Historische Persönlichkeiten
Oldenburger Köpfe haben (Kultur-)Geschichte geschrieben. Die einen prägten die Region, andere erlangten Bedeutung weit über die Grenzen von Stadt und Landkreis hinaus.
Marcus Nathan Adler
Das Philosophiestudium bildete die Grundlage der Karriere des ersten oldenburgischen Landrabbiners Marcus Nathan Adler (1803 bis 1890). 1828 erwarb Adler als erster deutscher Rabbiner den Doktortitel und nahm noch im selben Jahr seine Arbeit im Herzogtum Oldenburg auf. Sein Ziel war es, die Gleichberechtigung der Jüdinnen und Juden als Individuen und als Religionsgemeinschaft zu erreichen. Später wurde Adler Landrabbiner in Hannover und schließlich Oberhaupt der aschkenasischen jüdischen Gemeinden in London und des ganzen Britischen Empire. Das von ihm gegründete Londoner „Jews College“ entwickelte sich bald zur bedeutendsten jüdischen Lehranstalt des Empire. Adlers Andenken wird in dem 1995 eröffneten jüdischen Kulturzentrum im Gebäudekomplex des ehemaligen Peter-Friedrich-Ludwigs-Hospitals geehrt.
Rudolf Bultmann
Rudolf Bultmann (geboren 1884 in Wiefelstede, gestorben 1976 in Marburg) war einer der bedeutendsten liberal protestantischen Theologen der Nachkriegszeit. Er wuchs in Oldenburg auf und besuchte dort das Alte Gymnasium. Nach dem Abitur studierte er Evangelische Theologie und Philosophie in Tübingen und Berlin.
Rudolf Bultmann hatte sich in den 1920er-Jahren der liberalen Theologie und der neuen Wort-Gottes-Theologie angeschlossen, der sogenannten dialektischen Theologie. Seit den 1940er-Jahren trat er dafür ein, dass das mythologische Weltbild der biblischen Schriften nicht einfach in die moderne Zeit mit einem wissenschaftlichen Weltbild übertragen werden könne. Mit seinem bis heute umstrittenen Programm der „Entmythologisierung“ des Neuen Testaments wollte er, ebenso wie sein Zeitgenosse Paul Tillich, die christliche Lehre für die Menschen des 20. Jahrhunderts verständlich machen und der christlichen Basis des Glaubens auf den Grund gehen. Die Lehren hätten seiner Meinung nach einen anderen Kern als einen vergangenen Mythos und eine vergangene Metaphysik. Bultmann empfing für sein Werk etliche Ehrendoktorate, bekam 1957 den Reuchlin-Preis und wurde 1969 in den Orden Pour le mérite gewählt.
„Man kann nicht elektrisches Licht und Radioapparat benutzen, in Krankheitsfällen moderne medizinische und klinische Mittel in Anspruch nehmen und gleichzeitig an die Geister- und Wunderwelt des Neuen Testaments glauben. Und wer meint, es für seine Person tun zu können, muß sich klar machen, daß er, wenn er das für die Haltung des christlichen Glaubens erklärt, damit die christliche Verkündigung in der Gegenwart unverständlich und unmöglich macht.“ (Rudolf Bultmann: Neues Testament und Mythologie. 1941, Seite 18)
Besuchsorte
- Altes Gymnasium Oldenburg: Theaterwall 11
- Rudolf-Bultmann-Denkmal: Grünanlage am Theaterwall
Jean Robert Charton
Den Ruf als grüne Großstadt voller Lebensqualität verdankt Oldenburg unter anderem den zahlreichen Grünanlagen mitten in den Wohngebieten. Die schönsten, wie etwa die Dobbenteiche oder den Volkspark Großer Bürgerbusch, entwarf Stadtbaurat Jean Robert Charton (1881 bis 1963). Der hervorragende Architekt prägte von 1922 bis zu seiner Entlassung durch die Nationalsozialistinnen und Nationalsozialisten 1938 das Stadtbild entscheidend. Neben außergewöhnlichen öffentlichen Bauten (zum Beispiel Zentralviehmarkt, Elektrizitätswerk und einigen Schulen) förderte Charton, zum Teil mit eigenen Entwürfen, den Bau von Kleinsiedlungen durch die Stadt oder durch die Gemeinnützige Siedlungsgesellschaft Oldenburg, so dass Menschen mit geringem Einkommen in vielen Stadtteilen ein eigenes Heim erwerben konnten.
