Der Gebäudetyp der Rathäuser entstand etwa im 12. Jahrhundert in Italien. In den nächsten Jahrhunderten hielt er auch in Deutschland Einzug. „Rathäuser“ hatten im Erdgeschoss eine Halle für Märkte und Gerichtsverhandlungen und im Obergeschoss den Ratssaal (mit Erker oder Balkon), in dem sich die ‚Ratsmannen’ berieten oder ihre Feste feierten.
Im 19. Jahrhundert erlebten Rathäuser eine neue Blüte, wahrscheinlich bedingt durch den Wirtschaftsaufschwung dieser Zeit. Die wiedererlangten Rechte und der Machtanspruch des Bürgertums manifestierten sich in prachtvollen Bauten. Auch das Oldenburger Rathaus, das noch heute auf dem Marktplatz steht, ist Ausdruck dieser erstarkten Bürgerlichkeit.
Rückblickend haben die Rathäuser der Stadt Oldenburg eine bewegte Geschichte: Die unterschiedlichsten Standorte für Rathausbauten waren im Gespräch und haben lebhafte Diskussionen bei den Oldenburgern ausgelöst.
- Pläne für ein Rathaus am Berliner Platz (1936 bis 1960)
- Pläne für ein Rathaus am Theaterwall (1960 bis 1970)
- Neues Rathaus am Pferdemarkt (1970 bis heute)
- Technisches Rathaus (1988 bis heute)
Erste Rathäuser in Oldenburg
Ein Oldenburger Rathaus wird in Urkunden erstmals im Jahr 1355 erwähnt. Die Stadt Oldenburg erhielt 1345 mit der Verleihung der Stadtrechte Gerichtsbarkeit und das neue Stadtgericht tagte, der Überlieferung nach, an der Marktseite eines „Rathauses“. Dieses Rathaus, dessen genaues Aussehen nicht bekannt ist, soll sich an der Nordwest-Ecke des Marktplatzes befunden haben, wo auch das heutige Oldenburger Rathaus steht.
Eine Federzeichnung von 1598 (oben links) zeigt das spätmittelalterliche Rathaus. Es handelt sich wahrscheinlich um das zweite Oldenburger Rathaus.
In Überlieferungen aus dem Jahr 1591 ist von dem „neuen Rathaus“ die Rede. Es diente vermutlich den Sitzungen des Rates und in seinem Erdgeschoss dem Markt- und Handelsbetrieb. 1590 war das Rathaus umgebaut und um eine Wohnung für den Stadtschreiber erweitert worden. Auch dieses Rathaus befand sich an der Nord-West-Ecke des Oldenburger Marktplatzes.
Renaissance Rathaus (1635 bis 1886)
Im Jahr 1635 hatte die Stadt Oldenburg über 4.000 Einwohner. Oldenburg war gräfliche Residenzstadt und während andernorts der dreißigjährige Krieg tobte und Zerstörung über die Städte brachte, wurde in Oldenburg gebaut. Graf Anton Günther hatte durch seine neutrale Politik die Stadt aus dem Krieg herausgehalten und ihr zu sichtbarem Aufschwung verholfen. Das Rathaus war allerdings inzwischen in einem derart baufälligen Zustand, dass man sich – der Überlieferung nach – nicht mehr ohne leib-und lebensgefahr darin oder davor aufhalten konnte. Große Teile des Baus mussten schon abgestützt werden. Dennoch sah man es nicht für nötig, das gesamte Rathaus abzureißen.
1635 wurden die in die Jahre gekommenen Teile des Oldenburger Rathauses abgerissen und so der Weg für einen Neubau frei gemacht. Der Neubau konzentrierte sich Richtung Markt, einige Teile des Altbaus zur Langen Straße hin blieben erhalten.
1641 waren die Bauarbeiten, deren Architekt Otto Schwertfeger war, abgeschlossen. Im Obergeschoss lag der Saal, in dem die Stadt sich darstellte und feierte – insbesondere im Januar, wenn die Amtsführung des Rates wechselte. Im Erdgeschoss lag die „Börse“ – ein Raum, in dem Kaufleute zusammenkamen und über Geschäfte berieten.
Über der Tür des neuen Rathauses an der Marktseite war das Oldenburger Stadtwappen angebracht. Über diesem jedoch prangte das Wappen des Grafen Anton Günther und dessen Frau Sophia Katharina, größer und auffälliger als das Wappen der Stadt. So war für jeden Betrachter offensichtlich, wer im Rathaus das eigentliche Sagen hatte. Der Magistrat der Stadt handelte im Auftrage des Grafen nach landesherrlicher Auffassung und wurde vom Schloss aus kontrolliert.
Oldenburg wird „dänisch“
Nach dem Tod Graf Anton Günthers 1667 fiel Oldenburg an die Dänische Krone – der Graf hatte keinen rechtmäßigen Erben hinterlassen. Nachdem die Pest 1667/68 beinahe jeden zehnten Einwohner Oldenburgs getötet hatte, zerstörte am 27. Juni 1676 ein Feuer fast die ganze Stadt. Über 700 Wohnhäuser brannten nieder, als bei einem Gewitter in drei Gebäuden – in der Baumgartenstraße, der Langen Straße und der Staustraße – Blitze eingeschlagen waren. Ein Sturm verbreitete die Flammen schnell über die ganze Stadt. Das Rathaus konnte gerettet werden, weil dänische Beamte die herbeigeeilten Bauern zum Löschen dorthin dirigiert hatten.
Die Blütezeit Oldenburgs war mit dem Tod Graf Anton Günthers jedoch beendet, die Stadt fiel zur bedeutungslosen Provinzmetropole herab. Durch Tauschverträge wurde Oldenburg im Jahr 1773 unter Herzog Friedrich August wieder Mittelpunkt eines unabhängigen Fürstentums.
Zuletzt geändert am 30. Juni 2026




