Kolumne vom 9. Januar 2007

Liebe Oldenburgerinnen, liebe Oldenburger,

das neue Jahr hat ebenso erfreulich begonnen wie das alte geendet hat: Mit einer Vollzugsmeldung für ein wichtiges Bauvorhaben. Mitte Dezember konnten die Schlosshöfe auf den Weg gebracht werden – am Montag folgte IKEA. Nach mehrjährigen Planungs- und Entscheidungsphasen stehen die Ampeln nun also auf Grün. Zusammen genommen bedeuten diese beiden Ansiedlungen Investitionen in Höhe von ca. 130 Mio. EUR, rund 1.000 neue Arbeitsplätze und eine erhebliche wirtschaftliche Aufwertung der Stadt. Die Realisierung dieser Projekte ist für Oldenburg ein großer Schritt nach vorn – wohingegen eine Blockade zwei Schritte zurück bedeutet hätte. Mindestens.

Im Gegensatz zu den Schlosshöfen blieb die Ansiedlung von IKEA weitgehend ohne Widerspruch – worüber sich niemand wundert, der schon einmal dort war. IKEA ist zwar in erster Linie ein Möbelhaus – längst sind die Schweden darüber hinaus aber auch zu einem Standortfaktor geworden. Das Phänomen ist eigentlich nur schwer in Worte zu fassen. Irgendwo im Dreieck von Preis, Leistung und Einkaufsatmosphäre sind die Schweden einer Ideallösung sehr nahe gekommen. Faszinierend ist insbesondere, dass man selbst dann mit prall gefülltem Kofferraum nach Hause kommt, wenn man eigentlich nur bummeln wollte. Der rationale Möbelkauf ist also nur ein Standbein IKEAs – der Impulskauf aus der Laune heraus das andere (und mittlerweile kräftigere). Kein Wunder, dass ich als Marketingprofessor IKEA immer als Fallbeispiel in meinem Unterricht hatte. Auch hat bei mir als jahrzehntelangem IKEA-Kunden (mein erstes noch funktionsfähiges Billy-Regal stammt von 1977!) noch nie eine Schraube gefehlt.

Für Oldenburg bedeutet diese Ansiedlung zweierlei Positives: Erstens werden die Gelder, die bisher nach Bremen getragen wurden, ab November bei uns ausgegeben. Die Umsätze verbleiben in Oldenburg – und sorgen hier für Arbeitsplätze, Steuereinnahmen und möglicherweise Folgeinvestitionen. Zweitens wird IKEA viele Kundinnen und Kunden aus dem Umland anlocken. Oldenburg wird ein zentraler Anlaufpunkt für viele Tausend Menschen in Nordwestdeutschland sein. Dies sollten wir nicht nur wohlwollend registrieren, sondern als eine Chance begreifen. Es ist wesentlich leichter, Menschen nachhaltig für unsere Stadt zu begeistern, wenn sie bereits hier sind – und wenn man sie nicht erst noch anlocken muss. Die Bugwelle IKEAs muss auch die Innenstadt in eine Aufschwungbewegung versetzen. Dafür wollen wir die Voraussetzungen schaffen.

Die Crux bleibt vorerst die Verkehrssituation. Strömungsberechnungen belegen eine Machbarkeit mit den bereits geplanten – moderaten – Veränderungen. Das befreit uns aber nicht von vorsorglichen Gedankenspielen, was eine weiter reichende Lösung betrifft. Eines steht jedenfalls fest: Der Weg von IKEA zur City muss so leicht und so beschwerdefrei wie möglich sein. Dies zu gewährleisten wird eine wichtige Aufgabe sein – der wir uns aber stellen und die wir auch meistern werden.

Nach den Schlosshöfen ist mit IKEA eine zweite wichtige Weiche für die zukünftige Entwicklung Oldenburgs gestellt worden. Mit Blick auf diese Erfolge empfinde ich die Ausgangslage zu Beginn des neuen Jahres als sehr positiv. Ich hoffe, wir können den entsprechenden Schwung mitnehmen, um in den kommenden Monaten noch einige weitere Meilensteine zu erreichen.

Ihr Gerd Schwandner
Oberbürgermeister