Die Jahre 1900 – 1921

Stadtbild
Das Stadtbild Oldenburgs hatte sich in den Jahren um die Jahrhundertwende erheblich verändert. Zahlreiche Häuser waren neu gebaut worden und es entstanden Großbauten, wie sie früher in Oldenburg nicht üblich waren. So wurde 1902 ein neues Postamt im Neorenaissancestil am Stautorplatz erbaut und 1908 das heutige Gebäude der Oldenburger Volksbank in der Langen Straße. Das Dobbenviertel hatte sich mit seinen repräsentativen Bürgerhäusern zu einem der schönsten Stadtviertel Oldenburgs entwickelt. Zahlreiche Schulgebäude waren errichtet worden und die Altstadtstraßen entwickelten sich mehr und mehr zu Geschäftsstraßen mit Schaufenstern und modernisierter Straßenbeleuchtung.

Aufgrund der fehlenden Industrieansiedlungen in Oldenburg war das Stadtbild auch nicht durch Massenunterkünfte für Industriearbeiter geprägt wie in anderen Städten. „Mietskasernen“ gab es in Oldenburg ebenso wenig wie entsprechende Arbeiterviertel.

Die Wohnbebauung wuchs immer mehr an die Stadtgrenzen heran und die Trennlinien zu den Nachbargemeinden, so zum Beispiel Osternburg, verloren allmählich an Bedeutung.

 Kultur
Das kulturelle Leben in der Stadt war nicht unerheblich durch das Großherzogliche Theater geprägt. Der Neubau des Theaters war 1893 eingeweiht worden und zog eine große Zahl von Besuchern, auch aus dem Umland, an. Das Kulturangebot durch das Theater war in breiten Bevölkerungsschichten verankert, die Eintrittspreise waren niedrig und seit 1901 gab es verbilligte Volksvorstellungen. Das künstlerische Angebot reichte von Klassikern (vor allem wurden Shakespeare, Schiller und Goethe aufgeführt) bis zu leichterer Unterhaltung wie Komödien, Singspiele und Operetten. Auch die Oldenburger Museen fanden, angesichts der Verbreitung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse, im Bildungsbürgertum großen Zuspruch.

Um 1910 entstanden in Oldenburg drei Lichtspieltheater. Das erste Kino wurde 1908 in der Lange Straße 73 unter dem Namen „Residenztheater“ eröffnet. Die lokale Presse berichtete über einen regelmäßigen Massenansturm der Kinobesucher: „Nach neun Uhr ist jeder Platz vergriffen, im Gang stehen Mann an Mann.“ Ab 1910 folgte das „Apollo-Theater“ in der Heiligengeiststraße und ab 1914 flimmerte im Wall-Kino die Leinwand.

Im Jahre 1904 begann in Oldenburg mit der Gründung der ersten öffentlichen Lese- und Bücherhalle in der Georgstraße 36 (damals Nr. 28) die Geschichte der Stadtbibliothek. 2.016 Bücher, vor allem aus den Bereichen Belletristik, Geschichte, Biographien, Geographie und Reisen, außerdem mehr als sechzig Zeitungen und Zeitschriften lagen zur Lektüre oder zum Ausleihen bereit. Die 27 Leseplätze waren täglich von mehr als hundert Personen besetzt und die Entleihungen erreichten über 30.000 Bände pro Jahr.

Versorgung
Das Gesundheitswesen wurde in Oldenburg nach 1900 erheblich modernisiert. Die Stadt ließ 1900 ein Nahrungsmittel-Untersuchungsamt einrichten, schaffte 1902 einen motorisierten Krankenwagen an und 1908 wurde eine städtische Trinkerfürsorgestädte geschaffen. Auch stellte die Stadt ab 1908 Geld für die Abgabe von Milch an Volks- und Hilfsschulkinder zur Verfügung und richtete 1910 eine Auskunfts- und Fürsorgestelle für Lungenkranke ein.

1900 begannen die ersten Ausschachtungsarbeiten für ein Kanalisationsprojekt in städtischer Regie. 1907 wurde die Genehmigung zum Einleiten von Fäkalien erwirkt und bis 1914 besaßen mehr als 1.400 Oldenburger Haushalte Anschlüsse für Spülaborte. 1911 wurden auch im Rathaus acht Wasserspülklosetts eingebaut. Eng mit der Entsorgungsfrage von Abwässern verbunden war die Versorgung mit Wasser, die bis dahin durch Brunnen erfolgt war. Die Stadt übernahm ein Wasserwerk, das Ende des 19. Jahrhunderts von einer Gelsenkirchener Gesellschaft errichtet worden war und schon 1902 konnte allen Interessenten ein kostenloser Wasseranschluss angeboten werden. Die gesundheitlichen Auswirkungen der Kanalisation waren enorm. Schon 1903 war der Unterleibstyphus in der Stadt durch die neue Wasserversorgung praktisch ausgerottet. In dieser Zeit entstanden auch zwei andere städtische Anlagen, die die Lebensqualität der Oldenburger erheblich verbesserten: das Gas- und das Elektrizitätswerk.

Im Jahr 1912 begann in Oldenburg erstmals eine Art städtisches Arbeitsamt die Vermittlung von Arbeitslosen. Der „Arbeitsnachweis Oldenburg“ stand mit seinem Angebot Arbeitnehmern und Arbeitgebern unentgeltlich zur Verfügung. Die Einrichtung konnte schon nach wenigen Jahren auf eine erfolgreiche Arbeit zurückblicken.

