Das Rathaus

Dem ersten mittelalterlichen Oldenburger Rathaus im Nordwesten des Marktplatzes folgte im Jahre 1635 ein stilistisch überzeugender Renaissancebau mit  Schmuckgiebeln, Ornamenten, Wappen und Figuren. Wegen Baufälligkeit und der erweiterten Verwaltungsaufgaben durch einen Bevölkerungszuwachs auf über 20.000 Einwohner genügte er gegen Ende des 19. Jahrhunderts nicht mehr den Anforderungen.

Man entschloss sich zum Abriss und nach langer und heftiger Diskussion über den Standort für einen Neubau an gleicher Stelle. Unter 73 verschiedenen Entwürfen erhielt das Berliner Architekturbüro von Holst und Zaar, das einen dreieckigen Grundriss geplant hatte, den Zuschlag. Die Ausführung lag beim Oldenburger Stadtbaumeister Franz Noack.

Der Ziegelbau, bereichert um Eingliederungen aus Sandstein, ist in der Formensprache des Historismus mit neugotischen Stilelementen gehalten. Er zeichnet sich insbesondere durch zwei auffällige Schauseiten aus - die symmetrische Westfassade mit dem Hauptportal und die asymmetrische Fassade zur Marktseite hin mit der betont repräsentativen Fensterfront des Ratssaales.

Im Inneren des Oldenburger Rathauses setzt sich in Form und Inhalt fort, was schon sein Äußeres signalisiert: Bürgerstolz, Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit. Das Wappen Oldenburgs und das Großherzogliche Wappen bilden an der Stirnseite des Ratssaales eine Allianz. Allerdings demonstrieren die Stadtwappen von Vechta, Friesoythe, Jever, Varel, Wildeshausen und Delmenhorst an der westlichen Wand die Verbundenheit mit dem Oldenburger Land. Der Hinweis auf diese damals bedeutenden Städte mit ihrer ausgeprägt bürgerlichen Tradition unterstreicht nochmals das eigene Selbstverständnis der Stadt Oldenburg.

Im Jahr 2005 wurde der Große Sitzungssaal im Alten Rathaus aufwändig restauriert. Auf diese Weise konnte ein kultureller Schatz zurückgewonnen und zugleich ein wichtiges Stück der Geschichte Oldenburgs wieder in das Bewusstsein gehoben werden.