Hermann Ludwig Ehlers
Hermann Ludwig Ehlers (geboren 1904 in Berlin, gestorben 1954 in Oldenburg) war ein deutscher Politiker (CDU). Er war von 1950 bis zu seinem Tode 1954 Präsident des Deutschen Bundestages.
Obwohl in Berlin geboren, ist der ehemalige Bundestagspräsident Hermann Ludwig Ehlers untrennbar mit Oldenburg verbunden. Hier wurde Ehlers 1945 Mitglied des Oberkirchenrates, und hier begann auch seine politische Karriere. Seit 1946 war er CDU Ratsherr, 1949 zog er als Abgeordneter in den Bundestag und wurde ein Jahr später zum zweiten Mann im Staat gewählt.
Als Bundestagspräsident war Ehlers immer darauf bedacht, die Bedeutung des Parlaments gegenüber der Regierung zu betonen. Mit Erfolg, wie sich zeigte. 1953 wurde Ehlers mit überwältigender Mehrheit von 466 der 500 abgegebenen Stimmen wiedergewählt. Bereits 1952 war er mit gleich hoher Stimmenzahl wie Konrad Adenauer zum zweiten Bundesvorsitzenden der CDU gewählt worden und galt seitdem auch als möglicher Nachfolger Adenauers im Amt des Bundeskanzlers. Sein früher Tod zerstörte diese Erwartung.
Besuchsorte
- Hermann-Ehlers-Straße (letzter Wohnort von Hermann Ehlers, nach Herrmann Ehlers benannt)
Theodor Diedrich Wilhelm Francksen
Das Mäzenatentum ist so alt wie die Kunst selbst. Auch die Stadt Oldenburg verdankt einen Teil ihrer Kunstschätze einem reichen Privatmann: Theodor Diedrich Wilhelm Francksen (1875 bis 1914). Als Francksen, gerade 39-jährig, unverheiratet und kinderlos an Tuberkulose starb, vermachte er seiner Vaterstadt testamentarisch seine kunst- und kulturgeschichtlich bedeutsame Sammlung mitsamt den damit untrennbar verbundenen beiden Villen und wurde damit zum Stifter des Stadtmuseums.
Die Francksen-Sammlung umfasst unter anderem bedeutende Kollektionen antiker Vasen und Terrakotten, japanischer Farbholzschnitte, chinesischer Porzellane und rund 7.000 Blätter europäischer Druckgraphiken, zum Beispiel von Goya, Piranesi, Klinger und Kollwitz.
Video über Theodor Francksen
Das Projekt „Geschichte im Nordwesten“ – eine Kooperation der Oldenburgischen Landschaft, der Carl-von-Ossietzky-Universität, dem Stadtmuseum, dem Landesmuseum Natur und Mensch und dem Lokalsender oeins – hat einen Video-Beitrag über Theodor Francksen gedreht. Dort erzählt Udo Elerd, ehemaliger Leiter des Stadtumuseums, über den bekannten Oldenburger und seine Sammlung. Hier können Sie das Video anschauen.
Besuchsorte
- Stadtmuseum, Am Stadtmuseum 4-8
- Francksen-Villen, Raiffeisenstraße
Theodor Goerlitz
Der Rechtshistoriker und Verwaltungsjurist Theodor Goerlitz wurde 1885 in Breslau geboren. Dort besuchte er die Schule und studierte von 1903 bis 1906 Rechts- und Staatswissenschaften an der Schlesischen Friedrichs-Wilhelms-Universität. Bereits während seines Studiums forschte er im Stadtarchiv zur Stadtgeschichte Breslaus.
1912 heiratete er Hedwig Juncke. Nach Stationen in Thorn (Polen) und Altona (damals eine selbständige Stadt), wo er jeweils politische Ämter innehatte, wurde er 1921 mit nur 36 Jahren als Lokalpolitiker der DDP Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Oldenburg. Er führte Stadterweiterungen und kommunale Modernisierungen durch. Sein ideenreicher Einsatz für das Wohl der Oldenburger, auf Basis seines umfangreichen Wissens über Stadtentwicklungen und -geschichte, hat ihm bleibende Anerkennung gebracht. Goerlitz` Bemühungen um eine zeitgemäße Ausbildung für Mädchen führten zu Bekanntschaft mit der Frauenrechtlerin Helene Lange und zur Verleihung der Ehrenbürgerschaft an sie im Jahr 1928. Während seiner Amtszeit sah er sich außerdem mit der Herausforderung konfrontiert, die Not der Bürger während der Inflation der 1920er Jahre und der Weltwirtschaftskrise ab 1929 zu lindern.