Landesausstellung 1905
1905 erlebten die Oldenburger das größte Ereignis, das das Land Oldenburg je gesehen hat. In drei Monaten kamen über 630.000 Besucher zur Landesausstellung nach Oldenburg. Zum Vergleich: Die Stadt hatte damals 23.000 Einwohner. Die eigens dafür gedruckten Postkarten gingen um die ganze Welt. Organisiert wurde die Ausstellung auf dem Dobbengelände vom damaligen Syndikus der Handelskammer, Dr. Wilhelm Dursthoff, der für seine Leitung vom Großherzog den Ehrentitel „Professor“ bekam. Das Programm bestand aus einem professionellen Mix aus Fachvorträgen, Gewerbeschau und bunter Unterhaltung. Dazu gehörten ein Zirkus, Konzerte, Tennisturniere, Wasserspiele auf den Dobbenteichen und ein nachgebautes Somalidorf.

Weit über die Grenzen Oldenburgs hinaus fand die Architektur Beachtung, vor allem der von dem Architekten Peter Behrens errichtete Pavillon auf dem Ausstellungsgelände.

Der Erste Weltkrieg
Auch in Oldenburg löste die Nachricht über den Beginn des Krieges 1914 zunächst große Begeisterung aus. Oldenburg als bedeutender Truppenstandort wurde rasch in den Krieg integriert und zahlreiche weitere Soldaten in Oldenburg einquartiert. Die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und Heizmitteln verlief im Vergleich zu anderen Städten lange Zeit recht günstig. In städtischem Auftrage wurden ab 1914 große Mengen an Getreide eingekauft und 1916 der Magistrat vom Stadtrat ermächtigt, bis zu einhundert Milchkühe zur Sicherung der Milchversorgung anzuschaffen.

Ab 1916 allerdings wurde die Versorgung mit Lebensmitteln schwieriger und auch die Stadt Oldenburg hatte zunehmend Probleme, genügend Brennmittel zur Verfügung zu stellen. Im Februar 1917 wurde verordnet, Museen und Versammlungssäle zu schließen, das Benutzen von Gasöfen wurde verboten und ein früherer Ladenschluss durchgesetzt und dies sogar durch Beauftragte der Stadt kontrolliert. Der Krieg wurde ab 1916 immer deutlicher spürbar. Durch das „Gesetz über den vaterländischen Hilfsdienst“ wurden auch Schüler in kriegswichtigen Bereichen, wie Beaufsichtung von Gefangenen oder bei Planierungsarbeiten auf dem Flugplatz in Ahlhorn, eingesetzt. Die anfängliche Begeisterung für den Krieg war kaum noch zu spüren. Bei allem Leid jedoch verlief der Krieg in Oldenburg, verglichen mit anderen Regionen, relativ ruhig.

Ende der Monarchie
In den letzten Monaten des Ersten Weltkrieges beschloss der Deutsche Reichstag durch das Verfassungsändernde Gesetz vom 28. Oktober 1918 den Übergang zu einem parlamentarischen Regierungssystem. Er folgte damit einem innenpolitischen Druck einerseits und der Notwendigkeit, den Forderungen der Obersten Heeresleitung zu entsprechen und den Krieg vor dem völligen militärischen  Zusammenbruch zu beenden.

Im Zuge dieser Ereignisse forderte auch der Oldenburger Landtag eine völlige Parlamentarisierung, was Großherzog Friedrich August zunächst ablehnte. Durch die Revolution, die im November 1918 das ganze Deutsche Reich erfasste, kam ein förmliches Verfahren diesbezüglich nicht mehr zustande. Die Forderungen nach Rücktritt des Kaisers und auch des Großherzogs wurden lauter. Auch in Oldenburg kam es zu Unruhen. So zogen am 7. November 1918 Soldaten und einige Bürger durch die Innenstadt, entwaffneten die Hauptwache und befreiten politische Gefangene. Der Soldatenrat übernahm in Oldenburg faktisch die Macht. Vertreter der Stadtverwaltung und des Landtags traten dem Soldatenrat als Beiräte hinzu. Am 10. November wurde der Rücktritt des Kaisers in den Nachrichten gemeldet. Großherzog Friedrich August kam einer Entthronung von aufständischen Soldaten zuvor und verzichtete am 11. November auf den Thron. In Oldenburg wurde ein Landesdirektorium als Regierungsorgan beschlossen, dessen Vorsitz Bernhard Kuhnt führte. Damit war der Wandel vom Großherzogtum Oldenburg zum Freistaat Oldenburg vollzogen. Alles in allem verlief die Revolution von 1918 in Oldenburg wesentlich ruhiger als in anderen Städten.

Die Wahl zur verfassungsgebenden Nationalversammlung am 19. Januar 1919 brachte eine Mehrheit von SPD, DDP und Zentrum, die als „Weimarer Koalition“ bezeichnet wurde. Die gesetzgebende Oldenburgische Landesversammlung wurde am 23. Februar 1919 gewählt. Hier erreichte die Weimarer Koalition eine Vierfünftel-Mehrheit. Am 17. Juni 1919 wurde die neue Verfassung des Freistaates Oldenburg durch die Landesversammlung verabschiedet.  Am 21. Juni 1919 wurde die erste Regierung des Freistaats Oldenburg gewählt und Theodor Tantzen wird Ministerpräsident.

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