Menschen aus großer Höhe oder Tiefe zu retten, gehört zu den anspruchsvollsten Aufgaben einer Feuerwehr. Seit 25 Jahren übernimmt diese Aufgabe die Höhenrettung der Berufsfeuerwehr Oldenburg. Am 26. Oktober 2001 wurde die Einheit „Spezielle Rettung aus Höhen und Tiefen“ (SRHT) gegründet. Seitdem ist sie ein fester Bestandteil der Oldenburger Gefahrenabwehr.
Stand Oktober 2026 gehören 22 aktive Höhenretterinnen und Höhenretter zur Einheit. Acht von ihnen sind zusätzlich als Ausbilderinnen und Ausbilder beziehungsweise Einsatzleiterinnen und Einsatzleiter tätig. Die Ausbildung und die Einsätze übernehmen sie zusätzlich zu ihren regulären Aufgaben bei der Berufsfeuerwehr.
„Unsere Höhenrettung ist eine sehr leistungsstarke und spezialisierte Einheit. Die Einsatzkräfte müssen technisch sicher arbeiten, körperlich belastbar sein und auch in außergewöhnlichen Situationen ruhig und konzentriert handeln. Eine solche Einheit lebt von Menschen, die bereit sind, sich zusätzlich zu ihren regulären Aufgaben intensiv zu qualifizieren und regelmäßig zu trainieren. Dass wir in Oldenburg seit 25 Jahren auf eine so erfahrene und leistungsstarke Höhenrettung zurückgreifen können, ist etwas Besonderes“, sagt Jens Spekker, Leiter der Berufsfeuerwehr Oldenburg.
Besondere Ausbildung für die spezielle Rettung aus Höhen und Tiefen
Die besonders geschulten Kräfte der Berufsfeuerwehr können mit zusätzlicher Ausrüstung Menschen aus Höhen und Tiefen retten. Die spezielle Rettung aus Höhen und Tiefen kommt immer dann zum Einsatz, wenn Menschen mit herkömmlichen Rettungsmitteln nicht oder nur unter erheblichem Risiko erreicht werden können.
Einsatzmöglichkeiten gibt es beispielsweise an Kränen, Funkmasten, Industrieanlagen und hochgelegenen Fahrgeschäften. Auch Rettungen aus Tiefen gehören zum Aufgabenbereich der Einheit, etwa aus dem Laderaum eines Frachtschiffes oder aus anderen schwer zugänglichen Bereichen.
Für diese besonderen Einsatzlagen verfügen die Höhenretterinnen und Höhenretter über eine spezielle Ausbildung und Ausrüstung. Sie können sich unter anderem gesichert an Seilen in Höhen und Tiefen bewegen und Personen mithilfe von Rettungsgurten und Schleifkorbtragen unter besonderen räumlichen und technischen Bedingungen retten.
Die Ausbildung zur Höhenretterin oder zum Höhenretter ist freiwillig und setzt eine besondere gesundheitliche Eignung voraus. Die Grundausbildung umfasst mindestens 80 Stunden. Anschließend müssen jährlich 72 Stunden Fortbildung und Übung absolviert werden, um die erforderliche Einsatzfähigkeit zu erhalten.
Auch die gesundheitliche Eignung wird regelmäßig überprüft. Bis zum Alter von 50 Jahren sind arbeitsmedizinische Untersuchungen alle drei Jahre erforderlich, ab dem 50. Lebensjahr jährlich. Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit ist das regelmäßige Training. Dafür werden auch besondere Orte und Situationen genutzt, die im normalen Ausbildungsbetrieb nicht zur Verfügung stehen. So trainiert die Oldenburger Höhenrettung regelmäßig an besonderen technischen Anlagen und Aufbauten, wie Windenergieanlagen oder Fahrgeschäften in Freizeitparks.
Wenn Menschen in großer Höhe Hilfe brauchen
Zu den besonderen Einsätzen der vergangenen 25 Jahre gehörte unter anderem ein Einsatz im August 2016 am Funkturm in Peheim. Vier Jugendliche waren auf den rund 220 Meter hohen Funkturm geklettert. Die Oldenburger Höhenrettung unterstützte damals die Polizei bei der Überprüfung, ob sich die Jugendlichen noch auf dem Turm befanden.
