Kolumne vom 8. April 2008

Liebe Oldenburgerinnen, liebe Oldenburger,

einer der Grundsätze unserer Gesellschaft lautet: Leistung soll sich lohnen. Es sei mal dahingestellt, ob das immer so funktioniert, wie es eigentlich soll. Eines ist aber sicher: Wer sich in Oldenburg engagiert, der wird ganz sicher belohnt – und so mancher auch mit unseren städtischen Preisen oder Ehrungen.

Ich möchte an dieser Stelle nicht alle Auszeichnungen auflisten – das würde den Rahmen eindeutig sprengen. Man kann sich aber auf den Internetseiten der Stadt ausführlich darüber informieren. Klicken Sie mal auf „Stadtverwaltung“, dann auf „Bürgerservice“ und schließlich auf „Städtische Ehrungen/Preise“. Oder ganz einfach auf diesen Link. Dort finden Sie alles Wissenswerte.

Aus gegebenem Anlass möchte ich einige Auszeichnungen an dieser Stelle aber dennoch erwähnen. Denn jetzt, im Frühjahr, werden wieder etliche von ihnen vergeben. Anfang März zum Beispiel hatte ich die Ehre, unsere Stadtmedaillen an gleich sieben verschiedene Personen überreichen zu dürfen. Voraussetzung dafür ist eine mindestens 20jährige ehrenamtliche Tätigkeit. Das muss man sich mal vor Augen führen: Ein Fünftel Jahrhundert für eine bestimmte Sache arbeiten – und das nicht des Geldes wegen, sondern weil man Spaß daran hat und einen Sinn darin sieht. Das ist absolut vorbildlich. Und inspirierend ist es auch.

Ein anderer Preis, der in diese Zeit fällt, ist der Oldenburger Bulle. Er wird am 9. April zum fünften Mal vergeben – und ist damit eine unserer jüngsten Auszeichnungen. Mit ihm würdigen wir Verdienste in Wissenschaft und Wirtschaft, die vor Einführung des Bullen meistens unbeachtet blieben. Es ist gut, dass sich das nun geändert hat. Denn was die bisherigen Preisträger geleistet haben, hat niemals nur ihren jeweiligen Unternehmen oder Institutionen genutzt, sondern immer auch der Stadt Oldenburg. Und damit auch Ihnen, den Bürgerinnen und Bürgern. Ich freue mich jedenfalls sehr, dass wir diese Auszeichnung vergeben dürfen und dass wir immer wieder Kandidaten finden, von denen wir absolut überzeugt sind und die es mehr als verdient haben. Nur eines fehlt noch: Eine Frau als Preisträgerin. Ich hoffe, dass wir dieses Defizit möglichst bald ausgleichen können.

Bereits im Mai folgt eine weitere wichtige Auszeichnung – mit einer ganz anderen Ausrichtung als der Oldenburger Bulle. Der Carl von Ossietzky Preis widmet sich Zeitgeschichte und Politik. Und während die meisten unserer Ehrungen sich auf das Oldenburger Stadtgebiet beziehen, kommen für ihn Kandidaten aus aller Welt in Betracht. So zählen der israelische Friedenaktivist Uri Avnery und der amerikanische Gesellschaftskritiker Noam Chomsky zu den bisherigen Preisträgern.

Durch seinen geschichtsträchtigen Namen, seine besondere inhaltliche Ausrichtung und sein hohes Renommee strahlt der Carl von Ossietzky stark nach außen. Er wird im ganzen Land wahrgenommen. Es wird über ihn berichtet und er wird kommentiert. Die Stadt Oldenburg darf sich glücklich schätzen, solch eine starke Auszeichnung an hoch angesehene Persönlichkeiten vergeben zu dürfen. Mittlerweile hat dieser Preis aufgrund seiner Qualitäten sogar eine Doppelwirkung entwickelt: Er ist nicht nur Auszeichnung für die Preisträgerinnen oder Preisträger – sondern auch für die Stadt Oldenburg. Und ich finde, er steht uns sehr gut zu Gesicht.

Übrigens kann es auch mal andersrum gehen. Es muss nicht immer so sein, dass die Stadt Oldenburg andere auszeichnet – manchmal zeichnen auch andere die Stadt Oldenburg aus! In diesen Wochen erhalten wir – als erste Preisträgerin überhaupt – den „Deutschen Städtepreis Kriminalprävention“. Das ist ein ganz großer Erfolg. Er bestätigt uns in unserer Einschätzung, dass wir in Sachen Sicherheit konsequent auf Prävention setzen müssen. Schließlich ist es immer besser, im Vorfeld zu verhindern als im Nachhinein zu bestrafen. Diese Strategie verfolgen wir – vor allem mit dem Präventionsrat – schon seit einigen Jahren. Es ist schön zu sehen, dass diese Arbeit anderswo wahrgenommen und gewürdigt wird.

Noch schöner als der Preis selbst ist aber die Tatsache, dass diese Einschätzung der Wahrheit entspricht. Dass man in Oldenburg immer noch den Eindruck hat, man würde in einem großen Dorf leben, obwohl wir knapp 160.000 Einwohner haben, liegt nämlich nicht allein am optischen Eindruck. Das liegt auch an unserem harmonischen Miteinander, das für eine Großstadt eher untypisch ist. Darüber dürfen wir uns freuen – und darauf dürfen wir stolz sein. Denn was würden einem alle guten Entwicklungen nutzen, wenn man sich kaum noch vor die Haustür traut?

Preise und Ehrungen gehen in der Informationsflut des Alltags manchmal unter. Das ist schade. Denn hinter jeder Auszeichnung stehen große Leistungen und Verdienste – und häufig genug auch spannende Geschichten. Deshalb sollte man Preise nicht einfach nur verleihen, sondern durchaus auch mal einige Worte darüber verlieren, so wie ich es gerade getan habe.

Ein Preis sollte zwar niemals der Grund sein, aus dem man etwas tut. Aber es ist dennoch schön zu wissen, dass man belohnt wird, wenn man sich für eine Sache einsetzt. Leistung lohnt sich also doch. Zumindest in Oldenburg.

Ihr Gerd Schwandner
Oberbürgermeister