Wiederaufstieg als Großherzogliche Residenz

Erst die Übernahme der Regentschaft 1773 durch das Haus Holstein-Gottorp, eine Seitenlinie der dänischen Oldenburger, und der damit verbundene Aufstieg der Grafschaft zum Herzogtum gaben der Stadt neue Impulse. Insbesondere unter Herzog Peter Friedrich Ludwig (reg. 1785-1829) erhielt Oldenburg, dessen mittelalterliche und frühneuzeitliche Bausubstanz im Stadtbrand von 1676 nahezu vollständig untergegangen war, ein neues Gesicht.

Dem Kunststil der Zeit – dem Klassizismus – entsprechend begann eine Ära architektonischer und gestalterischer Kultur, die heute noch in der Stadt sehr gut erlebbar ist. Die dänischen Festungswälle wurden abgetragen, das Peter Friedrich Ludwigs-Hospital, das Mausoleum auf dem Gertrudenfriedhof und die Rotunde innerhalb der Lambertikirche sind nur einige der Bauwerke, die Oldenburg der regen Bautätigkeit in dieser Zeit verdankt.

Bürgerliche Revolution und erste Ratssitzung

Die großen, epochalen politischen Umwälzungen des 19. Jahrhunderts gingen an Oldenburg nicht spurlos vorüber, und doch verliefen sie, wie so vieles in der Geschichte der Stadt wie des Landes, sehr milde. Die bürgerliche Revolution von 1848 warf die großherzogliche Residenz nicht aus der Bahn. Gekennzeichnet von Kompromissen, aber doch im Geiste des Liberalismus verfasst, trat am 18. Februar 1849 das Staatsgrundgesetz als erste Verfassung des Großherzogtums in Kraft. Besonders erwähnenswert aus städtischer Sicht: Der Rat von Oldenburg tagte am 8. April 1849 erstmals öffentlich.

Neue Gaslaternen: Es werde Licht!

Bevölkerungszuwachs, Industrialisierung und Verkehrsentwicklung bestimmten zunehmend das neue Stadtbild. Ein herausragendes Symbol des Modernisierungsprozesses, der in der Mitte des 19. Jahrhunderts einsetzte, war das künstliche Licht. Zu Beginn der 1840er Jahre hielten zuerst  Tran- und Öllampen Einzug und erleuchteten den öffentlichen Raum. Der Durchbruch erfolgte jedoch 1853 mit Einführung der Gaslaternen. Diese erhellten nicht nur Straßen und öffentliche Gebäude, sondern auch Geschäfts- und Privathäuser. Die neue Lichttechnik veränderte das alltägliche Leben und Arbeiten grundlegend. So erlebten zum Beispiel Wirtshäuser einen großen Aufschwung und etablierten sich gerade bei Männern als wichtige Zentren der Freizeitgestaltung. Auch Salons und Klubs für die soziale Oberschicht erfreuten sich großer Beliebtheit.

Wirtschaftliches Wachstum und Aufschwung

Im Jahr 1841 wurde der Oldenburgische Gewerbe- und Handelsverein gegründet, der das Ziel verfolgte, Handel, Schifffahrt, Gewerbe und Industrie zu fördern. Der Erfolg des Vereins basierte im ersten Jahrzehnt seines Bestehens vor allem darauf, dass von den Mitgliedern wichtige Konzepte wie beispielsweise der Ausbau der Landstraßen, die Huntevertiefung oder der Plan einer nordwestdeutschen Einsenbahnlinie entwickelt wurden.
Die „Großherzogliche Oldenburgische Eisenbahn“ wurde im Jahr 1866 gegründet, die erste Strecke zwischen Wilhelmshaven, Oldenburg und Bremen 1867 eröffnet. Mit der Ausweitung des Eisenbahnnetzes im Oldenburger Land wurde die Eisenbahn zum Motor der wirtschaftlichen Entwicklung: Die Beförderung von Waren und Personen erfolgte in bisher unbekannter Geschwindigkeit und reduzierte die Transportkosten erheblich.

Neben dem Ausbau des Eisenbahn- und Straßennetzes investierte der Oldenburgische Staat auch in den Kanalbau und den Ausbau der Hunte. Der 1855 begonnene und 1893 fertig gestellte Bau des Hunte-Ems-Kanals, dem späteren Küstenkanal, bescherte dem alten Oldenburger Hafen eine größere wirtschaftliche Bedeutung.

Auch was industrielle Betriebe betraf, war Oldenburg gut aufgestellt: So gab es zum Beispiel sechs Tabak- und Zigarettenfabriken, eine Eisengießerei, eine Kalk- und Zementbrennerei, Essig-, Likör- und Stearinfabriken, eine Schiffswerft, eine Mantel- und Deckenfabrik, eine Feilenfabrik sowie mehrere Druckereien, Färbereien und Buchdruckereien. Die meisten Betriebe waren am Stau und in der näheren Umgebung angesiedelt, denn der Stau hatte sich um 1850 zu einem modernen Umschlaghafen mit Hafenanlagen, Speichern, Lagerschuppen und Industrieanlagen gemausert.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich in Osternburg zudem ein typisches Industrie- und Arbeiterviertel. Dort befanden sich zum Beispiel die Oldenburgische Glashütte, die in den 1890er Jahren zwischen 500 und 600 Arbeitskräften beschäftigte, und die Warpsspinnerei & Stärkerei.

Die wirtschaftliche Prosperität der Stadt Oldenburg im Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert wurde auf der Landesausstellung 1905 erfolgreich dokumentiert. Die erfolgreiche Gewerbeschau machte deutlich, dass die Residenz den Anschluss an die Moderne vollzogen hatte.

Bevölkerungszuwachs und Ausbau der Verwaltung

Hand in Hand mit dem wirtschaftlichen Aufschwung nahm auch die Bevölkerung rasch zu, so dass die Stadt mit ihrem Flächenbedarf schnell an die Grenzen ihrer ländlichen Vororte stieß. Hatte Oldenburg in der Mitte des 19. Jahrhunderts knapp 9.000 Einwohner, so waren im Jahr 1910 bereits über 30.000.

Auch die Verwaltung der Stadt nahm an Bedeutung wie an Umfang zu. Das alte Rathaus im Renaissancestil wurde zu klein und musste – heute würden Denkmalschützer die Hände über dem Kopf zusammenschlagen – einem Neubau weichen. 1888 wurde das im neugotischen Stil auf dreieckigem Grundriss errichtete neue Verwaltungsgebäude feierlich eingeweiht.