Wenn Menschen in großer Höhe gerettet werden müssen, reichen die üblichen Rettungsmittel häufig nicht aus. Dann kommt die Höhenrettung zum Einsatz. Die Berufsfeuerwehr Oldenburg nutzt den Aufbau des Kramermarktes am Donnerstag, 1. Oktober 2026, um unter realistischen Bedingungen zu trainieren. Das Szenario: Ein Mitarbeitender hat einen Arbeitsunfall auf der Plattform bei der Mittelnabe des Riesenrades in ungefähr 30 Meter Höhe und muss sicher nach unten befördert werden.
„Wir üben nicht, weil wir davon ausgehen, dass etwas passiert. Wir üben, damit wir vorbereitet sind, wenn es passiert. Die Aufbauphase eines Fahrgeschäftes bietet uns dafür eine gute Gelegenheit, weil wir hier unter realistischen Bedingungen trainieren können, ohne dass ein Einsatz dahintersteht“, sagt Jens Kühling, Leiter der Höhenrettung der Berufsfeuerwehr Oldenburg. Die besonders geschulten Kräfte der Berufsfeuerwehr können mit zusätzlicher Ausrüstung Personen aus Höhen und Tiefen retten.
Fahrgeschäfte als Übungsobjekte
Der Aufbau eines Fahrgeschäftes bietet den Höhenretterinnen und Höhenrettern die Möglichkeit, sich mit den örtlichen Gegebenheiten und den technischen Besonderheiten vertraut zu machen. Geübt werden unter anderem Zugänge, Anschlagpunkte und unterschiedliche Möglichkeiten, eine Person sicher aus der Höhe zu retten.
Die Übung sagt dabei nichts über die Sicherheit des Fahrgeschäftes aus. Für den Betrieb und die Nutzung von Fahrgeschäften gelten in Deutschland umfangreiche gesetzliche Vorgaben. Hinzu kommen regelmäßige Prüfungen und Abnahmen. „Die Fahrgeschäfte in Deutschland unterliegen hohen Sicherheitsstandards. Wir nutzen die Möglichkeit vor allem für unsere eigene Ausbildung. Andere Höhenrettungsgruppen trainieren ebenfalls regelmäßig an vergleichbaren Fahrgeschäften und Veranstaltungen“, erklärt Jens Kühling. Die Höhenrettung der Feuerwehr Oldenburg war bereits vor kurzem im Heide Park Resort Soltau, um dort mit den Höhenrettungsteams der Feuerwehren Hannover und Hamburg am über 100 Meter hohen Fallturm zu üben. Dort wurde die Rettung von Menschen nach Stillstand des Fahrgeschäfts simuliert.
Auch Jens Spekker, Leiter der Berufsfeuerwehr Oldenburg, hält solche Übungen wichtig für die Einsatzvorbereitung: „Wir müssen uns auch auf Einsatzlagen vorbereiten, die glücklicherweise selten vorkommen. Wenn wir die Möglichkeit haben, unter realistischen Bedingungen zu trainieren, sollten wir sie nutzen. Eine Übung ist immer besser als ein Einsatz.“
Bisher kein Höhenrettungseinsatz auf dem Kramermarkt
Zu einem Einsatz der Oldenburger Höhenrettung auf dem Kramermarkt kam es bislang glücklicherweise nicht. Dass Menschen aus großer Höhe gerettet werden müssen, ist allerdings keine rein theoretische Einsatzlage. Vergleichbare Ereignisse hat es bereits bei großen Volksfesten gegeben.
In Oldenburg kommt die Höhenrettung seltener zu speziellen Höhen- und Tiefenrettungen zum Einsatz als an manchen anderen Standorten. Dort werden die Spezialkräfte teilweise mehrmals in der Woche alarmiert. Umso wichtiger ist es für die Oldenburger Höhenretterinnen und Höhenretter, ihre Fähigkeiten regelmäßig zu trainieren.
