Der Heidenwall: Die Anfänge der Stadt Oldenburg

Bei den Erschließungsarbeiten des städtischen Gewerbegebietes am Osthafen zwischen Ikeagelände, Hemmelsbäker Kanal und Hunte wurde im Frühsommer 2007 eine historische Ringwallanlage wiederentdeckt. Sie war möglicherweise ein Vorläufer der Grafenburg in Oldenburgs Innenstadt. Der in historischen Karten als „Heidenwall“ bezeichnete Burgwall war einst in der engsten Stelle der früher vermoorten Hunteaue auf einer Sandinsel angelegt worden und bewachte die ehemalige Huntefurt zwischen Drielake und Donnerschwee. Die Furt war Teil des wichtigen regionalen Heerweges von Wildeshausen nach Jever.

Die im Boden konservierten Wallreste befinden sich im Deichbogen des Hemmelsbäker Kanals beziehungsweise an dessen Einmündung in den Huntealtarm. Aufmerksam gemacht worden war die Stadt durch den Oldenburger Historiker Martin Teller, der anhand von Geschichtsquellen, Literatur der Heimatforschung und durch intensiven Abgleich historischer und moderner Flurkarten die Position des Heidenwalls in der heutigen Landschaft identifizieren konnte. Auch die Archäologen vom Stützpunkt Oldenburg des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege hatten entsprechende Hinweise gegeben und ihren Verdacht durch eine Sondage bestätigen können.

Heidenwall stammt aus dem 11. Jahrhundert
Durch zwei archäologische Suchschnitte am Ort haben Fachleute des Landesamtes für Denkmalpflege symmetrische Ringwallstrukturen von etwa 35 bis 40 Metern Durchmesser aufgedeckt. Bislang ging man davon aus, dass der seit dem Spätmittelalter an dieser Stelle genannte „Heidenwall“ bei Anlage des Hemmelsbäker Kanals 1830 zum Großteil zerstört wurde. Wie sich nun zeigt, waren nur die oberirdischen Wallreste abgetragen worden.

Die Wiederentdeckung der verloren geglaubten Reste des Ringwalls macht nun eine historische Bewertung möglich: Archäologen, Historiker und Naturwissenschaftler haben bei baumkundlichen Untersuchungen herausgefunden, dass der Oldenburger Heidenwall aus der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts stammt. Noch genauer: Die Stämme für die innere „Holz-Erde-Mauer“ der historischen Ringwall-Anlage wurden im Jahre 1032 geschlagen. Im Jahre 1042 wurden weitere Bäume für die äußere Verstärkung der Mauer gefällt.

Offene Frage: Wer errichtete den Heidenwall?
Aufgabe der Historiker wird es nun sein, aus den vorhandenen Quellen herauszufinden, wer die Bauherren gewesen sind und vor allem in welchem historischen Kontext der Heidenwall entstand. Eine nur ausschnitthaft erforschte Parallele ist die „Neue Burg“ in Hamburg, in der vergleichbare Konstruktionsmerkmale auftauchen. Sie wurde 1061 von einem Vertreter des Adelsgeschlechtes der Billunger errichtet, die auch im Weser-Hunte-Raum aktiv waren. Als Eigentümer kommen unter anderem der Familienverband um den Grafen Huno, dem Gründer des Klosters Rastede, aber auch die Erzbischöfe von Bremen in Frage, die sich um diese Zeit ebenfalls befestigten.

Heidenwall ist Oldenburgs älteste Burganlage
Mit Hilfe des Heidenwalls kann auch Oldenburgs „Namensproblem“ geklärt werden: Der Ortsname Oldenburg tritt erstmals in einer Urkunde von 1108 als „Aldenburg“ (Alte Burg)  in Erscheinung – etwa ein halbes Jahrhundert, bevor die ehemalige Grafenburg in der Innenstadt  fertiggestellt wurde, wie anhand älterer archäologischer Befunde nachgewiesen wurde. Da die Burg noch während ihrer Erbauung kaum schon als „alt“ angesehen worden sein kann, wird ihr Name auf eine ältere Burg Bezug nehmen, die aber weder am Ort des heutigen Schlosses noch – als angebliche germanische Fluchtburg – auf dem Geestabhang der heutigen Innenstadt nachgewiesen werden konnte.
Dagegen ist der Heidenwall die einzige real nachweisbare Burganlage im näheren Umkreis und kommt somit als Vorläufer der Grafenburg in Frage. Ungeklärt bleiben in diesem Zusammenhang vorerst die eventuellen Zusammenhänge mit der Ansiedlung in der Oldenburger Innenstadt. Denn die dortigen Siedlungsspuren – am Marktplatz sowie östlich und südlich davon – reichen bis mindestens in das 8., vielleicht auch bis in das 7. Jahrhundert nach Christus zurück.

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