Bekannt geworden ist er für seinen Widerstand gegen die zunehmende politische Macht der NSDAP, die in Oldenburg bereits 1930 die Mehrheit im Stadtparlament und seit 1932 im Landtag des Freistaates Oldenburg hatte. Die NSDAP betrieb umgehend seine Entfernung aus dem Oberbürgermeister-Amt. 1933 wurde er mit 47 Jahren offiziell in den Ruhestand versetzt.
Nach seinem Wegzug 1933 nach Breslau arbeitete Goerlitz dort als Wissenschaftler und Forscher an der Universität. Darauf folgte ab 1941 bis zur Zerstörung im Krieg im Jahr 1945 die Leitung des Instituts zur Erforschung des Magdeburger Stadtrechts. Die sowjetischen Besatzungsbehörden setzten ihn als Handelsrichter ein und zeitgleich lehrte er mittelalterliches deutsches Recht an der Universität Halle. Theodor Goerlitz starb 1949 in Magdeburg.
Besuchsorte
- Büste vor dem Alten Rathaus in Oldenburg, Markt 1, 26122 Oldenburg
Graf Anton Günther
Graf Anton Günther von Oldenburg und Delmenhorst (geboren in November 1583 in Oldenburg, verstorben im Juni 1667 in Rastede) war eine herausragende Persönlichkeit aus dem Haus Oldenburg. Er zeichnete sich nicht nur als Adelsmitglied aus, sondern auch als versierter Diplomat, kluger Stratege und Friedenswahrer. Sein umfassendes Wirken in den Bereichen Architektur, Diplomatie, Wirtschaft und Kunst hinterließ nicht nur bleibende Spuren in seiner Ära, sondern legte auch die Grundlage für die anhaltende Entwicklung der Region.
Zwischen 1607 und 1616 ließ er die einstige Wasserburg der Oldenburger Grafen zu einem prächtigen Schloss umbauen. Dieser Umbau, inklusive opulenter Renaissance-Verzierungen, spiegelte seine enge Verbindung zu den künstlerischen und architektonischen Strömungen seiner Epoche wider.
Während des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) gelang es Graf Anton Günther, durch Neutralität und gewandtes Verhandeln seine Grafschaft von den verheerenden Einflüssen des Krieges weitgehend abzuschirmen. Diese Vorgehensweise begünstigte sowohl Wirtschaft als auch Bildung und bewahrte die Bevölkerung vor den Gräueln des Krieges.
Neben seinen diplomatischen Fähigkeiten förderte Graf Anton Günther auch Kunst und Architektur. Er unterstützte den Bildschnitzer Ludwig Münstermann bei der Schaffung zahlreicher Kirchenkunstwerke in seiner Grafschaft. Dabei flossen bewusst lutherische Botschaften in die Kunstwerke ein, während er außerhalb seiner Grafschaft konfessionelle Neutralität bewahrte.
Graf Anton Günther widmete sich ebenfalls technischen Projekten. Der Ausbau des Ellenser Damms, der die abgelegenen Gebiete von Jever, Inn und Kniphausen mit dem Rest seiner Grafschaft verband, verbesserte die Handelswege maßgeblich.
In der Wirtschaft setzte Graf Anton Günther bedeutende Impulse. Die Einführung des Weserzolls im Jahr 1623 hatte nachhaltige Auswirkungen auf den Handel und die wirtschaftlichen Beziehungen der Region. Zudem stärkte seine Pferde-und Mastochsenzucht die Wirtschaft und verlieh ihm eine respektierte Position in diesem Bereich.
Anton Günthers Andenken als Deichgraf und Pferdeliebhaber ist in zahlreichen Sagen noch heute lebendig. Und alle Jahre wieder, im Herbst, wird der Graf zu neuem Leben erweckt. Dann reitet er auf seinem Lieblingspferd, dem Schimmel Kranich, durch die Stadt als Anführer des traditionellen Kramermarkt-Umzugs.
Besuchsorte
- Oldenburger Schloss, Schloßplatz 1
- Graf-Anton-Günther-Schule, mit fünf mal fünf Meter großem Wandmosaik an der Außenwand, Schleusenstraße 4
- Wandbild von 1894 am Graf-Anton-Günther Haus, Lange Straße 76
Johann Friedrich Herbart
Johann Friedrich Herbart (geboren 1776 in Oldenburg, gestorben 1841 in Göttingen) war ein Philosoph, Psychologe und Pädagoge. Herbart ist in Oldenburg geboren und aufgewachsen. Er promovierte und habilitierte sich 1802 an der Universität Göttingen. 1890 erhielt er in Königsberg den Lehrstuhl für Philosophie von Immanuel Kant.
