Kolumne des Oberbürgermeisters (8.5.2008)

Liebe Oldenburgerinnen, liebe Oldenburger,

unsere Stadt wird langsam aber sicher – und Stück für Stück – immer internationaler. Wir sind zwar weiterhin fest im deutschen Nordwesten verwurzelt. Wir entdecken aber immer mehr, dass wir uns damit im Herzen Europas (und mit der Nordsee auch noch an einem Tor zur Welt) befinden.

Dieser Trend ist eigentlich gar nicht neu. Der Blick über den Tellerrand der eigenen Landesgrenzen hinaus war den Oldenburgern nie fremd – schließlich gehörten wir im Laufe unserer Geschichte neben Deutschland auch schon zu Dänemark, Frankreich und Russland. In letzter Zeit aber hat die Internationalität zunehmend an Bedeutung gewonnen und ist immer selbstverständlicher geworden. Und ich glaube, das tut unserer Stadt sehr gut.

Die Welt wird immer kleiner, heißt es in einem häufig bemühten Satz, der die Auswirkungen der Globalisierung beschreiben soll. Und es ist etwas Wahres dran. Die neuen Kommunikationstechniken, verbesserte Infrastrukturen und niedrigere Flugkosten sorgen dafür, dass man internationale Beziehungen leichter aufrechterhalten kann als jemals zuvor. Ich empfinde das als uneingeschränkt begrüßenswert. Was wir durch Kontakte ins Ausland lernen und erfahren, ist nämlich von unschätzbarem Wert – für uns selbst und für unsere Stadt. Einflüsse von außen beleben unseren Standort und bereichern ihn.

Das gilt auch dann, wenn diese Einflüsse nur temporär in Oldenburg vorhanden sind – so wie es vom 8. bis zum 11. Mai 2008 der Fall ist. Dann nämlich findet hier das 1. Internationale Freundschaftstreffen statt. Wir haben uns zwar schon oft und gern mit Gästen aus unseren Partnerstädten getroffen. Jetzt ist es aber das erste Mal, dass Vertreter aus allen Kommunen gleichzeitig anreisen, um gemeinsam mit uns Oldenburgerinnen und Oldenburgern ein großes internationales Fest zu feiern. Besucher aus insgesamt fünf Nationen werden hier sein – aus Dänemark, England, Frankreich, Israel und den Niederlanden. Vielleicht ist das nicht einzigartig. Etwas Besonderes ist es aber auf jeden Fall. Und deshalb freue ich mich sehr darüber.

Beim Freundschaftstreffen wird man die Möglichkeit haben, in ein „bunteres“ Oldenburg einzutauchen. Für einige Tage kann man ganz direkt erleben, wie es wäre, wenn unsere Stadt noch internationaler wäre – und wenn der Anteil an ausländischen Mitbürgern nicht nur bei 6 Prozent läge. Ich rechne fest damit, dass der Funke der Begeisterung auf viele Menschen überspringen wird, die sich bisher noch gar nicht als sonderlich „international“ begriffen haben. Wenn das Fest nur halb so gut wird, wie es das Programm verspricht – dann werden wir uns noch lange an dieses Highlight zurückerinnern.

Oldenburg befindet sich aber nicht nur mit dem Freundschaftstreffen und den Partnerschaften auf einem guten internationalen Weg. Auch unsere „semioffiziellen“ Kontakte ins Ausland – nach Kingston upon Thames in England, nach Baltimore County in den USA und nach Xi’an und Tianjin in China – werte ich als inspirierende Bereicherung für unsere Stadt. In Zukunft wird man diesen Weg der losen Beziehungen sicherlich noch ein wenig mehr beschreiten, da man nicht jede internationale Begegnung in eine offizielle Partnerschaft münden lassen kann. Die zusätzlichen Kontakte sind allerdings nur eine Alternative – kein Ersatz. Die etablierten Kontakte werden damit nicht in Frage gestellt. 

Dafür ist auch das Freundschaftstreffen ein starker Beleg. Es ist Ausdruck der langjährigen Verbindungen zu unseren offiziellen Partnern aus Cholet, Groningen, Machatschkala, Mateh Asher, Rügen und Taastrup. Das macht es zu etwas sehr wertvollem. Denn gerade wenn die Welt kleiner wird und die Uhren sich schneller drehen, gewinnen Werte wie Verlässlichkeit und Kontinuität an Bedeutung. Und deshalb sollten wir ihnen und unseren traditionellen Kommunalpartnerschaften Beachtung und Wertschätzung entgegenbringen. So wie wir es an diesem Pfingstwochenende tun.

Nicht zuletzt sollten wir das Treffen auch als eine Chance begreifen. Wie oft bewundern wir Deutschen im Ausland die große Gastfreundschaft und die Selbstverständlichkeit, mit der die Menschen dort auf Fremde zugehen und dadurch Freunde gewinnen? Wir haben die Chance, es ihnen gleichzutun und uns damit selbst zu beschenken. Vom 8. bis 11. Mai können wir unter Beweis stellen, wie weit wir in dieser Hinsicht schon sind – und ich bin sicher, dass viele Oldenburgerinnen und Oldenburger genau das tun werden. Seien Sie dabei – und lassen Sie sich begeistern von einem internationalen Oldenburg!

Ich wünsche Ihnen allen ein schönes Pfingstfest 2008!

Ihr Gerd Schwandner
Oberbürgermeister