Kolumne des Oberbürgermeisters (5. November)

Liebe Oldenburgerinnen und Oldenburger,

in der Politik gibt es immer wieder Streit darüber, welche Themen wichtig sind und welche nicht. Das wird auch immer so bleiben. Schließlich gibt es keine allgemeingültigen Maßstäbe, die ein Thema als „wichtig“ oder „unwichtig“ definieren. Dabei existieren tatsächlich Themen, bei denen sich niemand streitet. Und es sind mehr als man denkt.

Schauen wir einfach mal, welche Bereiche dazugehören könnten. Kinder und Jugendliche? Natürlich. Sie sind unsere Zukunft. Bildung und Wissen? Aber sicher. Ohne sie geht es nicht. Internationalität und Toleranz? Und ob! Wir wollen ja nicht mit Scheuklappen durch die Welt laufen. Bei der Bewertung dieser Themen herrscht große Einigkeit. Kein Wunder, denn sie sind ganz offensichtlich von großer Bedeutung für unser Zusammenleben und für unsere Zukunft. Außerdem gehören sie eng zusammen. Es wäre deshalb ein kluger Gedanke, sie miteinander zu kombinieren und attraktiv aufzubereiten. Das würde eine Vielzahl positiver Effekte erzielen. Aber wieso benutze ich eigentlich den Konjunktiv? In Oldenburg haben wir das längst geschafft. Und wir haben auch einen Namen dafür: KIBUM!

Die KIBUM gehört zu den wirkungsvollsten Botschaftern unserer Stadt. Bei ihr geht es um unsere Kinder und Jugendlichen, um ihre Lust am Lesen und um ihre Freude am Entdecken. Und damit auch: um ihre Eintrittskarte in die Welt des Wissens. Positiver kann eine Messe kaum sein. Wichtig ist außerdem: Es gibt kein kommerzielles Motiv. Es geht bei der KIBUM nicht ums Werben oder Verkaufen. Sie soll keine Konsumlust wecken, sondern Aufmerksamkeit, Interesse, Wissensdurst und Tatendrang. Und das ist nicht überambitioniert. All diese Dinge lassen sich tatsächlich zwischen zwei Buchdeckeln finden – wenn die Begegnung mit den Werken clever inszeniert ist. Und das ist sie: Für seine kleinen Gäste ist das PFL eine unerforschte Welt, der Besuch eine Expedition und das Lesen ein Abenteuer.

Was die KIBUM zusätzlich wertvoll macht, ist das Aufgreifen aktueller Themen – wie z.B. den Mauerfall im vergangenen Jahr – und die Einbindung von Partnerländern. Nach Frankreich und den Niederlanden, nach „Bonjour la France“ und „Hartelijk welkom“ heißt es in diesem Jahr: „Ni Hao! KIBUM trifft China“. Wobei die Grenze zwischen „aktuellem Thema“ und „interessantem Partnerland“ in diesem Fall fließend ist. China ist beides zugleich. Und das macht die Beschäftigung mit diesem Land so spannend. Den Blick über die Grenzen, den Kontakt zu anderen Kulturen halte ich aber grundsätzlich für äußerst wertvoll. Auch – und gerade – in diesem Kontext. Wenn wir unsere Talente fördern möchten und Bildung zum Leitthema erklären, dann gehören dazu auch weite Denkhorizonte. Wir können nicht erwarten, dass unsere Kinder zu gebildeten Menschen heranwachsen, wenn wir nicht ihren Blick auf die Welt öffnen. Hier sollte es inhaltlich und geographisch keine Grenzen geben. Erst recht nicht, wenn es um eine der ältesten Kulturen der Welt geht, in der heute über 1,3 Milliarden Menschen leben und deren Wirtschaftskraft sich längst auf Augenhöhe der USA bewegt – und diese bald hinter sich lassen wird.

Zwar ist das Reisen immer noch die beste – weil authentischste – Methode, ein Land kennenzulernen. Doch die Literatur kommt direkt danach. Sie besitzen sogar zwei Wirkungsebenen: Zum einen die sachlichen Informationen – zum anderen den subjektiven Blickwinkel des Autors oder Illustrators. Sie verleihen den Erzählungen eine menschliche Ebene und verraten uns auf einer Metaebene, was die kleinen und großen Chinesinnen und Chinesen bewegt. Und das ist ebenso interessant wie das Land selbst. In diesem Monat kann man sich die weite Reise ins Reich der Mitte also sparen. Stattdessen reicht der kurze Weg zum PFL. Das spart Zeit und Geld. Und beides kann man immer gebrauchen.

Vom 6. bis zum 16. November werden die Kinder und Jugendlichen das PFL also wieder fest in ihrer Hand haben. Ich weite die Einladung aber gerne auch auf andere Altersgruppen aus. Wer gerne liest, wer Freude am Entdecken hat und wer das Kind in sich noch spüren kann, ist ebenfalls herzlich willkommen. Ich bin sicher: Auch Erwachsene können auf der KIBUM noch etwas lernen. Nicht nur über China. Sondern auch über sich selbst.

Ihr
Gerd Schwandner
Oberbürgermeister