Herbart gilt als Begründer der wissenschaftlichen Pädagogik, die die zu seiner Zeit gängige pädagogische Praxis und Theorie korrigieren und der Pädagogik dabei den Status einer eigenständigen Wissenschaft verschaffen sollte. Herbarts Pädagogik zielte darauf ab, den Menschen durch eine Erziehung zu Sitte und Moral einerseits und durch einen Unterricht, der die individuellen Anlagen wecken sollte, andererseits zu einem Bewusstsein sittlicher Grundideen und zu sittlicher Selbstbestimmung zu befähigen.
Seine Philosophie geht von der Analyse der Erfahrung aus und befasst sich mit Fragen der Logik und Metaphysik wie auch mit solchen der Ästhetik. Herbart kritisierte eine Psychologie, die von getrennten geistigen Fähigkeiten und seelischen Vorgängen ausgeht und setzte die Behauptung entgegen, dass alle geistigen Phänomene auf dem Zusammenspiel elementarer Ideen beruhten. Er prägte den Begriff des „flüssigen Wesens“ der Psychologie und versuchte als einer der Ersten, Seelisches mit mathematischen Modellen zu erfassen und die Psychologie mathematisch zu begründen (Mathematische Psychologie). Damit beeinflusste er vor allem Gustav Theodor Fechner. Nach Herbart sollten die Erziehungsmethoden und -systeme auf Psychologie und Ethik aufbauen, wobei die Psychologie das notwendige Wissen vermitteln und die Ethik den sozialen Zweck der Erziehung bestimmen helfen sollte.
Besuchsorte
- Geburtshaus von Johann Herbart, Lange Straße 71
- Herbartgymnasium, Herbartstraße 4
- Herbartdenkmal im Herbartpark, gegenüber dem Herbartgymnasium
- Herbartgang (zwischen Lange Straße und Mottenstraße)
Horst Janssen
Horst Janssen (geboren 1929 in Hamburg, gestorben 1995 in Hamburg) war ein deutscher Zeichner, Grafiker, Autor, Plakatkünstler, Illustrator und Fotograf.
Janssen wuchs in Oldenburg auf. Seine außerordentliche Begabung als Zeichner offenbarte sich schon während seiner Schulzeit. Bei Kriegsende, nach dem Tod von Mutter und Großeltern, nahm seine Tante den 16-jährigen Janssen zu sich nach Hamburg. Sie unterstützte seine künstlerische Ausbildung an der Landeskunstschule, wo Alfred Mahlau ihn als Meisterschüler annahm und förderte. Eine erfolgreiche künstlerische Laufbahn begann, die dem als Exzentriker und Egomanen geltenden Janssen Weltruhm einbrachte.
Seine Ausstellungen wurden in New York, Chicago, Los Angeles, Tokio, Taipeh, Moskau, Venedig, Rom, Oslo, Paris, Hamburg, Dresden, Oldenburg und vielen anderen Städten gezeigt.
In späteren Lebensabschnitten hat sich Janssen zunehmend an glückliche Jugendjahre in Oldenburg erinnert. 1992 erhielt er die Ehrenbürgerwürde der Stadt Oldenburg. Horst Janssen starb am 31. August 1995 und wurde auf eigenen Wunsch auf dem Oldenburger St. Gertrudenkirchhof beigesetzt.
1996 erwarb der Oldenburger Kunstmäzen Claus Hüppe eine umfangreiche Horst-Janssen-Sammlung und stellte sie der Stadt Oldenburg als Dauerleihgabe zur Verfügung. Sie ist im Horst-Janssen-Museum in Oldenburg zu sehen.
Besuchsorte
- Horst-Janssen-Museum (Dauerausstellung zum Leben und Werk von Horst Janssen): Am Stadtmuseum 4-8
- St. Gertrudenkirchhof (Grab von Horst Janssen): Kirchhofstraße
Karl Jaspers
Karl Jaspers (geboren 1883 in Oldenburg, gestorben 1969 in Basel) war ein Arzt, Philosoph und politischer Schriftsteller. Er wurde als Sohn des Bankdirektors Carl Jaspers und dessen Frau Henriette (geborene Tantzen) in Oldenburg geboren. Er war Schüler des Alten Gymnasiums in Oldenburg.
