Weltkriege und der Weg zur Großstadt

Der erste Weltkrieg: Von der Euphorie zur Depression

Der Beginn des ersten Weltkrieges wurde in Oldenburg – wie in anderen deutschen Städten auch – zuerst mit einer gewissen Begeisterung aufgenommen. Neben tausenden Reservisten eilte auch eine sehr große Zahl von Freiwilligen zu den Kasernen, so dass sich das Oldenburger Infanterie-Regiment 91 (die größte in Oldenburg stationierte Einheit) nicht mehr in der Lage sah, die vielen Freiwilligen aufzunehmen.
Die anfängliche Euphorie wich jedoch rasch dem Unmut über steigende Preise, kurzfristige Einquartierungen und hohe Arbeitslosigkeit. Auch die Sorge um Angehörige, die in den Krieg gezogen waren, wuchs: Das Infanterie-Regiment 91 meldete bereits nach vier Wochen etwa 50 Prozent Verlust durch Gefallene, Verwundete und Gefangene. In zahlreichen Feldpostbriefen, dem wichtigsten Bindeglied zwischen Front und Heimat, schilderten Soldaten ihren Angehörigen zudem die erschütternde Realität des Krieges.

Auch die Versorgung der Bevölkerung wurde aufgrund eines Nahrungsmittelmangels immer schwieriger. Der berüchtigte „Steckrübenwinter“ 1916/17 war auch in Oldenburg zu spüren: Die Steckrübe, das einzige in Massen verfügbare Lebensmittel, wurde in allen Varianten gekocht, eingemacht und gegessen – sei es als Steckrüben-Frikadelle, Steckrüben-Marmelade oder -Gemüse. Aufgrund des hohen Gartenanteils in der Stadt ging es den Oldenburgern aber noch verhältnismäßig „gut“, da sie Gemüse für den eigenen Bedarf anbauen konnten.

Neben dem Wirtschaftsleben kam auch das öffentliche und kulturelle Leben – abgesehen von propagandistischen Veranstaltungen – fast zum Erliegen. Das betraf nicht nur öffentliche und kommunale Einrichtungen, sondern auch Schulen, deren Unterrichtsräume als Unterkünfte für Einquartierte und später auch Verwundete genutzt wurden. Unterbrochen wurde der Schulalltag zusätzlich von Ernteeinsätzen im Umland und der Betreuung von Kriegsverletzten. Hier sei auch das beeindruckende freiwillige karitative Engagement vieler Oldenburger – in erster Linie der Frauen – genannt, die sich um die Pflege Verletzter aber auch die Betreuung und Aufmunterung der in den Krieg ziehenden Truppen kümmerten.

Oldenburg in Weimarer Republik und Zweitem Weltkrieg

Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg wurde Oldenburg Freistaat mit einer eigenen Regierung und einem gewählten Landtag. Doch hier wie anderswo in Deutschland blieb der erste Versuch einer Demokratie auf deutschem Boden ohne Erfolg.

Das dunkle Kapitel des Nationalsozialismus ging an der Stadt nicht vorbei. Bereits 1932 stand Oldenburg unter der Herrschaft einer nationalsozialistischen Landesregierung. Diese setzte den amtierenden Oberbürgermeister Theodor Goerlitz ab, der in seiner Amtszeit (1921-32) große Verdienste für die Stadt errang: So sorgte er zum Beispiel für Eingemeindungen und schuf auf diese Weise Fläche für Wohnungsbau und Industrieansiedlung (zum Beispiel der Fleischwarenfabrik im Haareneschviertel), was mittelbar Voraussetzung zur Schaffung von Arbeitsplätzen war und zu erhöhten (Steuer-)Einnahmen für die Stadt führte.

Unter Führung der Nationalsozialisten wurde Oldenburg Gauhauptstadt Weser-Ems und blieb es bis 1945. Wie andernorts in Deutschland wurden auch in Oldenburg jüdische Mitbürger diskriminiert und verfolgt: Die Geschäfte jüdischer Kaufleute wurden boykottiert, Schilder mit der Aufschrift „Juden sind hier unerwünscht“ prägten das Stadtbild und ab August 1935 wurde Juden der Eintritt in die städtische Badeanstalt an der Hunte verwehrt. In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 ging die jüdische Synagoge an der Peterstraße in Flammen auf. Auch die benachbarte jüdische Schule brannte aus. Hunderte von Juden flohen oder wurden deportiert. Insgesamt wurden über 100 jüdische Oldenburger Opfer des Holocausts.

Für die Zivilbevölkerung bedeutete der Krieg eine erneute Verschlechterung der Lebenssituation: Die Männer wurden als Soldaten zum Kriegsdienst eingezogen, die Frauen zum Arbeitsdienst verpflichtet und die Lebensmittel rationiert. Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter mussten unter menschenunwürdigen Bedingungen für die deutsche Kriegswirtschaft arbeiten.
Etwa 2.500 Oldenburger Soldaten fielen im Zweiten Weltkrieg.

Flüchtlingsströme und Strukturwandel

Der Bombenhagel des Zweiten Weltkrieges verschonte Oldenburg weitgehend. Das Glück der entgangenen Bombardierung brachte der Stadt nach 1945 einen unaufhaltsamen Strom von rund 40.000 Flüchtligen aus Ost- und Mitteldeutschland, die untergebracht werden mussten. Aus der beschaulichen Mittelstadt wurde schlagartig eine Großstadt mit über 120.000 Einwohnern. Die Integration einer so großen Zahl von Zuwanderern darf – bei allen Problemen in der unmittelbaren Nachkriegszeit – als eine der großen Leistungen in der Geschichte der Stadt betrachtet werden. Schon in den fünfziger Jahren sorgte auch in Oldenburg das „Wirtschaftswunder“ nach den vielen Jahren der Entbehrung für Wohlstand und soziale Sicherheit.

In den Folgejahren machte die Stadt einen Strukturwandel durch: Industrie- und Gewerbebetriebe wie die Oldenburger Warpsspinnerei sowie die Glashütte, die der Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg vorerst Arbeitsplätze boten, mussten in den 1970er Jahren beziehungsweise den frühen 1980ern ihre Tore schließen. Dafür mauserte sich Oldenburg zu einem Dienstleistungszentrum mit vielen Behörden, einem ausgeprägten Bank- und Versicherungswesen sowie der im Jahr 1973 gegründeten Universität.

Verwaltungsreformen

Im Jahre 1946 wurde das selbstständige Land Oldenburg, nicht unbedingt zur Begeisterung der Oldenburger, aufgelöst. Stadt und Land gingen im neu geschaffenen Bundesland Niedersachsen auf. Oldenburg wurde Sitz des Präsidenten des Niedersächsischen Verwaltungsbezirks Oldenburg und nach der kommunalen Gebietsreform von 1978 Sitz der Bezirksregierung Weser-Ems. Letztere wurde Ende 2004 wieder aufgelöst. Seitdem besteht in Oldenburg eine Regierungsvertretung mit vergleichsweise eingeschränkten Kompetenzen.