Altes Rathaus (1888 bis heute)
Fast 250 Jahre stand das 1635 erbaute Renaissance-Rathaus – der linke Teil war sogar noch älter – auf dem Oldenburger Marktplatz. Ab den 1870er Jahren begann die Stadt Oldenburg, ihr Gesicht zu wandeln. Zwischen 1870 und 1910 waren in Oldenburg zwei Drittel aller Häuser, auch Geschäftshäuser und Öffentliche Einrichtungen, neu gebaut worden. Durch den Bevölkerungszuwachs kam es zu einer Ausdehnung der kommunalen Aufgabenfelder. Für deren Bewältigung wurde mehr Raum benötigt und Teile der städtischen Verwaltung mussten aus dem Rathaus ausgelagert werden.
1883 schließlich stimmte der Stadtrat fast einstimmig für den Bau eines neuen Rathauses. Damit begann eine jahrelange Debatte. Vor allem die Frage nach dem Standort des neuen Rathauses löste heftige Diskussionen aus. Stadtbaumeister Georg Osthoff stellte vier mögliche Standorte vor: 1. Der Marktplatz mit einem Dreiecksbau auf der alten Stelle; 2. Der Marktplatz mit einem Rechteck zwischen Lambertikirche und Weber (damaliger Ort der Textilverarbeitung); 3. Ein Rathaus an der westlichen Häuserfront des Marktplatzes, dem heutigen Lambertihof; 4. Ein Rathaus auf dem Dobben, dem heutigen Cäcilienplatz. Mit knapper Mehrheit entschied sich der Rat für den alten Platz – somit war der Abbruch des alten Gebäudes beschlossene Sache. Am 1. November 1885 bezog der Stadtrat ein Gebäude am Cäcilienplatz als Ausweichquartier.
Der Streit um den neuen Rathausstandort
Im Januar 1886 wurde das alte Rathaus auf dem Marktplatz abgerissen. Von der neuen, großzügigen Platzsituation waren viele Bürger so begeistert, dass wieder eine Diskussion um den Standort des neuen Rathauses ins Rollen kam. Eine Bürgerinitiative gegen den Rathausbau auf dem Markt wurde von immerhin 1.619 der insgesamt 2.312 stimmberechtigten Oldenburger Bürger unterschrieben. Knapp – mit neun gegen acht Stimmen – lehnte der Rat den Bürgerantrag ab und das neue Rathaus wurde auf dem dreieckigen Bauplatz am Marktplatz gebaut. Den Zuschlag für den Bau bekam die Berliner Architektengemeinschaft Holst und Zaar, deren Entwurf dem dreieckigen Bauplatz am besten entsprach.
Das Rathaus wird gebaut
In Gegenwart des Großherzogs wurde am 28. Mai 1886 der Grundstein für das neue Rathaus gelegt. In den Grundstein, der sich gegenüber der kleinen Kirchstraße befindet, wurden einige Schriftstücke und Bauurkunden gelegt. Darunter befindet sich auch eine Notiz des damaligen Stadtbaumeisters F. Noack, in dem er über eine kleine spontane Abschiedsfeier in „stiller Stunde bei einem Glase Wein des Abschieds von den alten ehrwürdigen Raumen dieses Kellers“ (in dem alten Rathaus) berichtet.
Ein Jahr später war das Richtfest und am 26. und 27. Januar 1888 wurde das neue Rathaus den Oldenburgern mit einem „Tag der offenen Tür“ vorgestellt. Am 28. Januar zogen Magistrat und Stadtrat in das neue Rathaus ein. Doch schon zwei Jahrzehnte später entsprach auch dieses Rathaus nicht mehr den gewachsenen kommunalen Aufgaben und musste durch weitere angemietete Gebäude ergänzt werden.
Der Rathaussaal in neuem Glanz
Im Frühjahr 2004 brachten restauratorische Untersuchungen im Großen Saal des Alten Rathauses am Markt Teile der ursprünglichen Ausmalung an den Wänden zum Vorschein. Die aufwendige Wandbemalung mit Wappen und Blumenmotiven war 1887 von dem Maler Friedrich Wilhelm Adels und seinem Sohn Heinrich in 24 Tagen und für 800 Mark geschaffen worden. Dieses Kunstwerk wurde zu einem nicht näher bestimmbaren Zeitpunkt übermalt und der Große Sitzungssaal verlor dadurch viel von seinem repräsentativen Charakter.
Durch das Engagement Oldenburger Sponsoren wurden eine vollständige Restaurierung des Saales und die Rekonstruktion der historischen Wandmalereien möglich. Seit Ende 2005 kann sich der Große Sitzungssaal des Alten Rathauses wieder im ehemaligen Glanz seiner Wandbemalung präsentieren.
Pläne für ein Rathaus am Berliner Platz (1936 bis 1960)
Am 12. Juni 1936 informierte der damalige Oldenburger Oberbürgermeister Rabeling den Stadtrat über sein Vorhaben, ein neues Rathaus zu bauen. Es sollten alle städtischen Dienststellen dort unterkommen, die in bis dahin verschiedenen angemieteten Räumen untergebracht waren. Rabeling hatte die Absicht, das Marstallgelände neben dem Schloss (der Platz, auf dem sich heute die Schlosshöfe befinden) samt der darauf stehenden Brandruine zu erwerben und dort das Rathaus zu bauen und einen großen Rathausplatz anzulegen. Die Stadt schrieb daraufhin einen Bauwettbewerb für den Rathausneubau aus, an dem sich über hundert Architekten aus ganz Nordwestdeutschland beteiligten.
