In der Artothek Oldenburg wird von Donnerstag, 29. Oktober, bis Samstag, 28. November 2026, die Ausstellung mit den neuen Druckgrafiken der Griffelkunst-Vereinigung präsentiert, zu der alle Kunstinteressierten herzlich eingeladen sind. In Deutschland gehören 4500 Mitglieder der Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V. an, darunter befinden sich auch zahlreiche Grafikbegeisterte aus der Stadt Oldenburg. Jedes Jahr wählt eine hochkarätig besetzte Jury zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler aus, Druckgrafiken für die Griffelkunst-Vereinigung zu gestalten. Diese erscheinen im Frühjahr und im Herbst und werden an 90 Ausstellungsorten in ganz Deutschland wie der Artothek Oldenburg präsentiert.
„In der Herbstausstellung werden Positionen der Druckkunst von zehn Künstlerinnen und Künstler aus der internationalen Grafikszene in der Artothek Oldenburg vorgestellt. Dabei treffen vielfältige Themen und experimentelle Drucktechniken aufeinander, die spannende Einblicke in das aktuelle Kunstschaffen geben“, sagt Artotheksleiterin Dr. Sabine Isensee.
Die Druckgrafiken

In der Ausstellung sind insgesamt 49 Druckgrafiken von zehn Künstlerinnen und Künstlern zu erleben, die sich mit der technischen Bandbreite von Holzschnitt, Lithografie, Siebdruck bis hin zu Offset-Drucken, C-Prints und Stickerei befassen.
Der in Kolumbien geborene Fotograf Felipe Romero Beltrán hat am mexikanischen Grenzfluss Rio Bravo Menschen proträtiert, die dort einer ungewissen Zukunft entgegensehen. Hans Hansen, der zu den bedeutendsten Fotografen der Nachkriegszeit zählt und mit seinen ikonischen Produktfotografien das kollektive Bildgedächtnis ganzer Generationen in Deutschland prägte, hat für seine Edition den Blick auf Blattformen aus der Natur gerichtet, die er ganz puristisch wiedergibt.
Gleich vier Künstlerinnen haben die Technik der Farblithografie gewählt, um ihre malerischen Kompositionen in die Druckgrafik zu übersetzen. Die Berliner Künstlerin Aneta Kajzer, die 2022 mit dem Kallmann-Preis ausgezeichnet wurde, lässt aus gestischen Pinselstrichen und Farbverläufen Figuren entstehen, die sich assoziativ formieren und wieder auflösen. Die österreichische Künstlerin Ulrike Müller hat gerade eine Professur für Kunst an der Akademie der Bildenden Künste Wien erhalten und war mit ihren Werken bereits auf der Biennale Venedig und im Museum of Modern Art in New York vertreten. In ihren Lithografien „Moving Parts“ nutzt sie Farben und Formen, um neue Konzepte von Identität und Körperlichkeit zu gestalten. In den Lithografien der in Frankfurt lebenden Malerin Anna Nero treffen abstrakte, runde Formen aufeinander, die miteinander agieren und dann einen subtilen Bildwitz entfalten. Die in Berlin lebende Künstlerin Kaj Osteroth malt figurative Alltagszenen, in denen soziale Beziehungen und Spannungen aufgezeigt werden.
Der New Yorker Künstler Wade Guyton wurde mit seinen in Tintenstrahl gedruckten Bildern mit ikonischen Motiven wie Flammen, den Buchstaben „X“ und „U“ oder der Website der New York Times weltbekannt. Für seine Edition hat Guyton sechs Motive aus dem Buch „Albrecht Dürer als Maler“ gewählt, die er mit bewusst eingesetzten Übertragungsfehlern des digitalen Druckverfahrens zu verblüffenden Ergebnissen führt. Die Hamburger Künstlerin Miriam Zadil nimmt einen Text aus der persischen Mythologie des 12. Jahrhunderts zum Ausgangspunkt ihrer Stickbilder auf Nessel, die bunt und poetisch eine ganz zeitgemäße Sprache entfalten. Henrik Eiben ist ein Zeichner, Maler und Bildhauer, dessen Werke sich an der Schnittstelle von abstrakter Malerei, Zeichnung, Minimal Art und raumgreifenden Objekten bewegen. Er hat zwei Holzschnitte mit lichten Farbräumen geschaffen, die ein experimentelles Spiel aus Balance und Spannung erzeugen. Und Johannes Wohnseifer schließlich, Professor für Malerei und Skulptur an der Kunsthochschule für Medien Köln, zitiert in seinen Grafiken Szenen aus der Film- und Zeitgeschichte der 1960er-Jahre.
Ausstellung und Ausgabe der Grafiken

Die Ausstellung kann von Donnerstag, 29. Oktober, bis Samstag, 28. November 2026, montags und donnerstags von 15 bis 19 Uhr in der Artothek Oldenburg, Peterstraße 1, besucht werden. Der Eintritt ist frei.
Die Wahl und Ausgabe der Grafiken wird ehrenamtlich von Geraldine Dudek betreut und erfolgt am Samstag, 28. November von 13 bis 16 Uhr.
Der Griffelkunst-Verein
Der unabhängige Griffelkunst-Verein wurde im Jahr 1925 von dem Volksschullehrer Johannes Böse (1879 bis 1955) in Hamburg gegründet, um „das Verständnis für und die Liebe zur Bildenden Kunst in unserer Gesellschaft zu entdecken, zu entwickeln und zu verbreiten“. In den letzten hundert Jahren wurden Werke von über 1.000 Künstlerinnen und Künstlern – darunter so berühmte Namen wie Max Pechstein, Oskar Kokoschka, Max Klinger, Dieter Roth, Gerhard Richter, Sigmar Polke, Man Ray, Hanne Darboven, Thomas Schütte, Horst Janssen, Stephan Balkenhol, Nan Goldin, Kiki Smith, Jonathan Meese, Jenny Holzer, Stefan Marx oder Katharina Sieverding ermöglicht. Für den Kunstvereins-Beitrag können die Mitglieder vier Original-Grafiken pro Jahr auswählen.
Zuletzt geändert am 20. Oktober 2026
