Schreibwerkstatt

Herbst 2022

Schreibwerkstatt für literarisches Schreiben mit Sabrina Janesch

Um gute literarische Texte zu schreiben, braucht es nicht nur Talent und Leidenschaft. Schreiben ist ein Handwerk, welches man lernen kann, und so benötigt man das entsprechende handwerkliche Wissen, um sein Schreiben zu verbessern. Schließlich besteht gelungene Literatur nicht bloß aus interessantem Inhalt, maßgeblich ist, wie der Inhalt den Lesenden vermittelt wird: Es geht um den bewussten Umgang mit Sprache, der gute Literatur entstehen lässt.

Das Literaturhaus Oldenburg möchte jungen talentierten Schreiberinnen und Schreibern die Möglichkeit bieten, ihre Kenntnisse über Literatur und Textproduktion auszubauen und ihr eigenes Schreiben weiterzuentwickeln. In einer Schreibwerkstatt, deren Teilnahme als ein Stipendium gewährt wurde, unter der Leitung von Schriftstellerin Sabrina Janesch hat sich deshalb an zwei Wochenenden im Herbst 2022 alles um Text und Sprache gedreht. 

„Im September und November trug sich in Oldenburg etwas höchst Ungewöhnliches zu; es kam, von den meisten Anwohnern unbemerkt, zu einer Anomalie der Raumzeit-Krümmung. 
Den Teilnehmenden unseres Schreib-Workshops hat sie sich dafür umso stärker offenbart. 
Wie sonst hätte man auch die erstaunlich rapide und zielsichere Annäherung an literarische Konzepte, Mechanismen und Wirkweisen erklären können?
Auch eigene Impulse, Ideen und Projekte wurden in den vier Tagen nicht nur vorgestellt, sondern konstruktiv besprochen, konturiert und vorangebracht. Faster than light.
Und das vielleicht außergewöhnlichste und schönste: Im Workshop sind nicht nur neue Schreibansätze und -vorhaben geprägt worden, sondern eine eigene, kleine Community. Denn dass das Arbeitsklima und die Atmosphäre mehr als herzlich, produktiv und heiter waren, lag sicher nicht an obskuren, naturwissenschaftlichen Phänomenen, sondern an den Teilnehmenden selbst. Wir alle verließen Oldenburg – Träne im Knopfloch, wie es sich gehört – voller Liebe für Literatur, Neugier und Freude am eigenen Schreiben.“
– Sabrina Janesch, Schriftstellerin und Leiterin der Schreibwerkstatt

Worum ging es?

„Ich habe unheimlich viel Freude bei der Schreibwerkstatt gehabt. Wir haben alle sehr individuelles Feedback bekommen und ich habe für mich gemerkt, dass ich deutliche Fortschritte durch den Kurs gemacht habe. Meine Erwartungen wurden auf jeden Fall übertroffen, zumal auch auf unsere Wünsche eingegangen wurde. Man hatte das Gefühl, dass mit Sabrina Janesch eine Workshop-Leiterin gefunden wurde, die sehr kompetent ist und sich ernsthaft für unsere Arbeit interessiert und sich für diese auch begeistern ließ. Wir haben einen sicheren Raum zum Ausprobieren bekommen und die gesamte Gruppe war unheimlich herzlich und vertrauenswürdig. Ich kann die Schreibwerkstatt wirklich jeder Person empfehlen, die schreibt oder schreiben möchte, aber nicht weiß, wo man anfangen soll.“ 
– Calvin, Teilnehmer