Als Arzt hat Jaspers grundlegend zur wissenschaftlichen Entwicklung der Psychiatrie beigetragen. Er gilt auch als herausragender Vertreter der Existenzphilosophie. Sein philosophisches Werk wirkt insbesondere in den Bereichen der Religionsphilosophie, Geschichtsphilosophie und der Interkulturellen Philosophie nach. Seine Schriften sind in mehr als 25 Sprachen übersetzt. Nicht nur mit seinen einführenden Schriften zur Philosophie, sondern auch mit seinen kritischen Schriften zu politischen Fragen wie zur Atombombe, zur Demokratieentwicklung in Deutschland und zur Debatte um eine deutsche Wiedervereinigung hat er hohe Auflagen erreicht und ist einem breiteren Publikum bekannt geworden.
1958 erhielt Jaspers den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und wurde als Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Sciences in Boston gewählt. 1963 wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Oldenburg ernannt . Nach ihm wurde die Karl-Jaspers-Klinik, die eine Fachklinik für Psychiatrie und Psychotherapie ist, benannt. Außerdem gibt es in Oldenburg eine Bronzebüste von Jaspers im Cäcilienpark und das Karl-Jaspers-Haus (Sitz der Karl-Jaspers-Gesellschaft), welches die hinterlassenen Bestände der Privatbibliothek Karl Jaspers beherbergt. Seit 2007 wird die Karl-Jaspers-Medaille vergeben für Verdienste um die Kultur in Oldenburg.
Besuchsorte
- Geburtshaus von Karl Jaspers: Moltkestraße 19
- Wohnhaus von Karl Jaspers: Bismarckstraße 12
- Altes Gymnasium Oldenburg: Theaterwall 11
- Karl-Jaspers-Haus (Sitz der Karl-Jaspers-Gesellschaft): Unter den Eichen 22
- Karl-Jaspers-Denkmal: Cäcilienplatz
Helene Lange
Helene Lange (geboren 1848 in Oldenburg, gestorben 1930 in Berlin) war eine deutsche Politikerin (DDP), Pädagogin und Frauenrechtlerin. Sie kam aus einem mittelständischen Elternhaus in Oldenburg.
„Kinder sind dazu da, um Lärm zu machen.“ Das war der einzige Erziehungsgrundsatz, den sie je von ihrem Vater, einem Oldenburger Kaufmann, hörte. Das Mädchen wuchs vollkommen gleichberechtigt mit den beiden Brüdern mitten in der Stadt auf. Erst nach dem Tod des Vaters 1864 erfuhr Helene, dass gesellschaftliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen gemacht wurden. Und diese Erfahrung war die Geburtsstunde der Frauenrechtlerin. Helene Lange ging nach Berlin, wurde Lehrerin und setzte sich zeitlebens für gleiche Bildungs- und Berufschancen für Frauen ein. Sie gilt als wichtige Wegbereiterin der deutschen Frauenbewegung.
1923 erhielt Helene Lange die Tübinger Ehrendoktorwürde. 1925 wurde sie vom Parteitag der DDP zur Ehrenvorsitzenden gewählt. 1928 erhielt sie die Ehrenbürgerschaft der Stadt Oldenburg. Heute gibt es in zahlreichen Städten Schulen, die den Namen Helene-Lange-Schule tragen. Seit 2009 wird an der Universität Oldenburg jährlich der Helene-Lange-Preis an Nachwuchswissenschaftlerinnen der naturwissenschaftlich-technischen Disziplinen verliehen.
Besuchsorte
- Geburtshaus von Helene Lange, Achternstraße 2
- Helene-Lange-Denkmal, Cäcilienplatz
- Helene-Lange-Schule, Marschweg 38
- Helene-Lange-Straße in Oldenburg-Eversten
Peter Friedrich Ludwig
Peter Friedrich Ludwig, Herzog von Oldenburg (geboren 1755 in Riesenburg, gestorben 1829 in Wiesbaden), war von 1785 bis 1823 Regent von Lübeck und Oldenburg, anschließend Großherzog von Oldenburg bis zu seinem Tod im Jahr 1829. Er war der jüngste Sohn von Georg Ludwig von Schleswig-Holstein-Gottorf und Sofie Charlotte von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Beck. Aufgezogen wurde er von seinem Onkel, dem Fürstbischof von Lübeck, und später von seiner Cousine, Katharina II. (die „Große“) von Russland. Er war ebenfalls Neffe des schwedischen Königs Adolf Friedrich.