Bereits im April 2014 war die Einheit bei einem Einsatz in Dörverden beteiligt. Dort befanden sich Jugendliche in rund 200 Metern Höhe und konnten den Bereich nicht selbstständig verlassen.
Darüber hinaus war die Höhenrettung mehrfach nach Unwetterereignissen im Einsatz. Dazu kamen Einsätze und Einsatzlagen, bei denen die Spezialistinnen und Spezialisten ihre Fachkenntnisse beratend einbrachten.
Nicht jeder Einsatz der Höhenrettung endet dabei mit einer aufwendigen Rettung. Auch die fachliche Einschätzung vor Ort kann entscheidend sein, wenn Einsatzleitungen beurteilen müssen, welches Vorgehen unter den jeweiligen Bedingungen sicher und sinnvoll ist.
Seit 25 Jahren in Oldenburg
Seit der Gründung am 26. Oktober 2001 wurden bei der Berufsfeuerwehr Oldenburg mehr als 50 Höhenretterinnen und Höhenretter ausgebildet. Peter Zänker war einer der Ideengeber zur Einführung der Spezialeinheit bei der Berufsfeuerwehr Oldenburg und leitete die SRHT von der Gründung bis 2011. Bis zur Pensionierung blieb er aktives Mitglied und wertvoller Ratgeber für die Höhenrettung. Seit 2011 leitet Jens Kühling die Einheit.
Neben seiner Tätigkeit bei der Berufsfeuerwehr Oldenburg engagiert sich Jens Kühling auch über die Stadtgrenzen hinaus für die Weiterentwicklung der Höhenrettung. Er ist Mitglied im Fachgremium Höhenrettung der Arbeitsgemeinschaft der Leiterinnen und Leiter der Berufsfeuerwehren in Deutschland im Arbeitskreis Ausbildung. Seit Februar 2021 ist er Sprecher und Vorsitzender dieses Fachgremiums. In dem Gremium ist jeweils eine Berufsfeuerwehr aus jedem Bundesland vertreten.
„25 Jahre Höhenrettung sind für mich vor allem ein Anlass, auf die vielen Kolleginnen und Kollegen zurückzublicken, die diese Einheit aufgebaut und weiterentwickelt haben. Wir haben eine erfahrene und leistungsstarke Mannschaft. Darauf können wir stolz sein“, sagt Jens Kühling.
Für die Berufsfeuerwehr Oldenburg bleibt die Höhenrettung auch nach 25 Jahren ein wichtiger Bestandteil der Einsatzbereitschaft. Die regelmäßige Ausbildung und die Zusammenarbeit mit anderen spezialisierten Einheiten sorgen dafür, dass die Einsatzkräfte auch auf seltene und anspruchsvolle Einsatzlagen vorbereitet sind.
Teil eines bundesweiten Netzwerks
Die Oldenburger Höhenrettung arbeitet mit anderen Höhenrettungsgruppen zusammen und nutzt den regelmäßigen Austausch für Ausbildung und Weiterentwicklung. In Deutschland gibt es bei den Berufsfeuerwehren rund 60 gemeldete Höhenrettungsgruppen. Hinzu kommen ehrenamtliche Einheiten, unter anderem von Feuerwehren, der Bergwacht und der Bergrettung.
Auch in der Region gibt es weitere spezialisierte Einheiten. Dazu gehören die Höhenrettungen der Berufsfeuerwehren in Bremerhaven, Cuxhaven, Hannover, Osnabrück und Emden sowie ehrenamtliche Einheiten im Schaumburger Land und im Landkreis Emsland.
Die Oldenburger Einheit beteiligt sich unter anderem an der jährlichen Nikolausaktion der Höhenrettungsgruppen in Deutschland. Im Jahr 2025 nahmen daran rund 60 Gruppen teil.
Auch die Ausbildung der eigenen Einsatzkräfte wird kontinuierlich weitergeführt. Ein neuer Grundlehrgang für die spezielle Rettung aus Höhen und Tiefen ist geplant. Zudem werden neue Rollwagen für den Transport der umfangreichen Ausrüstung beschafft.
Zuletzt geändert am 26. Oktober 2026




