Das Ende der Papier-Abstinenz

Neulich fragte mich jemand, ob ich unter das Editorial der Programmvorschau weiterhin das Kürzel Ed setzen wolle. Weil ich seit Monaten keine Vorschau für unsere Veranstaltungen mehr drucken und verteilen ließ, wird inzwischen offenbar manches infrage gestellt. Meine vorübergehende Papier-Abstinenz hatte aber ein nachvollziehbares Motiv. Drei Printausgaben bald nach dem Druck zum Teil oder ganz als Papiermüll deklarieren zu müssen, hatte mir gereicht. Für die Monate nach der Sommerpause erscheint jetzt zum ersten Mal wieder die übliche Vorschau. Sie sehen, mein Optimismus ist ungebrochen. Ungebrochen ist auch meine Überzeugung, dass die Besucherinnen und Besucher unserer Veranstaltungen lieber lesen, was auf Papier gedruckt steht. Bei aller Begeisterung für die digitalen Formate, die auch wir in den vergangenen Monaten als Alternative zum vertrauten Programm ersonnen haben: Einen echten, nämlich gleichwertigen Ersatz für die analoge Begegnung mit Schriftstellern und einem Publikum gibt es für mich nicht.

Gut war es dennoch, für eine Weile das Internet mit Literatur zu bespielen. Eine Ausgabe von ‚Fremde Federn‘ fand zum Beispiel mit der Option zur Online-Abstimmung dort statt. Das Format HURRA SPRACHE! haben wir mit dem Oldenburgischen Staatstheater als Livestream-Quizabend um Literatur, Sprache und Theater entwickelt. Die Lesungen und Gespräche der ‚LiteraTour Nord‘ wurden als Videos im Internet veröffentlicht. Für die Reihe ‚Im Gespräch bleiben. Stimmen aus der Isolation‘ baten wir manche Schriftsteller und ihre Gesprächspartner, sich in schriftlicher Form über die Bücher auszutauschen, die in unserem Programm vorgestellt werden sollten. Noch immer können die Gespräche auf unserer Homepage gelesen werden. Und in einem Online-Lesekreis sprachen die Teilnehmer in Zoom-Konferenzen über Texte, die wir am 22. September auf die Bühne bringen.

Ob ich mich noch an Mr. Ed, das sprechende Pferd aus der gleichnamigen US-amerikanischen Fernsehserie erinnere, setzte mein Gesprächspartner nach. Sie ahnen, wie alt wir sein müssen, denn tatsächlich sind mir die Episoden, die in den 1980er Jahren im Vorabendprogramm ausgestrahlt wurden, noch gut im Gedächtnis. „A horse is a horse, of course, of course / And no one can talk to a horse of course / That is, of course, unless the horse is the famous Mr. Ed“. Immerhin ist Mr. Ed ein höchst intelligentes Pferd. Dass nur sein Besitzer ihn sprechen hört, liegt allein daran, dass der sensible Vierbeiner mit niemand anderem reden möchte. Nein, an ihn dachte und denke ich nicht. Denn ich spreche – schon bei den ersten Veranstaltungen, zu denen wir seit Juni wieder einladen konnten und auch demnächst – sehr gerne mit Ihnen allen. An dieser Stelle unbedingt weiterhin als:

Ed