Peter Friedrich Ludwig prägte das historische Bild von Oldenburg grundlegend durch den Bau klassizistischer Bauten während seiner Regentschaft, wie dem Mausoleum auf dem Gertrudenkirchhof, der Rotunde und dem ehemaligen Vorraum der St. Lamberti-Kirche. Das ehemalige Peter-Ludwig-Friedrich-Hospital ist heute ein bedeutendes Kulturzentrum und wurde in den Jahren 1838 bis 1841 nach seinen Vorstellungen errichtet. Er gründete einen Fond für ländliche Schulen und ein Lehrerseminar. Er wandelte die Lateinschule in ein Gymnasium um, was seinerzeit sehr fortschrittlich war. Im Jahr 1786 ermöglichte er den unteren Bevölkerungsschichten durch die Gründung der ältesten Sparkasse der Welt, kleinste Beträge anzulegen und zu sparen. 1792 kaufte er eine Bibliothek aus Hannover und stiftete sie den Oldenburgern. Damit legte er den Grundstock der Oldenburger Landesbibliothek.
Bis heute hat sich über ihn ein positives Urteil als ein modern-aufgeklärter Landesherr erhalten, dem die Förderung von Kultur und sozialen Anliegen wichtig war.
Besuchsorte
- Peter-Friedrich-Ludwigs-Hospital, Peterstraße 3
- Gertrudenfriedhof, Kirchhofstraße
- St. Lamberti-Kirche, Markt 17
- Landesbibliothek Oldenburg, Pferdemarkt 15
- Peter-Friedrich-Ludwig-Denkmal (von Karl Gundelach), Schlossplatz
Wilhelm Heinrich Schüßler
Wilhelm Heinrich Schüßler (geboren 1821 in Bad Zwischenahn, gestorben 1898 in Oldenburg) war ein homöopathischer Arzt und der Begründer der „Biochemischen Heilweise“, der Therapie mit den sogenannten Schüßler-Salzen.
Schüßler studierte in Paris, Berlin, Gießen und Prag und promovierte in Gießen in der Medizin. Er erwarb sich umfassende Kenntnisse auf den verschiedensten Gebieten, insbesondere auf dem Gebiet der Sprachen. Neben Latein und Griechisch beherrschte er Französisch, Italienisch, Spanisch und Englisch – größtenteils im Selbststudium erlernt – vollkommen und befasste sich zeitweise sogar mit Sanskrit.
Schüßler ist der Begründer der bekannten Schüßler-Salze. Zunächst arbeitete er 15 Jahre als homöopathischer Arzt. Im Jahr 1874 entwickelte er dann die „Abgekürzte Therapie“, bei der Krankheiten mit homöopathisch zubereiteten Salzen behandelt werden. Schüßler glaubte, dass ein Mangel an bestimmten Mineralsalzen die Ursache für viele Erkrankungen sei – und eben der dosierte Einsatz dieser Salze Linderung verschaffe. Heute sind die Schüßler-Salze insbesondere im deutschsprachigen Raum unter Alternativmedizin-Anhängern weit verbreitet.
Weil er für seine Methode viel Kritik einstecken musste, verließ Schüßler den Homöopathischen Zentralverein und distanzierte sich von dem homöopathischen Prinzip. Seine Lehre nannte er „Biochemie“. 1885 begründete er den Biochemischen Verein in Oldenburg, der der erste und älteste Biochemische Verein weltweit ist. Der Verein zählt heute rund 1.000 Mitglieder und ist damit einer der größten weltweit. Zurzeit gibt es Vereine in Deutschland, Österreich, Belgien, Schweiz, Spanien, Holland, Australien und Indien.
Besuchsorte
- Gertrudenfriedhof (Grab von Wilhelm Schüßler), Kirchhofstraße
- Wohnhaus, Kurwickstraße 23
- Wohnhaus, Peterstraße 6
- Biochemischer Gesundheitsverein Oldenburg e. V., Raiffeisenstraße 27
Johann Schütte
Auf zu schwindelnden Höhen zog es den Oldenburger Schiffsbau-Ingenieur Johann Schütte (1873 bis 1940) – im wahrsten Sinne des Wortes. Schütte war, wie Ferdinand von Zeppelin, ein international renommierter Luftfahrtpionier. Er konnte sich trotz bahnbrechender Erfolge jedoch nie ganz aus dem Schatten des berühmten Grafen lösen. Nach der großen Zeppelin-Katastrophe am 5. August 1908 war es Johann Schütte, der mit entscheidenden Verbesserungsvorschlägen dazu beitrug, dass die Luftfahrt in Deutschland noch nicht am Ende war.
