Die Lebensrealitäten von Frauen und Männern unterscheiden sich teilweise noch erheblich. Was rechtlich längst gleichgestellt ist, spiegelt sich im Alltag nicht immer wider. Echte Gleichstellung gelingt deshalb nur in einer Gesellschaft, die Gleichberechtigung auch tatsächlich lebt.
Dafür ist es wichtig, bestehende Ungleichheiten zu erkennen, sie offen anzusprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Es stehen nur dann Frauen und Männern die gleichen Wege offen, wenn sie die gleichen Chancen haben, sie zu gehen.
Beruf & Arbeitswelt
Der berufliche Kontext ist für Frauen und Männer häufig ein anderer. Wesentlich mehr Frauen arbeiten in Teilzeit und nehmen den größten Teil der Elternzeit in Anspruch. Männer hingegen sehen sich häufig einer größeren Erwartungshaltung an ihre Leistung und ihren finanziellen Erfolg gegenüber. Nach wie vor sind in einigen Berufsfeldern Frauen oder Männer stark unterrepräsentiert, wie beispielsweisen in sozialen oder technischen Berufen. Durchweg durch alle Bereiche lässt sich feststellen, dass Führungspositionen auffallend stark männlich besetzt sind.
Das Ziel der Gleichstellungsarbeit ist es, allen Menschen strukturell das Lebensmodell zu ermöglichen, das sie leben möchten – frei von gesellschaftlichen Erwartungen und stereotypen Rollen. Dazu ist es notwendig, dass Männer, die mehr Sorgearbeit übernehmen möchten, Unterstützung im privaten wie beruflichen Umfeld erfahren. Frauen wiederum erreichen im Durchschnitt bessere Bildungsabschlüsse, liegen aber in der Besetzung der entsprechenden Positionen, wie auch im Einkommen deutlich hinter den Männern. Für viele Frauen reicht es nicht für ein eigenständiges finanzielles Auskommen und am Ende steht Altersarmut. Deshalb steht die berufliche Förderung hier im Fokus. Für alle Geschlechter gilt, dass es eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben geben muss.
Gesundheit & Sexualität
Frauen und Männer unterscheiden sich in biologischer Hinsicht, etwa bei bestimmten Krankheitsrisiken oder hormonellen Einflüssen auf die Gesundheit. Gleichzeitig prägen gesellschaftliche Rollenbilder das Gesundheitsverhalten und den Umgang mit Sexualität. So nehmen Männer Vorsorgeangebote deutlich seltener in Anspruch und begehen häufiger Suizid, während gesundheitliche Beschwerden von Frauen in Forschung und medizinischer Praxis lange Zeit nicht ausreichend berücksichtigt wurden und nicht werden.
Auch im Bereich Sexualität wirken traditionelle Geschlechterrollen fort. Erwartungen an stereotyp männliches oder weibliches Verhalten schränken die individuelle Entfaltung und Selbstbestimmung ein. Benachteiligungen abzubauen und allen Menschen einen gleichberechtigten Zugang zu Gesundheitsversorgung, Aufklärung und sexueller Selbstbestimmung zu ermöglichen.
Familie & Freizeit
Die Sorgearbeit wird nach wie vor zum weitaus größten Teil von Frauen getragen, während die finanzielle Absicherung den Männern angedacht wird. Beide Seiten stehen unter dem gesellschaftlichen Druck, ihren Rollen zu entsprechen. Individuell gibt es andere Lösungen, aber grundlegend wird unabhängig von der konkreten Familiensituation immer das sich stapelnde Geschirr der Frau angelastet und in finanziell schwierigen Phasen dem Mann die Männlichkeit abgesprochen. Ebenso ist die Freizeitgestaltung – oder die Möglichkeit dazu – zwischen den Geschlechtern unterschiedlich. So verlieren beispielsweise Vereine mit der Familiengründung weitaus mehr Frauen als Männer, auch dauerhaft.
Nach der Trennung von Eltern verstärken sich die Unterschiede zwischen den Geschlechtern stark. 80 bis 85 Prozent der Alleinerziehenden sind Frauen und obwohl sie häufiger und auch häufiger in Vollzeit arbeiten als Frauen in Paarfamilien, bilden sie die Gruppe mit der höchsten Armutsgefährdungsquote in Deutschland. Sorgearbeit ist ein signifikanter Armutsfaktor.
Rechtliche Grundlage
Artikel 3 Absatz 2 des Grundgesetzes lautet seit 1949 „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ Da jedoch Recht und Umsetzung Zweierlei sind, wurde der Artikel 1994 um folgenden Satz ergänzt: „Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“
Die Förderung der praktisch gelebten Gleichstellung von Frauen und Männern ist damit verfassungsrechtlicher Auftrag.
Informationsmaterialien
- Zuschuss für Verhütungsmittel (Flyer)
- Toben im Prinzessinnenkleid – Praxisheft zur gendersensiblen Pädagogik in der KiTa (Heft)
- Der Minijob – Da ist mehr für Sie drin (Heft)
- Der Minijob – In leichter Sprache (PDF, 3MB, barrierefrei)
- Postkarte mit QR-Code zum Oldenburger Kompass für Alleinerziehende
- Postkarte mit QR-Code zu Veranstaltungen zum Internationalen Frauentag
Netzwerke, Beratung & Unterstützung
Beruf & Arbeitswelt
Queeres Leben in Oldenburg
Zuletzt geändert am 27. Juni 2026