Rat beauftragt Verwaltung mit wissenschaftlicher Untersuchung der Ereignisse vom April 1945
Der Rat der Stadt Oldenburg hat in seiner Sitzung am 29. Juni 2026 auf Antrag der Fraktionen von SPD und BSW beschlossen, die Verwaltung mit der Beauftragung eines historischen Gutachtens zu NS-Endphaseverbrechen in Oldenburg zu betrauen. Im Mittelpunkt der Untersuchung sollen die Erhängungen mehrerer deutscher Soldaten entlang der Cloppenburger Straße in den letzten Apriltagen des Jahres 1945 stehen. Die Männer wurden als sogenannte „Deserteure“ und „Feiglinge“ hingerichtet und ihre Leichname zur Abschreckung anderer kriegsmüder Soldaten und Zivilpersonen über längere Zeit öffentlich zur Schau gestellt. Die Taten zählen zu den schwersten Verbrechen der nationalsozialistischen Endphase in Oldenburg.
Gutachten soll historische Ereignisse umfassend aufarbeiten
Mit dem Gutachten sollen die historischen Ereignisse umfassend aufgearbeitet und wissenschaftlich eingeordnet werden. Ein zentrales Ziel besteht darin, eine belastbare Grundlage zu schaffen, um Bürgerinnen und Bürger künftig angemessen über die Geschehnisse informieren und ein würdiges Gedenken ermöglichen zu können. Darüber hinaus sollen bislang nicht identifizierte Opfer möglichst benannt sowie die Verantwortlichkeiten für die Verbrechen näher untersucht werden.
Historische Hinweise deuten darauf hin, dass die Morde im Zusammenhang mit den im Februar 1945 eingerichteten „Sonderstandgerichten zur Bekämpfung von Auflösungserscheinungen“ standen. Ein solches Sonderstandgericht soll sich im April 1945 in Oldenburg-Bümmerstede befunden haben. Ähnliche Taten werden zudem für Sandkrug und Tungeln vermutet.
Aussagen im Entnazifizierungsverfahren und Zeitzeugenberichte
Die bisherigen Erkenntnisse stützen sich unter anderem auf Aussagen ehemaliger NS-Funktionäre und Wehrmachtsangehöriger, die nach Kriegsende im Rahmen von Entnazifizierungsverfahren dokumentiert wurden, sowie auf Berichte von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen. Eine wichtige Grundlage bildet aus Sicht der Antragstellenden der von Hans-Peter Klausch im „Oldenburger Jahrbuch 2015“ veröffentlichte Beitrag „Oldenburger NS-Endphaseverbrechen – die Erhängungen an der Cloppenburger Straße im April 1945“, in dem zahlreiche Quellen und Ansatzpunkte für weiterführende Forschungen zu finden sind.
Mit dem Beschluss, so heißt es in der Antragsbegründung, ist die Hoffnung verbunden, dass moderne Forschungsmethoden und technische Möglichkeiten zusätzliche Erkenntnisse über die Opfer, die Hintergründe der Taten und die beteiligten Verantwortlichen liefern können.
Zuletzt geändert am 30. Juni 2026