Kolumne des Oberbürgermeisters (5.10.2007)

Liebe Oldenburgerinnen, liebe Oldenburger,

runde Geburtstage sind selten genug. Noch seltener werden sie, wenn man sich von der Zwei- in die Dreistelligkeit bewegt. Sobald zwei Nullen hinter der ersten Ziffer stehen, kann man von echten Raritäten sprechen. Die wenigsten Menschen werden 100. Und für Organisationen, Unternehmen und Veranstaltungen gilt das ebenfalls. Nicht aber für den Oldenburger Kramermarkt! Er hat seinen 100. Geburtstag schon im Jahre 1707 erlebt! Und in diesem Jahr hieß es schon „400 Jahre Oldenburger Kramermarkt“. So ein stattliches Jubiläum wollte natürlich angemessen gefeiert werden. Und genau das ist auch geschehen.

Bei einem Markt denkt man normalerweise zuerst an die vielen Fahrgeschäfte und an Leckereien wie Zuckerwatte und kandierte Äpfel. Ich denke aber zuerst an die Menschen. Sie sind der Grund, warum ich Märkte schätze. Und in dieser Hinsicht kam man in diesem Jubiläumsjahr voll auf seine Kosten! Unzählige fröhliche und begeisterte Besucher gab es zu sehen. Ihnen stand die gute Laune ins Gesicht geschrieben. In solchen Momenten denke ich: Darum soll es doch gehen! Es darf nicht nur die Tretmühle des Alltags geben – sondern auch die unbeschwerte Lebensfreude. Und die gibt es in Oldenburg zuhauf! Nach Stadtfest und Filmfest war der Kramermarkt das dritte Highlight innerhalb eines Monats. Norddeutsche Provinz? Keine Spur! Oldenburg ist eine attraktive und (er-)lebenswerte Großstadt. Wer es nicht glaubt, sollte im September mal hier gewesen sein!

Jetzt könnte man sich fragen: Wieso schreibt der Oberbürgermeister etwas über feiernde Menschen auf dem Kramermarkt? Gibt es nichts Wichtigeres? Doch, natürlich! Aber muss man sich immer nur mit den ernsten Dingen des Lebens beschäftigen? Darf nicht auch Raum für Heiteres sein? Ich denke schon. Und davon abgesehen reden wir beim Kramermarkt nicht über ein Straßenfest. Seine Größenordnung macht ihn auch ökonomisch bedeutsam für unsere Stadt – so dass aus diesem heiteren eigentlich schon wieder ein handfestes Thema wird.

Volksfeste sind – ohne das in irgendeiner Weise negativ zu meinen – Teil der Freizeitindustrie. Sie sind zwar familiär geprägt, doch erzielen sie mit ihren vielen Millionen Gästen mittlerweile Milliardenumsätze. Und in dieser umsatzträchtigen Branche gehört der Kramermarkt mit seinen 1,6 Mio. Besuchern zu den „Top Ten“. Man muss kein Einstein sein, um zu ahnen, dass auch hier Summen umgesetzt werden, für die eine alte Frau lange stricken muss.

Man sollte Volksfeste aber nicht auf Zahlen reduzieren. Wie könnte man auch? Es ist ja gerade die besondere Atmosphäre, die ihr Erfolgsgeheimnis ist und die ihnen die liebevolle Bezeichnung „5. Jahreszeit“ einbrachte. Der Kramermarkt wäre für Oldenburg genauso wichtig, wenn niemand auch nur einen Cent ausgeben würde (wenngleich die Schausteller dann natürlich weniger Freude daran hätten). Warum das so ist? Ganz einfach: Der Kramermarkt ist ein enormer Imagegewinn. Von der Küste bis zum Harz kommen viele Menschen hierher und lernen Oldenburg von einer besonders sympathischen Seite kennen. Das ist ein eigentlich unbezahlbarer Marketingeffekt. Beim Kramermarkt gibt es ihn gratis.

Zugegeben: Umsätze und Marketingeffekte – das klingt unromantisch. Deshalb will ich noch eine Facette des Kramermarktes erwähnen, die ebenfalls sehr wertvoll ist – die aber in engem Zusammenhang mit seinem einzigartigen Charakter steht. Ich denke an das Erlebnis, an die Faszination, an das Spektakel. Wer immer die Eingänge hinter sich lässt, taucht ein in eine bunte und tönende Welt – und ist weit weg vom Alltag (und seiner Tretmühle). Ein Marktbesuch ist deshalb für viele nicht weniger als ein Kurzurlaub. Diesen Effekt sollte man nicht unterschätzen. Er trägt ganz direkt dazu bei, dass Oldenburg eine Stadt ist, in der es sich zu leben lohnt.

Würde man es auf die Spitze treiben, könnte man sagen: Feste und Feiern sind Standortfaktoren! Aber das muss gar nicht sein. Ich muss den Kramermarkt nicht erklären oder schön reden. Jeder weiß, wie gut er ist. Mehr als anderthalb Millionen Menschen können sich in diesem Fall wirklich nicht irren. Der 400. Kramermarkt war ganz eindeutig ein weiteres Highlight in seiner langen Geschichte. Und ich bin sicher: Das wird auch für den 401. gelten. Wir Oldenburger wissen Feste schließlich zu feiern. Runde Geburtstage brauchen wir dafür eigentlich gar nicht!

Übrigens: Der Lambertimarkt beginnt am 27. November. Vorfreuen ist ausdrücklich erlaubt!

Ihr Gerd Schwandner
Oberbürgermeister