Nachfahre einer Oldenburger Familie regelmäßig im Austausch mit jungen Menschen – Teilnahme am Erinnerungsgang
Anlässlich des Erinnerungsgangs ist im Jahr 2026 wieder ein besonderer Gast nach Oldenburg gereist: Gerry Hahlo, ein in London lebende Nachfahre der zur Zeit des Nationalsozialismus in Oldenburg ansässigen Familie Hahlo, ist noch bis Donnerstag, 12. November 2026, in unserer Stadt, um außerdem mehrere Schulen zu besuchen, von seiner Familiengeschichte zu erzählen und mit den jungen Menschen ins Gespräch zu kommen. Die Volkshochschule lädt darüber hinaus zu einem englischsprachigen Vortrag mit Hahlo ein: Dort ist er am Donnerstag, 5. November 2026, um 18.30 Uhr zu Gast (bei Bedarf mit Übersetzung).
Wie Paula von Sydow, Leiterin des Kulturbüros, betont, ist Gerry Hahlo ein gern gesehener Gast in Oldenburg, seit er zu Recherchen über das Schicksal seiner jüdischen Familie in den Oldenburger Archiven sowie im Stadtmuseum arbeitete und dann im Frühjahr 2022 für die Präsentation seines Buches „The Boy on the Train“ erneut hier war. „Inzwischen nimmt Gerry Hahlo jedes Jahr am Erinnerungsgang teil, verknüpft seine Besuche mit vielen Kontakten zu Schülerinnen und Schülern und hält die Erinnerung an die Verfolgung jüdischer Familien damit lebendig. Es ist uns eine Ehre, ihn regelmäßig willkommen zu heißen.“
Zur Familiengeschichte Gerry Hahlos
Hahlos Buch „The Boy on the Train“ beruht auf Berichten und Erinnerungen, die er anhand von Aufzeichnungen seines Großvaters Georg Hahlo, durch Erzählungen seines Vaters Dieter und durch eigene Recherchen zusammengetragen hat. Demnach zog Gerrys Ururgroßvater Siegfred Hahlo im Jahr 1841 nach Oldenburg und eröffnete ein Geschäft in der Langen Straße 36, zog 1870 um in die Lange Straße 60 – heute befindet sich dort das Modehaus Bruns. 1892 übernahm sein Sohn Wilhelm das Geschäft, das er aufgrund fehlender Nachfolger verkaufte. Der gute Verkaufserlös ermöglichte den Kauf eines Familiensitzes in der Taubenstraße und den frühen Ruhestand für Wilhelm Hahlo. Sohn Georg, der zwischenzeitlich in Hannover gelebt hatte, zog 1938 mit Familie dazu. Mit ihm sein Sohn Dieter, Vater von Gerry Hahlo.
Im selben Jahr brannte in Oldenburg in der Nacht vom 9. auf den 10. November die Synagoge und Georgs Bruder Leopold war einer der 43 Männer, die von den Nazis öffentlichkeitswirksam durch die Straßen Oldenburgs zum Gefängnis geführt wurden – auf dieser Route beruht heute der jährlich stattfindende Erinnerungsgang in Gedenken an die damaligen Geschehnisse. Um seine Familie zu schützen, schickte Georg seine Frau und Kinder nach England, er selbst emigrierte nach Bolivien, weil ihm das Visum für England versagt wurde.
Neben der Familiengeschichte der Hahlos beschreibt das Buch eindringlich die Anfänge der nationalsozialistischen Herrschaft in Oldenburg. Besonders die Schilderungen der Folgen der Pogromnacht mit der zerstörten Synagoge und den eingeschlagenen Schaufenstern von Geschäften sind erschütternd, Gerry hatte sie aus den Aufzeichnungen seines Großvaters Georg übernommen.
Regelmäßige Besuche dank guter Kontakte und großem Interesse
Dank des Engagements des Oldenburger Stadtführers Bernd H. Munderloh, den guten Erfahrungen in Oldenburg und den aufgeschlossenen und wissbegierigen jungen Menschen in den Oldenburger Schulen kommt Gerry Hahlo nun öfter in unsere Stadt, um zu erzählen und sich mit seinen Zuhörerinnen und Zuhörern über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auszutauschen.
Austausch mit vielen Schulen und besonderer Verbindung
Im Jahr 2026 werden seine Frau Anne, seine Tochter Faye und die Familie seines Bruders Michael mit ihm anreisen und gemeinsam mit den Oldenburgerinnen und Oldenburgern am Erinnerungsgang teilnehmen. Zum Austausch besucht er in den Tagen seines Aufenthaltes die IGS Helene-Lange-Schule, die Liebfrauenschule, das Herbartgymnasium, das Gymnasium Bad Zwischenahn-Edewecht sowie das Alte Gymnasium (AGO). Der Besuch am AGO wird ein besonderer sein, denn diese Schule organisiert im Jahr 2026 nicht nur den Erinnerungsgang, sonders sie ist auch eben jene, an der sein Großvater 1914 sein Abitur machte.
Zuletzt geändert am 3. November 2026
