Zwei Oldenburger Schulen nehmen ihre Speiseabfälle unter die Lupe – Verbundprojekt EAT unterstützt
Noch mehr Wertschätzung für Lebensmittel
06.11.2026
Oldenburg. In der Grundschule Kreyenbrück und im Herbartgymnasium Oldenburg ist der Startschuss für ein neues Projekt zur Reduzierung von Speiseabfällen gefallen. Gemeinsam mit dem Verbundprojekt „EAT – gemeinsam regional genießen“ und der Firma GreenGuides GmbH nehmen die Küchen der Schulmensen künftig ihre Lebensmittelabfälle genau unter die Lupe. Ziel ist es, Lebensmittelverschwendung systematisch zu erfassen, Einsparpotenziale zu erkennen und die Verpflegung langfristig noch nachhaltiger zu gestalten. Mit täglich mehr als 250 frisch zubereiteten Mahlzeiten für Schülerinnen und Schüler sorgen Pascal Pajonk von Frische Pause e.V. und Mohamad Hammoud von Hammoud Catering täglich dafür, dass ausgewogene Mahlzeiten auf den Tisch kommen. Dabei werden die Vorgaben des Rahmenkonzepts „Schulverpflegung in Oldenburg“ berücksichtigt. Viele Produkte werden bereits verbindlich in Bio-Qualität angeboten.
Lebensmittelverschwendung beginnt dort, wo niemand hinsieht
Lebensmittelverschwendung ist weltweit eine der größten vermeidbaren Belastungen für Klima und Ressourcen. Allein in Deutschland entstehen jährlich mehrere Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle. Neben privaten Haushalten spielt auch die Gemeinschaftsverpflegung – in Schulen, Krankenhäusern oder Senioreneinrichtungen – dabei eine wichtige Rolle. Jedes nicht verzehrte Lebensmittel erfordert zuvor den Einsatz von wertvollen Ressourcen wie Wasser, Energie, Anbauflächen und Arbeitskraft. Genau hier setzt das Projekt an: Denn, bevor Lebensmittelabfälle reduziert werden können, müssen sie zunächst genauer erfasst werden.
Speisereste werden erfasst und ausgewertet
Die eigentliche Messung übernimmt das bundesweit tätige Unternehmen GreenGuides. Das Team besteht aus Fachleuten mit gastronomischem Hintergrund. Einer von ihnen ist Philip Ibrom, selbst viele Jahre Küchenleiter gewesen und heute Berater für nachhaltige Gemeinschaftsverpflegung. Gemeinsam mit den Küchenteams werden sämtliche Lebensmittelverluste über einen Zeitraum von mindestens vier Wochen erfasst und anschließend ausgewertet. „Niemand verschwendet Lebensmittel mit Absicht. Deshalb arbeiten wir nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern gemeinsam mit den Küchenteams. Wer misst, versteht seine Abläufe besser – und entdeckt oft überraschend einfache Möglichkeiten, Lebensmittel einzusparen“, erklärt Philip Ibrom von GreenGuides.
Engagement, das Zeit kostet – und sich auszahlt
Eine Speiseabfallmessung bedeutet zunächst zusätzlichen Aufwand. Rund zehn Minuten täglich investieren die Mitarbeitenden der Küche in die Messung und Dokumentation. Dass sich eine Großküche freiwillig auf diesen Prozess einlässt, ist daher keineswegs selbstverständlich. Für Mohamad Hammoud überwiegen die Vorteile: „Für uns ist die Teilnahme interessant, weil wir unsere Abläufe besser an dem Bedarf der Schülerinnen und Schüler anpassen können. Kein Lebensmittel soll verschwendet werden. Das spart Ressourcen und eröffnet gleichzeitig neue Möglichkeiten, die Qualität unserer Verpflegung weiter zu steigern.“ Weniger Lebensmittelabfälle bedeuten schließlich nicht nur einen Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutz. Auch wirtschaftlich entstehen Vorteile: Sinkt der Wareneinsatz, können freiwerdende Mittel beispielsweise in hochwertigere oder regionale Lebensmittel investiert werden. Auch Maßnahmen für mehr Transparenz in der Warenbeschaffung, zum Beispiel die Bio-Zertifizierung, können über diesen Weg realisiert werden.
EAT bringt die richtigen Partner zusammen
Initiiert wurde die Zusammenarbeit durch das Verbundprojekt „EAT – gemeinsam regional genießen“, das Küchen in den Regionen Oldenburg und Wesermarsch auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Gemeinschaftsverpflegung begleitet. Seit einigen Monaten steht Küchenberaterin Tina Hinderlich mit den Küchen der Schulverpflegung in Kontakt. Die Speiseabfallmessung ist dabei ein weiterer Baustein der Zusammenarbeit. „Dass Küchen bereit sind, Zeit und Engagement in eine solche Messung zu investieren, verdient große Anerkennung. Genau diese Offenheit ermöglicht echte Veränderungen“, sagt Tina Hinderlich. Neben den Schulen beteiligen sich die JVA Oldenburg und weitere Großküchen aus der Region an dem Projekt.
Über das Projekt EAT
Das Verbundprojekt „EAT – gemeinsam regional genießen“ setzt sich in den Regionen Oldenburg und Wesermarsch für eine nachhaltige, gesunde und regionale Ernährung ein. Als Teil des „Modellregionenwettbewerbs – Besser essen in der Region“ wird EAT vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) gefördert. Gemeinsam mit Küchen, Erzeugerbetrieben, Bildungseinrichtungen und weiteren Partnern arbeitet das Projekt daran, regionale Wertschöpfungsketten zu stärken und mehr regionale Lebensmittel in die Außer-Haus-Verpflegung zu bringen. Umgesetzt wird EAT von den Landkreisen Wesermarsch und Oldenburg, der Stadt Oldenburg, der Regionalwert AG Bremen & Weser-Ems sowie dem Ernährungsrat Oldenburg.
Weitere Informationen unter www.eat-ow.de.

Zuletzt geändert am 6. November 2026
Zuletzt geändert am 1. September 2026