Besondere Ausbildung für die spezielle Rettung aus Höhen und Tiefen
Die Höhenrettung wird eingesetzt, wenn Menschen aus Bereichen gerettet werden müssen, die mit herkömmlichen Rettungsmitteln nicht oder nur unter erheblichem Risiko erreicht werden können. Dazu gehören beispielsweise Kräne, Funkmasten, Industrieanlagen und hochgelegene Fahrgeschäfte, aber auch die Rettung aus Tiefen, beispielsweise aus dem Laderaum eines Frachtschiffes, werden abgedeckt.
Die Berufsfeuerwehr Oldenburg hat aktuell 22 aktive Höhenretterinnen und Höhenretter. Acht von ihnen sind zusätzlich als Ausbilderinnen und Ausbilder beziehungsweise Einsatzleiterinnen und Einsatzleiter tätig. In den kommenden Monaten soll diese Zahl weiter steigen.
Die Ausbildung zur Höhenretterin oder zum Höhenretter ist freiwillig. Voraussetzung ist eine besondere gesundheitliche Eignung, die regelmäßig betriebsärztlich überprüft wird. Bis zum Alter von 50 Jahren findet die Untersuchung alle drei Jahre statt, ab dem 50. Lebensjahr jährlich.
Die Grundausbildung umfasst mindestens 80 Stunden. Danach müssen jährlich 72 Stunden Fortbildung und Übung absolviert werden, um die erforderliche Einsatzfähigkeit zu erhalten.
Höhenrettung in der Region und bundesweit
Bei den Berufsfeuerwehren gibt es in Deutschland rund 60 gemeldete Höhenrettungsgruppen. Hinzu kommen ehrenamtliche Einheiten, unter anderem von Feuerwehren, der Bergwacht und der Bergrettung. Die nächstgelegenen hauptamtlichen Höhenrettungsgruppen befinden sich in Bremerhaven, Cuxhaven, Hannover, Osnabrück und Emden. Darüber hinaus gibt es ehrenamtliche Einheiten im Schaumburger Land und im Landkreis Emsland.
Der Austausch zwischen den Höhenrettungsgruppen ist ebenfalls Teil der Ausbildung. Seit mehreren Jahren nimmt das Oldenburger Team am nationalen Leistungswettbewerb und an Fortbildungen im gesamten Bundesgebiet teil. Zusätzlich engagieren sie sich bei der jährlichen Nikolausaktion, bei der sich die Teams als „Helden der Kindheit“ an Krankenhäusern abseilen und teilweise Geschenke für die Kinder mitbringen. An diesem Tag stehen „lachende“ Kinderaugen im Vordergrund. Im letzten Jahr haben mehr als 60 Gruppen an der Aktion mitgemacht.
Seit 2001 in Oldenburg
Die Höhenrettung der Berufsfeuerwehr Oldenburg wurde am 26. Januar 2001 gegründet. Seitdem wurden in Oldenburg mehr als 50 Höhenretterinnen und Höhenretter für die spezielle Rettung aus Höhen und Tiefen ausgebildet. Die Leitung der Einheit hat seit mehr als 15 Jahren Jens Kühling. Er ist außerdem Mitglied im Fachgremium Höhenrettung der Arbeitsgemeinschaft der Leiterinnen und Leiter der Berufsfeuerwehren in Deutschland im Arbeitskreis Ausbildung. Seit Februar 2021 ist Jens Kühling Sprecher und Vorsitzender dieses Fachgremiums. In dem Gremium ist aus jedem Bundesland jeweils eine Vertretung einer Berufsfeuerwehr beteiligt.
Auch die Ausbildung und Ausstattung der Oldenburger Höhenrettung werden weiterentwickelt. Ein neuer Grundlehrgang für die spezielle Rettung aus Höhen und Tiefen ist geplant. Außerdem werden neue Rollwagen für die Aufnahme und den Transport der umfangreichen Höhenrettungsausrüstung beschafft.
Zuletzt geändert am 1. Oktober 2026
