Editorial

Zurück im Wilhelm13

Am 6. März 2020 haben wir im Musik- und Literaturhaus Wilhelm13 eine Ausgabe des Poetry-Slam-Formats Fremde Federn präsentiert. Welchen Stellenwert sie bekommen sollte, war damals noch nicht abzusehen. Jetzt ist sie für alle Zeiten als unsere letzte Veranstaltung vor dem ersten Corona-Lockdown markiert. Für Monate waren Kulturveranstaltungen danach verboten; später unter strengen Auflagen und mit Hygienekonzepten möglich, die vor allem mit ganz viel Abstand zu tun hatten; dann wieder verboten, um schließlich, im Sommer 2021, wieder möglich zu werden. In den Distanz-Monaten sind wir mit unserem Programm ins Kulturzentrum PFL ausgewichen. Dort ist reichlich Fläche für große Abstände vorhanden. Sie haben im PFL als Publikum auf Doppelstühlen Platz genommen, die wie einsame Inseln im großen Raum verteilt waren. Haben Masken getragen, Hände desinfiziert, Impfnachweise vorgelegt und uns zu jeder Veranstaltung für den Ernstfall Ihre persönlichen Kontaktdaten überlassen. Sie haben beim Anstehen an der Abendkasse Abstände eingehalten; verschiedene Türen als Ein- und Ausgang genutzt. Wenn Sie am Veranstaltungstag erkältet waren, haben Sie auf den Besuch verzichtet und Ihre reservierten Karten wieder freigegeben. Als wir unser Programm im Juni 2021 nach langer Pause wieder aufnehmen konnten, waren Sie sofort zurück. Sind geblieben, als im großen Saal im PFL aus den einsamen Stuhlinseln wieder eine Reihenbestuhlung wurde. Als wir die Abstände dann nach und nach doch verringert haben. Als die Maskenpflicht fiel. Als wir es vor kurzem, im Juni 2022, endlich wagten, zurück in unsere Spielstätte zu gehen.

Dort, im Wilhelm13, nehmen wir unser Programm Ende August nach der Sommerpause wieder auf. Mit Judith Kuckart und Michael Kumpfmüller sind Gäste im Programm, die wir schon lange kennen. Auch jüngere literarische Stimmen wie die von Martin Kordić werden vorgestellt. Noch jünger sind die Schriftstellerinnen Helene Bukowski und Miku Sophie Kühmel. Eine literarische Veröffentlichung des Oldenburgers Bernd Eilert nehmen wir zum Anlass für einen Oldenburg-Abend mit ihm, Detlef Roßmann und Klaus Modick. Das Duo Eilert und Modick hat beim Literarischen Advent Jochen Schimmang zu Gast, und so gibt es gleich noch einen Oldenburg-Abend auf hohem Niveau. Auch die Lesebühne Metrophobia geht nach langer Pause endlich wieder an den Start.
Bei aller ausgehaltenen Distanz, bei allen Widrigkeiten, die wir in den zurückliegenden Monaten gemeinsam mit Ihnen durchgestanden haben, ist mein Eindruck, dass sie uns letztlich nicht weiter voneinander entfernt, sondern im Gegenteil zu einer größeren Nähe geführt haben. Sie sind ein großartiges Publikum, und ich freue mich auf unsere Begegnungen in der zweiten Jahreshälfte!
Ed