Wirtschaftstag Oldenburg - United Kingdom

Der Brexit findet schon statt

Der Brexit findet jetzt schon statt und wird uns noch viele Jahre beschäftigen. Durch die seit Jahren andauernden Verhandlungen besteht besonders in wirtschaftlicher Hinsicht eine große Verunsicherung, so dass Investitionen zurückgehalten werden. Dennoch wird Großbritannien auch nach einem Brexit ein wichtiger Markt für deutsche Unternehmen bleiben. Das ist die Erkenntnis der Referentinnen und Referenten beim Wirtschaftstag Oldenburg-United Kingdom am 12. November 2019. Mehr als 100 Gäste waren der Einladung der Wirtschaftsförderung der Stadt Oldenburg gefolgt und nahmen am Wirtschaftstag mit britischer Teatime im Oldenburger Schloss teil.

In der Studie der BertelsmannStiftung wurden die regionalen Auswirkungen nach einem Brexit untersucht. Insgesamt wird eine „Lose Lose-Situation“ prognostiziert, bei der das Vereinigte Königreich zwar am stärksten verliert, aber insgesamt alle Partner negativ betroffen sind. Auch in Weser-Ems werden Einkommensverluste eintreten, die von Dr. Christian Bluth allerdings als „noch verträglich“ bezeichnet werden. Im Einzelfall mag das anders aussehen, so dass ein Unternehmer aus dem Publikum den Städten die Empfehlung mit auf den Weg gab, mit betroffenen Unternehmen in Kontakt zu treten.

Wie bereiten sich Unternehmen auf den Brexit vor?

Für den Fotodienstleister cewe ist das Brexit-Thema sehr nah, vor allem das Fotobuch wird in ganz Europa verkauft. cewe unterhält zudem eine Produktionsstätte im südenglischen Warwick, wo bereits eine Reduzierung der Belegschaft notwendig wurde. Zwei Hauptprobleme stellt Dr. Christian Friege in den Vordergrund: Die Unsicherheit über die weitere politische Entwicklung sei Gift für Wirtschaftsunternehmen, da sie Investitionen verhindere. Außerdem erwartet er ohne zukünftige Zollunion eine Verlängerung der Lieferzeiten von derzeit einem Tag auf dann zwei bis drei Tage.

Unternehmen bereiten sich bereits auf den Brexit vor, weiß Nikolaus Schadeck von der British Chamber of Commerce in Germany. Sie arbeiten sich in die neuen Zollbestimmungen ein. Sie füllen ihre Lager mit Waren, die später vielleicht schwieriger zu erhalten sind. Aber sie haben auch Rückfall-Optionen auf Lager, um gegebenenfalls auf andere europäische Staaten ausweichen zu können. Headquarter internationaler und europäischer Firmen denken über einen Umzug aufs Festland nach.

Allerdings setzt auch eine gewisse Entspannung bei den Firmen ein. Nachdem sich Broetje-Automation bereits intensiv nach der ersten und zweiten Brexit-Ankündigung vorbereitet hatte, wie Lutz Neugebauer berichtete, wartet man jetzt ab. Sein Wunsch: Dass es endlich zu einer Entscheidung kommt, wie auch immer sie ausfallen wird. Dann finden Unternehmen einen passenden Weg damit umzugehen.

Nach Einschätzung von Teilnehmenden beim Wirtschaftstag wird der Brain Drain, der Wegzug von gut ausgebildeten Fachleuten, ein großes Problem für Großbritannien werden. Das könnte laut Klaas Brümann von der Firma FotoInsight auch ein Vorteil für Deutschland und die Region werden. Wenn hier gute Arbeitsbedingungen angeboten werden, lassen sich Fachkräfte zum Beispiel für hiesige Branchen wie Medizintechnik, Akustik oder Drucktechnik gewinnen.

Auch Graf Anton Günther schätzte die Kontakte nach England

Dass der Brexit aber nicht nur ein wirtschaftliches sondern sehr stark ein gesellschaftliches Thema ist, wurde beim Wirtschaftstag sehr deutlich. Er trennt das Land, denn während die Menschen über 65-Jahre weitgehend dafür sind, sprechen sich die Jüngeren vorwiegend für den Verbleib in der EU aus. Häufig geht die Spaltung auch quer durch Familien, wie die Moderatorin Irene Walsh aus eigener Erfahrung berichtete. Der Unternehmer Andrew Walmsley aus London lebt seit einigen Jahren in Oldenburg und ist ein erklärter Brexit-Gegner, denn aus seiner Sicht ist die EU das größte Friedensprojekt Europas, das von Großbritannien nicht leichtfertig aufgegeben werden sollte. Auch Graf Anton Günther wusste um diese Bedeutung und pflegte intensive diplomatische Beziehungen nach England, wie Prof. Dr. Gunilla Budde von der Uni Oldenburg berichtete.

Bildergalerie: Wirtschaftstag Oldenburg – United Kingdom

Vertragsgestaltung und Steuern nach dem Brexit

In einer Veranstaltung der IHK Emden am Dienstag, 19. November 2019, geben Expertinnen und Experten konkrete Informationen für die Geschäftsbeziehungen mit UK nach dem Brexit in den Bereichen:

  •     Vertragsgestaltung
  •     Warenverkehr
  •     Steuern
  •     Produktzulassungen/Haftung
  •     Gesellschaftsrecht
  •     Dienstleistungserbringung

Hier gelangen Sie zu weiteren Informationen rund um diese Veranstaltung »

Der Wirtschaftstag OL-UK im TV

Ein Beitrag zum Wirtschaftstag in Oldenburg wurde bei NDR1 Niedersachsen 18.00 » mit Kurzinterviews von Oberbürgermeister Jürgen Krogmann und Dr. Christian Friege von cewe gesendet.

Ein weiterer Beitrag wird bei oeins am Freitag, 15. November, ab 18.30 Uhr zu sehen sein.

Tipp: Großes Kulturprogramm United Kingdom

Der Wirtschaftstag ist eingebunden in die Begegnungen 2019 United Kingdom. Das Programm läuft noch bis Mittwoch, 20. November. Hier finden Sie das gesamte umfangreiche Programm »


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