Ab 1909 baute der Oldenburger Ingenieur in seiner Firma Schütte-Lanz auch selbst Luftschiffe mit eleganter Stromlinienform, die eine Fluggeschwindigkeit von 130 Kilometern pro Stunde erzielten. Alle nach 1912/13 gebauten Luftschiffe basierten auf der Weiterentwicklung des Oldenburger Luftfahrtpioniers. Und auch den Siegeszug des Flugzeuges sah Johann Schütte rechtzeitig voraus. Bereits während des Ersten Weltkrieges lieferte er neben 22 Luftschiffen mehr als 1.000 Flugzeuge ab. Nach Kriegsende aber musste er seinen Traum vom Fliegen begraben. Der Versailler Vertrag verbot deutschen Luftschiffbau.
Cäcilie von Schweden
Cäcilie von Schweden (geboren 1807 in Stockholm; gestorben 1844 in Oldenburg) war eine Prinzessin von Schweden und später Großherzogin von Oldenburg. Sie entstammte der Verbindung von Gustav IV. Adolf von Schleswig-Holstein-Gottorf, dem ehemaligen König von Schweden, und Prinzessin Friederike Dorothea von Baden. Ihr Vater wurde 1809 abgesetzt und verbannt, woraufhin ihre Eltern 1812 geschieden wurden.
Cäcilie wuchs mit ihren Geschwistern Sophie, Amalie und Gustav unter der Obhut ihrer Großmutter, Markgräfin Amalie von Baden, in Bruchsal auf. Nach dem Tod ihrer Mutter im Jahr 1830 traf sie Großherzog Paul Friedrich August von Oldenburg, der ihr einen Heiratsantrag machte. Die Hochzeit fand im Mai 1831 in Wien in Anwesenheit des Kaisers statt, gefolgt von ihrem Umzug nach Oldenburg im Juni desselben Jahres.
Die musikbegeisterte Cäcilie veranlasste ihren Ehemann, die Großherzogliche Hofkapelle zu gründen, die anfangs für militärische und höfische Anlässe genutzt wurde. Sie komponierte die Melodie der Hymne des Oldenburger Landes „Heil dir, o Oldenburg“ und unterstützte 1833 den Bau eines Theaters, das später zum Oldenburgischen Staatstheater wurde.
Auf ihre Initiative hin wurde 1836 die Cäcilienschule in Oldenburg gegründet, eine höhere Töchterschule nach ihren Vorstellungen und denen des Pastors Anton Martin Claussen. Sie ließ das Schloss in Rastede „elegant“ umbauen und organisierte dort Sommerfeste mit Gästen. Obwohl sie Schwierigkeiten hatte, Kontakt zur Bevölkerung herzustellen, war sie bei Volk und Künstlern beliebt.
Cäcilie, Trägerin des russischen Katharinenordens und des königlich bayerischen Theresienordens, verstarb am 28. Januar 1844 im Alter von 36 Jahren an Kindbettfieber, fünf Tage nach der Geburt ihres dritten Kindes. Sie wurde im Großherzoglichen Mausoleum auf dem Gertrudenfriedhof in Oldenburg beigesetzt.
Besuchsorte
- Gymnasium Cäcilienschule, Haarenufer 11
- Großherzogliches Mausoleum, Gertrudenfriedhof Oldenburg, Kirchhofstraße (zwischen Nadorster Straße und Alexanderstraße)
Johann Heinrich Suhrkamp
In seinem Nachruf auf Johann Heinrich Suhrkamp, genannt Peter (1891 bis 1959), schrieb Theodor W. Adorno: „Selten fehlte der Hinweis darauf, dass er ein oldenburgischer Bauer war.“ Weltbekannt wurde Peter Suhrkamp jedoch als Begründer des führenden Literaturverlags der Bundesrepublik Deutschland. Bei Suhrkamp sind bedeutende Nachkriegsautoren wie Marcel Proust, T. S. Eliot, Samuel Beckett, Rudolf Alexander Schröder, Walter Benjamin, Theodor W. Adorno, Max Frisch und Martin Walser erschienen.
Suhrkamps Nachfolger im Verlag, Siegfried Unseld, würdigte ihn als „Magier des Verwandelns des Manuskripts zum Buch“. Neben seiner verlegerischen Arbeit betätigte sich Suhrkamp auch selbst als Schriftsteller. Als sein wichtigstes Werk gilt das Romanfragment „Munderloh“, das in seiner oldenburgischen Heimat spielt und die Entfremdung von der bäuerlichen Welt thematisiert.
Willa Thorade
Willa Thorade war eine Sozialpolitikerin, Frauenrechtlerin und Gründerin von sozialen Einrichtungen. Sie wurde 1871 als älteste Tochter des Bankdirektors Carl Heinrich Thorade und der Lehrerin Anna Thorade geboren. Beide Eltern waren sozial engagiert und bürgerlich-liberal eingestellt.
