Leitfaden für Altenhilfe und Kulturgeragogik
In ihrem Leitfaden zur gelingenden Kooperation von Altenhilfe und Kulturgeragogik nehmen die Autorinnen Ina Lauterbach-Dannenberg, Almuth Fricke und Christiane Kaminski eine Standortbestimmung vor, die auch für die Verhältnisse in Oldenburg zutreffend ist: „Der demografische Wandel und die wachsende Diversität der alternden Bevölkerung erfordern vielseitige und zugängliche kulturelle Angebote für ältere Menschen. Gleichzeitig führen aber strukturelle Hürden wie Fachkräftemangel und wirtschaftliche Belastungen, mangelnde Mobilität und Isolation dazu, dass viele Senior:innen, insbesondere in Pflegeeinrichtungen oder in ländlichen Gebieten, kaum Zugang zu Kulturangeboten haben. Die Kooperation zwischen Kulturgeragog:innen und Institutionen der Altenhilfe ist daher entscheidend, um eine umfassende Teilhabe für alle älteren Menschen zu ermöglichen.“
(Quelle: So kann Kooperation gelingen! Gemeinsam für kulturelle Teilhabe im Alter! Ein Leitfaden zur gelingenden Kooperation von Altenhilfe und Kulturgeragogik. Herausgeber: Fach- und Koordinierungsstelle der Regionalbüros Alter, Pflege und Demenz – Eine gemeinsame Initiative zur Strukturentwicklung der Landesregierung und der Träger der Pflegeversicherung NRW. Verantwortlich für die Inhalte: Ein Kooperationsprodukt der Regionalbüros Alter, Pflege und Demenz NRW und des Kompetenzzentrums für Kulturelle Bildung im Alter und inklusive Kultur (kubia) als Netzwerk Demenz und Kulturelle Teilhabe NRW in Zusammenarbeit mit dem Fachverband Kunst- und Kulturgeragogik e. V. (Köln 2025), S. 2)
blue OL Fonds: Kunst und Kultur in Seniorenheimen
Der blue OL Fonds Kulturelle Bildung im Alter hat zum dritten Mal ein Jahresprogramm aufgelegt. Dank der großzügigen Förderung durch die Klaue-Stiftung können wieder kulturgeragogische Workshops, Kunstbegegnungen, musikalische, Tanz- und Theater-Angebote für Senioren(pflege)einrichtungen kostenfrei angeboten werden. Eine gute Gelegenheit, mehr Kunst, Kultur und kreative Angebote für die Bewohnerinnen und Bewohner oder Tagesgäste in die Einrichtungen zu bringen. Erfahren Sie mehr!
Balkonkonzerte und Freiluft-Aufführungen in Pflegeeinrichtungen
Balkonkonzerte waren in Oldenburg groß angesagt in Zeiten, in denen öffentliche Konzerte und andere Kulturveranstaltungen abgesagt werden mussten. Das Kulturbüro der Stadt Oldenburg startete Ende März 2020 (direkt nach dem ersten Lockdown) eine Initiative, die gleich mehreren Seiten helfen konnte, an hochwertiger Kunst und Kultur auch in Zeiten von Corona teilzuhaben. Balkonkonzerte und andere Freiluft-Aufführungen sind in Senioren-, Behinderten- und Pflegeeinrichtungen veranstaltet worden. Das erste „Balkonkonzert" fand bereits am 4. April 2020 statt.
Beteiligt waren auf der einen Seite professionelle freie Künstlerinnen und Künstler, die bereit waren, in Innenhöfen oder Gärten der beteiligten Einrichtungen etwas aufzuführen. Darunter waren musikalische Darbietungen, aber auch Pantomime, Schauspiel, Tanz und Akrobatik – also alle Künste, die optisch und akustisch auch aus der Distanz einem Publikum dargeboten werden können. Auf der anderen Seite waren Einrichtungen beteiligt, die Interesse hatten, diese Aufführungen ihren Bewohnerinnen und Bewohnern zu eröffnen. Letztere konnten von ihren Fenstern oder Balkonen aus die künstlerischen Darbietungen verfolgen.
Bedingung für die Aufführungen war natürlich, dass die derzeitigen Anordnungen zum Schutz der Bewohnerinnen und Bewohnern und auch der Künstlerinnen und Künstler eingehalten werden konnten. Maßgeblich hierfür war die jeweils gültige Allgemeinverfügung des Landes Niedersachsen zur Beschränkung sozialer Kontakte. Das Kulturbüro stand hierzu in engem Kontakt mit den zuständigen Ämtern und Einrichtungsleitungen.
Gefördert wurden die Balkonkonzerte und Freiluft-Aufführungen zunächst aus Mitteln der Kulturellen Bildung und Teilhabe. Weitere Förderer und Finanzierungsmöglichkeiten wurden gesucht.
Das Kulturbüro wollte mit diesem Pilotprojekt beiden Seiten helfen: Einerseits konnten freischaffende Künstlerinnen und Künstler, denen in Zeiten von Corona viele Einnahmen weggebrochen sind, zu neuen Engagements kommen. Andererseits konnten Bewohnerinnen und Bewohner von Einrichtungen, die keinerlei Besuch empfangen durften und nur ein eingeschränktes Freizeitprogramm anbieten konnten, Kultur als Bereicherung ihres Alltags erleben.
Zuletzt geändert am 27. Juni 2026