In der Schreibwerkstatt wurde nicht bloße Theorie gelehrt! Die Teilnehmenden führten Schreibübungen durch und entwickelten ihre eigenen Schreibprojekte weiter, die im Zentrum der Werkstatt standen. Wichtig war allen Beteiligten, einen geschützten Raum mit einer Atmosphäre zu schaffen, in der sich alle mit ihren Texten öffnen und wohlfühlen konnten. Zusammen mit den Gleichgesinnten wurden eigene und fremde Prosatexte, wie auch persönliche Lieblingsbücher, analysiert und diskutiert, kritisiert und gelobt, im Falle der eigenen Texte gezielt vorangebracht. Sabrina Janesch widmete sich als Expertin jeder und jedem Einzelnen und gab allen Schreibprojekten gebührenden Raum. Sie gab den Teilnehmenden nach detailliertem Blick auf die Texte Tipps und konstruktive Kritik. Sie vermittelte Formen und Techniken des Schreibens, sie gewährte Einblicke in Schreibprozesse und thematisierte – mitunter auf expliziten Wunsch der Teilnehmenden – Fragen wie: Wie kann ein guter Beginn eines Prosatextes aussehen, wie ein packender erster Satz? Wie konzipiere ich interessante Figuren, wie konstruiere ich einen spannenden Plot – und setze all das sprachlich um? Was für Aspekte machen ein gutes Buch überhaupt aus? Nicht zuletzt sprach Sabrina Janesch mit den Teilnehmenden über den Literaturbetrieb, erprobte das Verfassen eines Exposés, schilderte mögliche Wege in die Autorschaft.

Wer war dabei?

„Ich habe mich sehr gefreut, Teil der Schreibwerkstatt sein zu können. An zwei hochmotivierenden und hochmotivierten Wochenenden haben wir Einblicke in die Welt des Schreibens literarischer Texte und den Literaturbetrieb erhalten können, die von unschätzbarem Wert sind. Dabei ist eine so offene Gesprächsatmosphäre mit einer so gutgesinnten und anregenden Feedbackkultur entstanden, wie ich sie bisher noch nicht kannte. Vieles, was an eigenen Schreibansätzen noch unverbunden war, hat an diesen beiden Wochenenden zusammengefunden. So nehme ich aus dem Seminar nicht nur neue Kenntnisse über das Handwerk des Schreibens mit, sondern auch den Ansporn, meine eigenen Projekte weiterzuführen.“ 
– Zenek, Teilnehmer

Bewerben konnte sich bis zum 10. August 2022 jede und jeder Prosa-Schreibbegeisterte im Alter zwischen 16 und 26 Jahren, unabhängig der Vorkenntnisse und bisherigen Erfahrungen. Aus den Bewerberinnen und Bewerbern, die ein kurzes Motivationsschreiben und eine Schreibprobe eingereicht haben, wurde eine zehnköpfige Gruppe junger Talente ausgewählt. Die Jüngsten waren 16, die Ältesten Mitte 20, manche gingen noch zur Schule, andere waren bereits mit Studium und Arbeit beschäftigt, die eine begeisterte sich für Dystopisches und Fantastisches, der andere für philosophische und gesellschaftskritische Fragen, wieder eine andere für berührende und romantische Geschichten. Gemeinsam hatten alle die Leidenschaft zu Schreiben. Zu Beginn der Werkstatt waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer fremd, schon nach dem ersten Termin stand für sie als Gruppe fest: Sie wollen auch außerhalb der Werkstatt den Kontakt halten und sich weiter austauschen.

„Die Schreibwerkstatt war mega! Ich wurde total motiviert und habe endlich etwas zustande gebracht, das mir gefällt. Außerdem war es cool, mal Leute kennenzulernen, die auch, wie man selbst, schreiben. Es gab auch so eine Vielfalt an Geschichten! Jeder hatte etwas ganz Anderes mitgebracht.“ 
– Miriam, Teilnehmerin
 

Leitung und inhaltliche Gestaltung der Schreibwerkstatt oblagen Sabrina Janesch, die 1985 in Gifhorn geboren wurde und mittlerweile mit ihrer Familie in Münster lebt. Sie studierte unter anderem Literarisches Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim; diese Erfahrungen mit der Lehre des Schreibens brachte sie in ihre Umsetzung der Schreibwerkstatt ein. Ebenfalls dabei: Ihre jahrelange Erfahrung als erfolgreiche Autorin von bald fünf Romanen. 

