitmachen ist ganz einfach – zum Beispiel über das Internet. Sie müssen lediglich unsere Website zur Stadt der Wissenschaft besuchen. Dort finden Sie einen Fragebogen, mit dem Sie uns Ihre Zukunftsfrage mitteilen können. Im Grunde müssen Sie nur dreimal mit der Maus klicken, danach ein paar Buchstaben auf der Tastatur drücken – und schon sind Sie Teil der Stadt der Wissenschaft! So einfach ist das! Und wo Sie ja gerade schon online sind…

Ich will nicht so weit gehen, unsere Zukunftsfrage als ein basisdemokratisches Instrument zu bezeichnen. Es hat aber durchaus etwas davon. Denn durch ihre Beteiligung können Sie die Zukunft Oldenburgs mitbestimmen. Mehr vielleicht, als Sie zunächst denken. Denn wenn Ihre ganz persönliche Frage auch viele andere bewegt – dann hat sie gute Chancen in unsere Planungen eine große, wenn nicht gar die Hauptrolle zu spielen.

Also, machen Sie mit!
Ich lade Sie herzlich dazu ein!

Ihr Gerd Schwandner
Oberbürgermeister