Als Willa 24 Jahre alt war, starb der Vater. Seitdem wohnte sie mit der Mutter in einem Haus in der Bismarckstraße, während die übrigen drei Geschwister nach und nach auszogen. Einen Beruf erlernte Willa Thorade nicht. Sie begann 1901, sich ehrenamtlich in verschiedenen sozialen Frauen(bildungs)vereinen zu engagieren.
Von 1905 bis Beginn der 1930er Jahre war Willa Thorade Vorstandsvorsitzende des Oldenburger Vaterländischen Frauenvereins (VfV). Dieser Verein betrieb eine Volks- und Schulküche, es entstanden Säuglingsheime und Unterstützungsangebote für junge Mütter. Von vielen Reisen durch Deutschland als Mitglied in Leitungsgremien verschiedener Vereine brachte Willa Thorade neue Ideen mit, die in Oldenburg umgesetzt werden konnten.
Nach Einführung des Frauenwahlrechts 1918 wurde Willa Thorade als eine der ersten Frauen Mitglied des Stadtrates in Oldenburg für die Deutsche Demokratische Partei. Der Protest gegen die Nationalsozialisten führte sie dazu, 1933 alle öffentlichen Ämter niederzulegen. Es folgte ihre Gründung des privaten „Dienstags-Kreises“, bei dem sich Demokraten wie Gertrud Bäumer, Marianne Weber und Helene Lange bei Willa Thorade zum Austausch trafen und der wohl von der Gestapo observiert wurden. Nach 1945 begann sie sofort wieder mit ihrem vielseitigen Engagement in der Frauen- und Kommunalpolitik. Darüber hinaus war Thorade auch journalistisch tätig.
Willa Thorade wurde mehrfach für ihre Verdienste geehrt. Sie erhielt unter anderem das Bundesverdienstkreuz und die Goldene Stadtmedaille der Stadt Oldenburg. Als zweite Frau nach Helene Lange durfte sie sich in das Goldene Buch der Stadt Oldenburg eintragen. Im Oldenburger Stadtteil Eversten wurde eine Straße nach ihr benannt.
Besuchsorte
- Willa-Thorade-Straße in Oldenburg-Eversten
- Ehemaliges Wohnhaus der Familie Thorade: Bismarckstraße 23c/Ecke Hindenburgstraße
Leo Trepp
Leo Trepp (geboren 1913 in Mainz, gestorben 2010 in San Francisco) studierte zunächst Philosophie und Philologie an der Universität Frankfurt. Er war ab 1936 Landesrabbiner in Oldenburg und erreichte die Einrichtung einer jüdischen Schule. Jüdische Kinder, die seit 1938 keine öffentlichen Schulen mehr besuchen durften, konnten dort bis 1940 unterrichtet werden. Am Tag nach den Novemberpogromen 1938, bei denen auch die Oldenburger Synagoge in Brand gesetzt und zerstört wurde, verhafteten die Nationalsozialisten Leo Trepp mit allen Männern der Gemeinde und führten sie in einer demütigenden Weise durch die Innenstadt. Im Gedenken an dieses Ereignis findet alljährlich in Oldenburg der Erinnerungsgang statt. Leo Trepp nahm am 10. November 1988 selbst daran teil.
Am 11. November 1938 wurden alle 43 jüdischen Männer Oldenburgs in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert. Der britische Hauptrabbiner Joseph Hertz setzte sich für Leo Trepp ein, so dass dieser aus dem Konzentrationslager entlassen wurde und im Dezember 1938 über England in die USA emigrieren konnte. Dort studierte er an der Harvard University und arbeitete als Rabbiner in verschiedenen Gemeinden sowie als Professor für Philosophie und Geisteswissenschaften. Fast alle Familienmitglieder Trepps wurden ermordet.
Er besuchte Deutschland über viele Jahre bereits ab 1954 regelmäßig, um als Professor an verschiedenen Universitäten zu lehren und sich für die Neugründung der Jüdischen Gemeinde in Oldenburg sowie den christlich-jüdischen Dialog einzusetzen. Auch warnte er vor einer Zunahme des Antisemitismus und Antizionismus in Deutschland. Im Jahr 1990 wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Oldenburg ernannt.
Besuchsort
- Leo-Trepp-Büste bei der Synagoge, Leo-Trepp-Straße 15-17
- Leo-Trepp-Straße (hinter dem PFL)
Zuletzt geändert am 30. Juni 2026

