2010 erschien ihr Romandebüt Katzenberge, woraufhin sie mit dem Mara-Cassens-Preis, dem Anna-Seghers-Preis und dem Nicolas-Born-Förderpreis ausgezeichnet wurde. Sie war Stipendiatin des Ledig House in New York, Stadtschreiberin von Danzig und Stipendiatin für das BLogbuch OLdenburg. Zu ihrem letzten, vierten Roman Die goldene Stadt (2017), der zum Bestseller wurde, schrieb Sten Nadolny: „Makellos geschrieben, fesselnde Figuren, Reichtum, wohin man sieht – plastisch, farbig und unvergesslich.“ Ende Januar 2023 erschien bei Rowohlt Berlin ihr neuer Roman Sibir.

Wann und wie?

„Ich hab das Grinsen für den restlichen Tag nicht mehr aus dem Gesicht bekommen. Bereits der erste Tag war besser als ich zu hoffen gewagt hatte und noch viel mehr. Es war so unbeschreiblich toll, jemanden über das Thema, was mich seit Jahren fasziniert, reden zu hören.“
– Nina, Teilnehmerin

Die Schreibwerkstatt fand an zwei Wochenenden, jeweils samstags und sonntags von 9 bis 17 Uhr, vor Ort in Oldenburg statt: 

  • am 24. September (Tag 1)
  • am 25. September (Tag 2)
  • am 26. November (Tag 3)
  • am 27. November (Tag 4)

Zwischen den beiden Wochenenden arbeiteten die Teilnehmenden zuhause an ihren Projekten weiter und bearbeiteten dazu eine Schreib-Hausaufgabe. Zudem bot Sabrina Janesch jeder und jedem Teilnehmenden ein virtuelles One-on-One Coaching an und begleitete sie so über die Treffen hinaus; ein Angebot, das einige bereits zwischen den beiden Wochenenden wahrnahmen, während der Rest es nach dem letzten Präsenztermin für sich nutzte.

„Obwohl die Tage schwindelerregend voll waren, gingen sie doch vorbei wie im Flug. Was also habe ich mitgenommen? Einen ganzen Stapel voll eilig bekritzelter Blätter mit Notizen, Ideen und Anregungen für meine Schreibprojekte, eine immer noch anhaltende Motivation zum Schreiben, die andere unwichtige Sachen wie Uni oder Haushalt fast in den Hintergrund drängt, ein Gruppenfoto als Erinnerung und ein großes Stück Selbstvertrauen für meine Geschichten. Dank der Schreibwerkstatt fühlt sich das Schreiben für mich nicht mehr nur nach willkürlich herausströmender Kreativität an, vielmehr habe ich jetzt den Eindruck, dass ich diese Kreativität auch in gewisse Bahnen lenken kann, sodass am Ende etwas auf dem Papier steht, das sogar sowas wie Hand und Fuß hat. Nur ein Kritikpunkt, der bleibt: Es war zu kurz. Viel zu kurz. [….] Man möchte sich fast wünschen, wir würden uns monatlich treffen, koste es, was es wolle. Ich wäre ohne Frage sofort dabei! 
Tja, mein abschließendes Urteil: Es gibt im Leben hin und wieder solche Momente – sie sind selten, aber es gibt sie –, in denen auf geradezu magische Weise alle kosmischen Handlungsstränge wie in einem gut konstruierten Roman auf diesen einen Punkt zulaufen, an dem sich alles richtig anfühlt, alles gut ist; jener Punkt, an dem man weiß, dass man genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Die Schreibwerkstatt mit Sabrina Janesch war ein solcher Moment.“  
– Lucia, Teilnehmerin
 

Teilnehmerin Lucia hat umfassend auf die Schreibwerkstatt zurückgeblickt. Ihren vollständigen Bericht über die Schreibwerkstatt finden Sie hier »

Zuletzt geändert am 7. Februar 2023