Kolumne des Oberbürgermeisters (6.6.2008)

Liebe Oldenburgerinnen, liebe Oldenburger,

ich hab an dieser Stelle schon ein paar Mal über Sport geschrieben – und auch heute will ich das tun. Keine Sorge: Es ist nicht so, dass mir nichts Besseres einfällt. Es gibt gute Gründe dafür. Sport ist schließlich längst nicht mehr der weiche Standortfaktor, als der er lange abgetan wurde. Er ist ein wichtiges Instrument zur Gesundheitsförderung. Er vermittelt grundlegende gesellschaftliche Werte. Und er übernimmt bedeutende Marketingfunktionen. Oder würden Sie den Sinsheimer Ortsteil Hoffenheim auch ohne Fußball kennen?

Der hohe Stellenwert des Sports wäre Anlass genug, über ihn zu schreiben. Es gibt aber noch mehr. Das Wesentliche am Sport sind nämlich nicht die rationalen Aspekte, sondern die emotionalen. Wer Sport treibt, fühlt sich fitter, gesünder – und einfach besser. Körperliche Bewegung löst in uns (Glücks-)Gefühle aus, die auf andere Weise schwer zu erreichen wären. Biologisch gesehen aktivieren wir nur ein paar Hormone – wie Adrenalin und Endorphin. Das aber führt dazu, dass wir uns vital und lebendig fühlen. Und was könnte es im Leben wichtigeres geben?

Faszinierend finde ich übrigens, dass sich diese positiven Eigenschaften des Sports auch auf Zuschauer übertragen lassen. Dann nämlich, wenn echter Spitzensport geboten wird, der mitreißt und begeistert. Und was das betrifft, sind wir in Oldenburg in letzter Zeit wirklich verwöhnt worden. Es liegen zwei Sportwochen hinter uns, die in der Quantität und Qualität ihrer Erfolge in der 900jährigen Geschichte unserer Stadt ihresgleichen suchen.

In seiner Bedeutung am größten war sicherlich der 24. Mai. Merken sie sich dieses Datum, denn es wird in die Annalen des Oldenburger Sports eingehen. An diesem Tag gewannen nämlich die Handballerinnen des VfL mit dem EHF Challenge Cup den ersten europäischen Titel eines Oldenburger Teams überhaupt! Das war nicht nur der größte Erfolg der Vereinshistorie, sondern einer der größten Erfolge des Oldenburger Sports insgesamt! Es wurde Geschichte geschrieben in der EWE Arena – und 2.500 begeisterte Zuschauer waren live dabei. Ein grandioses Erlebnis! Denn wann erlebt man es schon mal, dass ein Europapokal in Oldenburg vergeben wird? Statistisch gesehen alle 900 Jahre. Ich hoffe aber, dass wir bis zum nächsten Mal nicht so lange warten müssen. Titel sind schließlich zum verteidigen da!

Zu einem Titel hat es bei den EWE Baskets nicht ganz gereicht – ihre Leistungen waren aber ebenfalls fantastisch. Das gilt insbesondere für die Playoffs. Vor (natürlich) ausverkaufter Halle warfen die Baskets am 23. Mai zunächst den amtierenden deutschen Meister Bamberg aus dem Rennen – und erreichten damit erstmals das Halbfinale! Auch das war der größte Erfolg der Vereinsgeschichte! Dort wartete mit Serienmeister Alba Berlin der nächste „Brocken“. Der erwies sich im entscheidenden Spiel am 3. Juni zwar als zu groß – aber das betraf nur das reine Ergebnis. Spielerisch konnten die Jungs um Jason Gardner auch gegen die Favoriten aus der Hauptstadt mithalten.

Wie groß die Basketball-Begeisterung in der Stadt mittlerweile ist, kann man übrigens gut an der Geschwindigkeit ablesen, mit der die Baskets ihre Tickets verkaufen. Für die knapp 3.200 Plätze beim letzten Heimspiel benötigten sie gerade mal 25 Minuten! Mehr braucht man eigentlich gar nicht zu sagen.

Was wäre eine Kolumne zum Thema Sport ohne Fußball? Unvollständig. Zumal es dort weitergeht mit den größten Erfolgen der Vereingeschichte (wir erleben einen wahrhaft historischen Frühsommer). Am 21. Mai stand es fest: Der VfL Oldenburg wurde erstmals Meister in der Niedersachsenliga – und wenn es in diesem Jahr keine Ligareform geben würde, hätte er nächste Saison gemeinsam mit dem VfB in der vierthöchsten deutschen Spielklasse gekickt. Da aber nun die eingleisige 3. Bundesliga eingeführt wird, müssen sich sowohl der VfL als auch der VfB – der in einem dramatischen Finale am 30. Mai starker Siebter der Oberliga wurde – für die neue vierte Liga erst noch qualifizieren.

Vierte Liga? In anderen Städten würden die Leute nur mit den Schultern zucken. Nicht in Oldenburg! Am 4. Juni kam es in der Qualifikationsrunde zum Derby zwischen VfB und VfL – vor sage und schreibe fast 10.000 Zuschauern! Zum Vergleich: Die andere Relegations-Partie zwischen Oberneuland und Gifhorn zählte 400 Besucher. Diese enorme Resonanz zeigt einerseits die positive (und grundsympathische) Fußballverrücktheit der Oldenburger. Anderseits ist sie aber auch eine Würdigung der größtenteils tollen Leistungen von VfB und VfL in der vergangen Saison. Auch von mir nochmals Dank dafür und Glückwunsch dazu!

Es gibt natürlich auch jenseits von Handball, Basketball und Fußball und unterhalb der Top-Ligen tolle Erfolge der Oldenburger Sportlerinnen und Sportler. Mir fallen zum Beispiel die Leichtathleten ein, die Schwimmer, die Triathleten und und und. Man könnte die Liste endlos fortsetzen. Mir ging es hier aber lediglich darum, die großen Highlights noch mal zusammenzufassen, um zu zeigen, welch starke Phase der Oldenburger Sport derzeit erlebt. Und was hier in unserer Stadt möglich ist, wenn man attraktiv und erfolgreich spielt.

Oldenburg ist vielleicht nicht „die“ Sportstadt Deutschlands überhaupt. Zumindest fehlen uns die Beweise, die das eindeutig belegen. Oldenburg ist aber ganz sicher eine Hochburg des Sports. Und das gilt in diesem Frühsommer mehr als jemals zuvor. So darf es weitergehen!

Ihr Gerd Schwandner
Oberbürgermeister