Das Preisgericht entschied sich für ein Modell des Architekten Fricke aus Hannover, das sich harmonisch in die Nachbarschaft des Schlosses einfügte. Der Bau eines neuen Rathauses an dieser Stelle wurde nie begonnen, da vorhandene finanzielle Rücklagen bis zu Kriegsbeginn eingefroren wurden.
Erst 1957 wurde der 1936 gewählte Standort für ein neues Rathaus aufgegeben und an dieser Stelle das Hallenbad am Berliner Platz gebaut. Der Platz zwischen Schloss und Mühlenstraße war für die inzwischen stark angewachsenen Aufgaben der Oldenburger Stadtverwaltung ohnehin viel zu klein geworden.
Pläne für ein Rathaus am Theaterwall (1960 bis 1970)
Nach dem Zweiten Weltkrieg ging es für die Stadt Oldenburg zunächst um die Bewältigung der Nachkriegs- und Flüchtlingsprobleme und erst in den 1960er Jahren kam das Thema eines Rathausneubaus wieder auf. Die Stadt zählte inzwischen 125.000 Einwohner und die kommunalen Aufgaben waren weiter gewachsen. 1964 wurde der Verkehrsexperte Professor Jensen aus Braunschweig beauftragt, verschiedene Standorte für ein Rathaus vergleichend zu untersuchen:
- das Grundstück der Landesversicherungsanstalt an der Hauptstraße,
- der Pferdemarkt,
- das Peter-Friedrich-Ludwig-Hospital,
- die Dobbenwiese und
- die Ecke Theaterwall/Gartenstraße.
In seinem Gutachten sprach sich Jensen für die Ecke am Theaterwall aus, da dieser Standort das Rathaus am besten an das Zentrum anbinde. Am 2. Juni 1965 stimmt der Stadtrat diesem Vorschlag zu. Zu einem Baubeginn kam es, aus finanziellen Gründen, jedoch nicht.
Neues Rathaus am Pferdemarkt (1970 bis heute)
Anfang der siebziger Jahre kam die Debatte über einen Rathausneubau wieder in Schwung. Oberbürgermeister Hans Fleischer, der sich lange gegen das Tragen der obligatorischen „Oberbürgermeisterkette“ gewehrt hatte, soll gesagt haben: „Eine Amtskette will ich erst tragen, wenn der erste Teil des neuen Rathauses fertig ist.“ 1974 wird ein „Beirat für den Rathausneubau“ gebildet, um Empfehlungen für einen neuen Standort auszuarbeiten. Am 25. Juli 1975 entscheidet sich dieser Beirat für den Pferdemarkt und der Stadtrat stimmt dem zu.
Daraufhin wurde ein städtebaulicher Wettbewerb ausgeschrieben mit der Bedingung, die historischen Gebäude am Pferdemarkt zu erhalten und diesen wieder enger an das Zentrum anzubinden. Dem Ideenwettbewerb folgte 1980 ein Realisierungswettbewerb, den die Hamburger Architektengruppe me di um gewinnt.
Die denkmalgeschützte Infanteriekaserne von 1835 wurde saniert, umgebaut und ergänzt und 1984 zogen dort die ersten städtischen Dienststellen ein. Inzwischen beherbergt das „Neue Rathaus“ zahlreiche Ämter und Dezernate der Oldenburger Stadtverwaltung.
Das „Alte Rathaus“ am Marktplatz existiert heute noch neben dem Neuen Rathaus. Es beherbergt den Oberbürgermeister und sein Team, im Erdgeschoss sind die Fraktionen untergebracht und im Keller befindet sich – übrigens schon seit dem 2. November 1887 – ein Restaurant.
Technisches Rathaus (1988 bis heute)
Neben dem Alten und dem Neuen Rathaus besitzt Oldenburg noch ein drittes „Rathaus“: das Technische Rathaus an der Industriestraße.
1988 zog einer der größten ehemaligen Arbeitgeber Oldenburgs, die Fleischwarenfabrik (Fleiwa), in das Gewerbegebiet Tweelbäke. Der alte Fleiwa-Komplex an der Industriestraße wurde frei und konnte anders genutzt werden. Die Stadt Oldenburg kaufte den Gebäudekomplex und am 12. Dezember 1988 zogen erste städtische Dienststellen ein. In den folgenden Jahren wurden weitere Lagerräume der ehemaligen Fleiwa zu Büroräumen umgebaut. Da der Raumbedarf der städtischen Ämter anstieg, wurden mehrere Dienststellen in der Industriestraße 1 untergebracht.
Heute beherbergt das „Technische Rathaus“ unter anderem das Dezernat für Bauen, Umwelt und Verkehr. Das Kundenzentrum Bau ist ebenfalls an diesem Standort zu finden. Außerdem sind am Standort Industriestraße auch das Amt für Wirtschaftsförderung, das Gesundheitsamt sowie das Amt für Controlling und Finanzen.
Weitere Informationen
Sie möchten sich gerne im Alten Rathaus umsehen? Dann schauen Sie sich die 360-Grad-Ansichten des Alten Rathauses an.
Zuletzt geändert am 30. Juni 2026





